Interview

Fynn Kliemann zu Bremens kleinstem Haus: "Ein absolutes Schmuckstück"

Bremens quasi-prominentestes Gebäude gehört nun: einem Prominenten. Aber wie kam es dazu, und was hat Kliemann mit der XXS-Residenz vor?

Fynn Kliemann, deutscher Musiker und YouTuber und das kleinste Haus Bremens im Schnoor (Montage)
Hat von der Verkaufsanzeige zufällig Wind bekommen und fuhr noch am gleichen Tag nach Bremen: YouTube-Star Fynn Kliemann und sein neues Domizil. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich/Sina Schuldt
Herr Kliemann, nehmen Sie uns doch zu Beginn einmal mit hinter die Kulissen. Wie kam es zu diesem Kauf?
Naja, das ist immer alles so ein bisschen zufällig irgendwie. Ich habe ja auch in Mecklenburg so ein Erholungszentrum aus der DDR gekauft, das ist mir auch eher zugefallen. Und bei solchen Sachen denke ich mir: je abgefahrener, desto besser.

Wir waren dann jedenfalls irgendwann mal im Büro und meine Assistentin ist superklein, die ist 1,60 groß, kommt aus Bremen. Und dann hat mein Kollege gesagt "Guck mal Antje, hier, perfektes Haus für dich, genauso groß wie du." Und dann habe ich das gesehen und mir gedacht: "Alter, was ist das denn? Das ist ja witzig, die Bude wird wirklich noch verkauft." Es gibt da ja auch schon tausende Dokus drüber. So eine habe ich mir dann angeguckt, bin aufgestanden und direkt danach nach Bremen gefahren.
Das ist fix. Wie lange hat es dann gedauert, bis alles dingfest war? Denn Sie waren ja bei weitem nicht der einzige Interessent. 150 Anfragen gab es insgesamt.
Das ging sehr schnell. Ich habe gesagt, dass ich das gerne haben möchte und am nächsten Tag war es dann entschieden. Das hat aber auch alles sehr gut gepasst. Der Verkäufer ist so ein verrückter Tüftler, das fand ich sehr sympathisch. Wir haben uns direkt gut verstanden. Und ihm ist es einfach wichtig, dass das Haus gut erhalten bleibt, dass es gut genutzt und kreativ eingesetzt wird. Und das kann ich. Dafür stehe ich mit meinem Namen (lacht). Also habe ich zu ihm gesagt "Du pass auf, ich zahle deinen Preis, keine Lust auf großes Verhandeln, lass uns das mal dingfest machen." Ich bin dann aber auch gut darin, Leute davon zu überzeugen, dass ich der richtige Mann bin für die Aufgabe.
Innenansicht kleinstes Haus
Die Innenansicht: Auf die knappe Fläche passen so gerade kleine Kochnische, Schreibtisch und Bad. Bild: Kensington
Stichwort Preis: Der ist ganz schön happig und auch das, was die Verkaufsanzeige so besonders gemacht hat. Mit 77.777 Euro ist es nämlich zugleich das kleinste Haus Bremens sowie das mit dem größten Quadratmeterpreis.
Das stimmt, du darfst das auf gar keinen Fall auf den Quadratmeterpreis rechnen, der ist höher als bei einem Loft in Manhattan. Aber letztlich ist es im Vergleich mit einer richtigen Wohnung – also wenn du nur einen Schlafplatz in Bremen brauchst – ja wieder billig. So musst du es rechnen. Man muss das so sehen, dass das ein Übernachtungsplatz ist im schönsten Viertel in Bremen, vielleicht der Welt. Ich habe mal länger in Bremen gearbeitet, finde Bremen eh toll und das Schnoor ist einfach das geilste Viertel der Welt, wie ich finde. Das ist einfach wie bei Harry Potter. Das fand ich schon immer cool. Außerdem ist Geld auch immer so ein dummer Faktor, daran macht man das dann fest, aber es geht darum, dass das ein wunderschönes kleines Häuschen im Schnoor ist. Und es ist egal, was das dann kostet.
Was macht denn jetzt ein Fynn Kliemann mit diesem kleinsten Haus Bremens?
Ich möchte gerne, dass Leute da auch hinkommen können. Das kleinste Haus Deutschlands, ich meine, da wird sich ja auch mal eine Übernachtung lohnen. Ich mache da vielleicht eine Ferienwohnung draus, mal gucken. Ich habe ja jetzt auch diesen Kontext mit dem Erholungszentrum in Mecklenburg und vielleicht wird das wie so eine eigene Plattform, wo du in Buden schlafen kannst, die irgendwie außergewöhnlich sind.
Blick von der Dachterrasse des kleinsten Hauses im Schnoor.
Klein, aber fein: Sogar mit einer Dachterasse kann Bremens winzigste Immobilie aufwarten. Bild: Radio Bremen | Birgit Reichardt
Das wäre dann gleichzeitig wahrscheinlich auch eine der ältesten Ferienwohnungen Deutschlands, immerhin hat das Haus fast 200 Jahre auf dem Buckel und ist damit ja auch irgendwie ein Denkmal. Schränkt das Ihre Pläne ein?
Naja, also das ist ja kein richtiger Denkmalschutz, sondern das ist so Bestandsschutz, das heißt von drinnen darf man machen, was man will. Und das war ja ursprünglich auch mal zweistöckig, oder sogar dreistöckig, das heißt, man dürfte wahrscheinlich sogar hochgehen. Ich will das eigentlich aber auch gar nicht unbedingt größer machen. Ich finde das gerade geil, weil es so klein ist. Daher steht am Anfang jetzt auch erstmal ganz viel Planung, viel mit Umbauen ist da drin ja nicht. Vielleicht machen wir eine Dachluke, dann kannst du in den Sternenhimmel gucken. Ich habe mir aber auch schon so ein bisschen was überlegt, wie man mit Pneumatikstempeln und einer Smart-Home-Steuerung arbeiten kann. Mal schauen. Lasst euch überraschen!
Alles in allem: Haben Sie das Gefühl, der Kauf hat sich gelohnt?
Auf jeden Fall. Also ein Tipp an die Menschheit, den ich echt nochmal loswerden muss: Wenn du was möchtest, dann musst du das jetzt sofort machen. Ich finde das immer so doof, so viele Leute eiern dann so lange rum und sagen: "Ach ich weiß nicht, schlafe ich lieber nochmal drüber." Ich bin mir sicher: Alle Leute, die es nicht gekauft haben, werden es bereuen, denn das ist das schönste Viertel und das kleinste Haus Deutschlands. Das muss man sich mal reinziehen, was das bedeutet. Das ist ein absolutes Schmuckstück. Und jeder, der sich diese Perle nicht geholt hat, ist selber schuld. Wer den Quadratmeterpreis sieht und keine Idee dafür hat, der ist halt raus. Und alle anderen mit ein bisschen Fantasie, für die ist es, glaube ich, genau das Richtige.

Das Interview führte Bremen Next.

Rückblick: Viel Geld für wenig Fläche: So viel kostet das kleinste Haus Bremens

Video vom 27. Oktober 2020
Ein kleines Haus mit roten Steinen und grüner Tür in einer schmalen Straße.
Bild: Kensington | alischa.hartje@kensington-international.com

Autor

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 13. Januar 2021, 9:08 Uhr