Fragen & Antworten

Lieber billig als öko? Wie man nachhaltig shoppen kann

Fair gehandelte Lebensmittel sind längst im Trend. Auch zu Billig-Kleidung gibt es Alternativen. Die zeigt die Ausstellung "use-less" in Bremen. Das sollten Sie dazu wissen.

Ein Frau beim Einkaufen von Kleidung in einem Geschäft
Slow Fashion steht nicht nur für nachhaltige Mode, sondern auch für einen bewussten und reduzierten Konsum. Bild: DPA | Chromorange/Bilderbox

Klamotten shoppen muss nicht teuer sein: In zahlreichen Läden der Bremer Innenstadt findet man T-Shirts, Schuhe, Hosen und Pullover zu sogenannten Kampfpreisen. Die Kleidungsstücke sind nicht Teil eines Schlussverkaufs oder einer Lagerräumung, trotzdem kosten sie teilweise weniger als zehn Euro. Doch das geht häufig auf Kosten der Umwelt und der lokalen Produzenten.

Mit nachhaltiger Kleidung und einem bewussten Konsum beschäftigt sich heute — im Rahmen der aktuellen Ausstellung "use-less" — die Autorin und Bloggerin Kirsten Brodde im Hafenmuseum im Speicher XI in der Bremer Überseestadt. Alles dreht sich um die Frage, wie man Kleidung nachhaltiger, ökologischer und gerechter produzieren und konsumieren kann. Die wichtigsten Fragen rund um das Thema haben Bremer Experten buten un binnen beantwortet.

Was versteht man unter "fast fashion" und inwiefern ist dieser Trend problematisch?
"fast fashion" heißt laut Bremer Verbraucherzentrale so viel wie "die immer schneller wechselnden Kollektionen in Kleidungsläden und Online-Shops". Das Problem dabei sei die Herstellung der Kleidung, sagt Sonja Pannebecker von der Verbraucherzentrale. "Hierbei entstehen enorme Umweltbelastungen unter anderem durch den Anbau, das Färben und den Transport sowie die Retouren im Onlinehandel", sagt Pannebecker. Produziert werde dabei häufig außerhalb von Europa. "Die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern sind häufig nicht gut, auch Kinder arbeiten teilweise mit und existenzsichernde Löhne sind nicht immer gewährleistet." Der Ressourcenverbrauch von Kleidung sei enorm, zum Beispiel benötige die Produktion einer einzigen Jeans rund 8.000 Liter Wasser.
Was bedeutet dagegen "slow fashion"?
Der Begriff "slow" taucht bereits seit einigen Jahren in diversen anderen Bereichen auf: Auch in Bremen gibt es slow coffee, slow flowers und slow food. Kerngedanke ist ein bewusst reduzierter, wertschätzender und nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln oder anderen Produkten. "Für uns bedeutet slow fashion auch, dass unsere Ware eine hohe Qualität hat und lange nutzbar ist", sagt Sören Lauer. Er ist Sprecher eines Bremer Geschäfts für nachhaltige und faire Mode, das ausschließlich Produkte im Sortiment hat, die unter ökologischen Kriterien produziert wurden. Neben der Qualität steht "slow fashion" aber auch für weniger Konsum. "Dazu gehört auch das Reparieren der Kleidung und manchmal auch die bewusste Reduktion auf wenige Kleidungsstücke", so Pannebecker von der Verbraucherzentrale.
Inwiefern ist fair gehandelte Mode "besser" und woran kann man sie erkennen?
"Umweltschädliche Pestizide beim Baumwollanbau oder giftige Materialien beim Färben sind bei unseren Kleidungsstücken zum Beispiel tabu", sagt Sören Lauer. Neben den ökologischen Aspekten gehe es aber auch um soziale Verantwortung. "Landwirte bekommen einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit, sie dürfen Gewerkschaften gründen, es findet keine Kinderarbeit statt — all das steckt auch in den Kleidungsstücken", ergänzt der 41-Jährige. Man erkennt faire und nachhaltige Kleidung an bestimmten Gütesiegeln. Doch nicht alle Siegel garantieren die gleichen Standards. Online findet man hier eine Übersicht und weitere Informationen zu Siegeln unterschiedlicher Bereiche.
Qualität hat seinen Preis — gilt das auch für "slow fashion"?
Fair gehandelte Mode ist laut Bremer Verbraucherzentrale meist ähnlich teuer wie Markenkleidung. Sören Lauer, der für ein Geschäft für nachhaltige Kleidung arbeitet, bestätigt das, nennt aber auch Ausnahmen. "Unsere unbedruckten Basis-T-Shirts bekommt man schon für 9,90 Euro. Weiter geht es dann mit bestickten oder bedruckten Shirts für 29,90 Euro." Oberteile aus hochwertigen Materialien wie Leinen oder Hanf kosteten dagegen um die 49,00 Euro. Vergleiche man das mit Billigketten, wirke es teuer. Mit einigen bekannten Marken bewege man sich beim Preis aber auf Augenhöhe, findet Lauer. Laut Verbraucherzentrale kann sich jede und jeder nachhaltige Kleidungsstücke leisten: In Second-Hand-Läden oder auf Kleidertauschpartys sei Kleidung sehr günstig oder kostenlos. "Diese sind dann vielleicht nicht aus Bio-Baumwolle oder mit einem fairen Label versehen – aber durch das Waschen bereits deutlich schadstoffärmer und ressourcenschonender als ein neues Produkt", so Pannebecker.

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Juni 2019, 23:30 Uhr