Bremerhavener Forschung zeigt: So bedrohlich ist der Klimawandel

Natur und Menschheit sind bedroht – das ist die Botschaft der heutigen Fridays for Future-Proteste weltweit. Das Ausmaß der Gefahr verdeutlichen Erkenntnisse des AWI.

Eisbär auf kleiner Eisscholle im Wasser
Schmelzendes Eis gehört zu den großen Auswirkungen des Klimawandels. Bild: Imago | McPhoto/Hinrich Bäsemann

"Wir müssen jetzt handeln, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren." So unmissverständlich lautet die Einschätzung von Renate Treffeisen zum Klimawandel. Sie arbeitet im Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Mit dem Ziel: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Forschungsergebnisse zu vermitteln und für deren Entscheidungsprozesse nutzbar zu machen. Mit drei beispielhaften Erkenntnissen ihres Instituts verdeutlicht die AWI-Mitarbeiterin ihre Einschätzung und sagt: "Die Veränderungen belegen, dass sich das Klima deutlich verändert."

1 Globale Erwärmung

"Die globale Erwärmung wird zwischen 2030 und 2050 wahrscheinlich 1,5 Grad erreichen, wenn sie mit der aktuellen Geschwindigkeit weiter zunimmt. Mit den aktuellen weiter steigenden Treibhausgasemissionen wird zum Ende des Jahrhunderts sogar eine Erwärmung um 2,6 bis 4,8 Grad erreicht. Klimabedingte Risiken für Gesundheit, Lebensgrundlagen, Ernährungssicherheit und Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum werden laut Projektionen bei einer Erwärmung um 1,5 Grad zunehmen und bei 2 Grad noch weiter ansteigen. Insbesondere die Arktis erwärmt sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts besonders stark: Im Sommer etwa eineinhalb Mal so schnell wie im globalen Durchschnitt. Hinzu kommen verschiedene Rückkopplungseffekte, die die Eisverluste verstärken."

2 Gletscherschmelze und Meeresspiegelanstieg

"In den vergangenen zwei Dekaden haben das Grönländische und das Antarktische Eisschild an Masse verloren und die Gletscher ihren Schrumpfungsprozess nahezu weltweit fortgesetzt. Der Grönländische Eisschild verzeichnete im Jahr 2019 einen neuen Rekord-Massenverlust. Die Gesamtmassenverluste fielen mit 532 Milliarden Tonnen höher aus als im bisherigen Rekordjahr 2012 (464 Milliarden Tonnen), was einem global gemittelten Meeresspiegelanstieg von 1,5 Millimeter entspricht."

3 Eisfreie Arktis

"Das Arktische Meereis wird sehr wahrscheinlich weiterhin an Fläche und Stärke verlieren. Die Meereisdecke des Arktischen Ozeans ist in diesem Sommer auf die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979 geschrumpft. Mitte September betrug die verbleibende Eisfläche nur noch 3,8 Millionen Quadratkilometer. Damit liegt die aktuelle Meereisfläche nur etwa 0,5 Millionen Quadratkilometer über dem Negativrekord aus dem Jahr 2012. Acht der zehn niedrigsten Eisausdehnungen sind seit 2010 aufgetreten! Unter der derzeitigen Entwicklung wird eine eisfreie Arktis im Sommer bereit zur Mitte des 21. Jahrhunderts erwartet." Als "Wetterküche für Europa" mit Auswirkungen auf das Klima im Rest der Welt bezeichnet Markus Rex vom AWI die Arktis. Er leitet die internationale "Mosaic"-Expedition, die demnächst nach einjähriger Klimaforschung zurück in Bremerhaven erwartet wird.

Klima, Meer und ewiges Eis: Die wichtige Botschaft des AWI

Video vom 6. Juni 2020
Der Boden ist eben und mit Schnee bedeckt. In der Ferne türmen sich schneebedeckte Berge auf.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 25. September 2020, 08:10 Uhr