So wollen die Bremer Hochschulen trotz Corona mehr Studenten anlocken

Auch mit schlechtem Abitur das Wunschstudium beginnen? Das scheint jetzt möglich. Wegen Corona heben einige Universitäten im Nordwesten ihre Zulassungsbeschränkungen auf oder lockern sie.

Studierende sitzen in einem Hörsaal.
Immer mehr Universitäten lockern ihre Zulassungsbeschränkungen. Präsenzstudium wird es wohl dennoch erstmal nicht geben. Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Für viele Abiturienten sind die Zulassungsbeschränkungen der Universitäten eine hohe Hürde. Zum kommenden Semester haben es Studierende leichter: "Wir können nicht alle Studiengänge aufmachen, aber wir haben bei vielen die Zulassungsbeschränkungen rausgenommen", kündigt Thomas Hoffmeister, Konrektor der Uni Bremen, die Veränderungen für die diesjährigen Studienbewerber an. Grund dafür ist die Corona-Krise.

Nur bei völlig überlaufenen Studiengängen wie Lehramt, Psychologie, Biologie, Wirtschaftswissenschaften und Kommunikationswissenschaften gebe es weiterhin einen Numerus Clausus (N.C.). Ebenso bei einigen Masterprogrammen. Der Rest sei in diesem Jahr zulassungsfrei. "Auch bei überlaufenen Studiengängen gehe ich davon aus, dass der N.C. etwas weniger scharf sein wird, aber das muss man sehen. Wir hoffen, dass wir den meisten, die interessiert sind, ein Studienangebot bieten können. Wir haben die Türen weit geöffnet", erklärt Hoffmeister.

Mehr Professoren für die Uni Bremen

Mit Mitteln des Hochschulpakts und des "Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken" habe man mehr Stellen in besonders beliebten Studiengängen geschaffen – wie etwa in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Biologie. So bereitet sich die Uni auf die höhere Zahl an Studenten in diesen Studiengängen vor.

Generell sinke die Bewerberzahl an der Uni Bremen aber wegen der demografischen Entwicklung seit Jahren, sagt Konrektor Hoffmeister. Weil die angehenden Studenten wegen der mit der Corona-Krise verbundenen Unsicherheiten aber weniger häufig umziehen würden, rechnet die Universität damit, dass die Bewerberzahl in diesem Jahr noch weiter sinkt.

Hochschule Bremen hebt N.C. in vielen Studiengängen ganz auf

Auch die Hochschule Bremen (HSB) hat nach eigenen Angaben die Zulassungsbeschränkungen bei 20 von insgesamt 38 Bachelor-Fächern aufgehoben. Zuvor war noch für alle Studiengänge – bis auf die dualen Studiengänge – ein N.C. Pflicht. "Wir wollen den Studierenden in diesen Zeiten keine zusätzlichen Hindernisse in den Weg legen", begründet Prof. Dr. Thomas Pawlik, Konrektor für Studium und Lehre dieses Vorgehen. Auch bei großer Nachfrage werde die HSB die Qualität beibehalten. "Wir würden dann beispielsweise zwei Kleingruppen statt einer anbieten. In vielen Studiengängen wird zudem auf das Vorpraktikum verzichtet. 

Auch in zulassungsbeschränkten Studiengängen wie etwa BWL, Soziale Arbeit und den Masterangeboten erhöht die Hochschule die Zulassungszahlen. Zudem startet im Herbst der neue Internationale Hebammen-Studiengang mit 40 Studienplätzen. Die Bewerbungsphase wurde bis zum 20. August verlängert, Vorlesungen beginnen erst ab dem 2. November.

Hochschule Bremerhaven verlängert Bewerbungszeitraum

Für die Hochschule Bremerhaven gibt es hingegen kaum Veränderungen. "Die bestehenden Zulassungsbeschränkungen in den Studiengängen 'Gründung Innovation Führung' sowie 'Digitale Medienproduktion' werden bleiben. Alle anderen Studiengänge sind schon zulassungsfrei, so dass es keiner weiteren Anpassung zum derzeitigen Zeitpunkt bedarf", erklärt Cornelia Driesen, Pressesprecherin der Hochschule Bremerhaven.

