Warum diese Männer auf Bremerhavens größte Kirche klettern

In Bremerhaven gingen heute die Augen nach oben: Zwei Männer kletterten auf einem Kirchturm herum – und warfen Steine herunter. Dazu hatten sie einen Auftrag.

Ein Industriekletterer, der an einer Kirchenuhr arbeitet.

Grund der luftigen Visite war eine bauliche Bestandsaufnahme der Großen Kirche in Bremerhaven. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) ist Auftraggeberin, hatte aber keinen akuten Grund für die Untersuchung. "Wir wollen schauen, wie der Zustand der Kirche ist", sagte BEK-Architektin Anja Gentner. Das ist eine Standard-Aufgabe, die die Kirche etwa alle fünf Jahre durchführt.

Anja Gentner war heute trotzdem "sehr aufgeregt": Dass Kletterer den Job übernehmen, ist nämlich nicht alltäglich. Häufiger würden Kirchen mit Steigern oder Gerüsten inspiziert. Nun war das der Job von Janis Kiel und Benjamin Seider. Die beiden sind ausgebildete Handwerker, zu Industriekletterern wurden sie mit einer Zusatzausbildung. Von großen Höhen sind sie gar nicht aus der Ruhe zu bringen: "Wir sind ja angeseilt" ist die knappe Antwort, wenn man sie fragt, ob das Höhenklettern keine Angst macht.

Auf die 86-Meter-Spitze geht es erst morgen

Janis Kiel und Benjamin Seider
Janis Kiel und Benjamin Seider haben den Turm der Großen Kirche in Bremerhaven beklettert.

Der Turm der Großen Kirche in Bremerhavens Zentrum ist 86 Meter hoch. Ganz auf der Spitze waren Kiel und Seider zunächst nicht, sie seilten sich aber immerhin aus etwa 60 Meter Höhe herunter. Auf ihrem Weg hinab sollten sie Oberflächen unter die Lupe nehmen, Steine auf Festigkeit überprüfen und Proben mit nach unten bringen.

Dabei trugen sie Werkzeuge und eine Echtzeit-Kamera. So konnten die Kollegen am Boden begutachten, welche Schäden an der Fassade möglichweise zum Problem werden könnten. Einige Teile erwiesen sich dann tatsächlich auch als etwas rott. Von einem neugotischen Fenster-Relief lösten sich mehrere Steinstücke, als die Kletterer den Rüttel-Test machten. Die durften Kiel und Seider einfach herunterwerfen – das Areal war weiträumig abgesperrt.

Morgen geht es für Janis Kiel und Benjamin Seider noch höher hinauf. Dann klettern sie ganz nach oben in die Turmspitze, um das Figurenwerk unter die Lupe zu nehmen. Wenn sie das Gebäude abgeklettert haben, werden Fachleute schließlich ein Gutachten über den Zustand der Kirche verfassen. "Dann werden wir sehen, wo wir möglicherweise etwas machen müssen", sagt Architektin Anja Gentner.

Autor

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 12. Juni 2019, 13:15 Uhr