Bremens kleine Kinos trotzen der Krise

  • Deutsche Kinos verkauften im vergangenen Jahr 14 Prozent weniger Tickets
  • Auch in Bremen gehen die Kartenverkäufe zurück
  • Die Programmkinos sind davon nicht betroffen
Ein großes grünes Banner weißt auf das vierte Filmfest Bremen hin.
Die Besucherzahlen der Schauburg im Bremer Viertel sind 2018 stabil geblieben.

2018 war ein schwieriges Jahr für die Kinolandschaft: Es war ein langer und heißer Sommer – und dann gab es auch noch die Fußball-Weltmeisterschaft. Außerdem wird das Online-Angebot der Streamingdienste immer größer. All das fällt den Kinobetreibern auf die Füße. Bundesweit sind Umsatz und Besucherzahlen rückläufig. Im vergangenen Jahr verkauften die Kinos deutschlandweit 14 Prozent weniger Tickets und kamen auf die schwächsten Besucherzahlen seit 1992.

Das ist auch in Bremen spürbar: In der Hansestadt wurden in 2018 rund 200.000 Tickets weniger als noch 2017 verkauft. Allein das Cinespace in der Bremer Waterfront sagt, das man 20 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr gehabt habe. Statistisch gesehen ist jeder Bremer im vergangenen Jahr 2,2 Mal ins Kino gegangen – im Vorjahr waren es noch 2,5 Mal.

Das Angebot von Streamingdiensten wächst weiter

Sicherlich hat nicht nur das gute Wetter im vergangenen Sommer zum generellen Rückgang geführt. Immerhin wächst das Angebot von Streamingdiensten wie Netflix und Amazon immer weiter. Darüber, wie stark das den Kinos schadet, gibt es aber geteilte Meinungen.

Ich meine, dass die Leute, die Netflix und Amazon schauen, nicht unbedingt so sehr dem Kino schaden, sondern vielleicht den Fernsehsendern. Es hat auch Untersuchungen gegeben, dass die Streaming-Nutzer extrem gute Kinogänger sind.

Gunnar Burmester

Dennoch ist die Kinolandschaft in Bewegung. Cinemaxx, die zweitgrößte deutsche Kinokette, hat vor gut einem halben Jahr seine Preise deutlich gesenkt, ein Standard-Ticket kostet in Bremen mittlerweile weniger als sechs Euro. Außerdem hat das Unternehmen mit der größten deutschen Kette, Cinestar, fusioniert. Die Standard-Tickets bei Cinestar im Weserpark kosten zwischen 7,80 Euro und 8,80. Cinespace nimmt 8,50 Euro aufwärts. Ein echter Preiskampf ist also nicht zu spüren.

Das Einzugsgebiet ist groß. Es gibt einen Konkurrenzkampf, dennoch ist das in Bremen sehr gut verteilt.

Jana Moelle, Cinestar

Bei den kleinen Programmkinos sieht die Situation ziemlich stabil aus. Manfred Brocki, der die Bremer Kinos Schauburg, Gondel und Atlantis führt, sagt, dass die Besucherzahlen dort 2018 unverändert geblieben sind. So liegen auch die Ticket-Preise in allen drei Kinos stabil bei rund zehn Euro. Das klingt nicht nach Krise.

Gondel erlebt den besten Januar seit 20 Jahren

Und: 2019 ist laut Brocki sehr gut angelaufen. So habe die Gondel in Bremen-Schwachhausen den besten Januar seit 20 Jahren erlebt, die Schauburg immerhin den drittbesten Januar. Insgesamt verzeichneten die drei Kinos im Januar 25.000 Besucher. Die kleinen Kinos scheinen von der vermeintlichen Kino-Krise tatsächlich am wenigsten betroffen zu sein.

  • Christian Schwalb

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 21. Februar 2019, 8:20 Uhr