Allerdings werde die Vorlesungszeit später beginnen: Anstatt am 28. September beginnt das Studium am 26. Oktober und endet zwei Wochen später als ursprünglich geplant. "Entsprechend ist eine Bewerbung für das Wintersemester in den zulassungsfreien Studiengängen bis zum 26. Oktober möglich. Für die zulassungsbeschränkten Studiengänge werden Bewerbungen bis zum 20. August 2020 entgegengenommen", so Driesen.

Universität Oldenburg und Hamburg behalten Zulassungsbeschränkungen

An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gibt es ebenfalls wenige Veränderungen: "In Niedersachsen müssen die Hochschulen ihre Planungen im Hinblick auf Zulassungsbeschränkungen schon zu Beginn des Jahres beim Wissenschaftsministerium einreichen; die daraus folgenden Vereinbarungen sind bindend. Da der überwiegende Teil der Studiengänge an der Universität Oldenburg zulassungsfrei ist, sind keine Änderungen geplant“ erklärt die Leiterin für Presse und Kommunikation, Dr. Corinna Dahm-Brey. Von über 100 Studiengängen seien generell nur elf Bachelorstudiengänge, 14 Masterstudiengänge sowie Humanmedizin und einzelne Fächer im 2-Fächer-Bachelorstudiengang zulassungsbeschränkt.

Allerdings habe das Land mit Blick auf die Pandemie angekündigt, die Bewerbungsfrist vom 15. Juli auf den 20. August zu verschieben. Davon ist auch die Universität Vechta betroffen. Dort verschiebt sich – wie auch an der Uni Bremen – der Veranstaltungsbeginn um drei Wochen auf den 2. November.  

Wie in Oldenburg wird es auch in Hamburg gehandhabt: 107 Studiengänge bleiben NC-pflichtig, 41 zulassungsfrei. "Die Abiturprüfungen haben stattgefunden und sind zum Beispiel in Hamburg nicht schlechter, sondern besser ausgefallen als in den letzten Jahren§, begründet Claudia Sewig, Sprecherin der Universität Hamburg, die Entscheidung. Bewerbungsfrist und Vorlesungsbeginn wurden allerdings angepasst.  

"Wir möchten möglichst vielen Studieninteressierten einen Studienplatz anbieten"

Auch an der Universität Vechta kommt es zu wenig Änderungen: "Die Universität Vechta versucht in ihren strategischen Überlegungen generell das Nachfrageverhalten der Studieninteressierten vorausschauend zu berücksichtigen“, so Sprecher Friedrich Schmidt. "Wir möchten möglichst vielen Studieninteressierten einen Studienplatz anbieten können und setzen deshalb Zulassungsbeschränkungen nur dort ein, wo Fächer so stark nachgefragt sind, dass nur durch eine Zugangsbeschränkung ein adäquates Betreuungsverhältnis gewahrt werden kann." Generell gebe es nur einen zulassungsbeschränkten Studiengang, den Bachelor Soziale Arbeit, und drei zulassungsbeschränkte Studienfächer, nämlich Germanistik, Mathematik und Sachunterricht.

In Lüneburg bleiben alle Studiengänge zulassungsbeschränkt

Ganz anders geht die Leuphana Universität Lüneburg mit der Pandemie um. Sowohl die Zulassungsbeschränkungen als auch der Semesterbeginn bleiben bestehen. "Die Zulassungsbeschränkungen bleiben unabhängig von der Corona-Krise erforderlich, um sicherzustellen, dass vorhandene Lehrkapazität und Anzahl der aufgenommenen Studierenden im richtigen Verhältnis zueinander stehen", erklärt Sprecher Henning Zühlsdorff. Aufgrund der hohen Nachfrage seien alle angebotenen Studiengänge zulassungsbeschränkt.

So starten die Universitäten in Bremen und umzu ins Wintersemester

Anpassung der ZulassungsbeschränkungenBewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte StudiengängeSemesterbeginn
Universität Bremenja20. August 20202. November 2020
Hochschule Bremenja20. August 20202. November 2020
Hochschule Bremerhavennein20. August 202026. Oktober 2020
Universität Oldenburgnein20. August 202019. Oktober 2020
Universität Vechtanein20. August 20202. November 2020
Universität Lüneburgnein15. Juli 202012. Oktober 2020
Universität Hamburgnein20. August 20202. November 2020

Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. Juli 2020, 23:30 Uhr