Macht die Sommerhitze Kartoffel-Chips bald teurer?

Die Kartoffel-Ernte hat begonnen, sie wird nicht so katastrophal ausfallen wie 2018 – aber der heiße Sommer macht den niedersächsischen Bauern dennoch Sorgen.

Ein Berg von Kartoffelchips.
Die magere Kartoffelernte könnte die Tüte Chips im Supermarkt teurer machen. Bild: Imago | Marius Schwarz

Ob geschnitten, gerieben oder gekocht: Auf deutschen Mittagstischen ist die Kartoffel die beliebteste Beilage. Durchschnittlich 60 Kilogramm isst ein Bundesbürger im Jahr. Niedersachsen ist Erntekönig in Deutschland, wenn es um Kartoffeln geht: 4,1 Millionen Tonnen werden hier auf 113.000 Hektar angebaut. Eine Fläche über dreimal so groß wie Bremen. In diesen Tagen hat auf den Feldern die Ernte für Speisekartoffeln begonnen. Doch die Prognosen sehen schlecht aus. Für Kartoffeln, aber auch Chips, Pommes oder Speisestärke.

Kartoffelernte im Jahr 2019 4,1 Tonnen Ernteertrag in Niedersachsen 113.000 Hektar Anbaufläche in Niedersachsen 60 Kilogramm Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr in Deutschland

Die Preise werden steigen

Thorsten Riggert ist Kartoffelbauer und im Vorstand beim Landvolk Niedersachsen. Er sagt: "Überall dort, wo es einigermaßen geregnet hat, werden die Erträge ordentlich sein. Doch in Regionen wie dem Landkreis Diepholz und dem Emsland ist wenig Regen gefallen.“ Er rechnet daher für ganz Niedersachsen mit einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Speisekartoffeln. Vor leeren Kartoffelkisten werden wir im Supermarkt jedoch nicht stehen.

"Kartoffeln wird es in diesem Jahr nicht reichlich geben. Aber niemand muss darauf verzichten und deswegen Nudeln und Reis essen."

Ein Mann mit Brille schaut in die Kamera.
Thorsten Riggert, Kartoffelbauer

Doch werden die Verbraucher dafür tiefer in die Tasche greifen müssen? Kartoffelbauer Riggert sagt: "In nahezu ganz Osteuropa ist die Kartoffelernte vertrocknet. In Westeuropa gibt es keine Lagerkartoffeln aus alter Ernte mehr." Das bedeutet: Wenn wenig Angebot auf dem Markt ist, steigen die Preise. Kartoffeln werden teurer. Thorsten Riggert erwartet hohe Preise wie im vergangenen Jahr: Damals waren die um mehr als 50 Prozent angestiegen. Im Supermarkt mussten Kunden 2018 rund 84 Cent pro Kilogramm zahlen.

Missernten in einigen Regionen erwartet

Mehrere Kartoffeln, die gerade aus dem Boden gezogen wurden und noch an der Wurzel hängen
Kartoffeln werden in diesem Jahr kleiner und auch teurer werden.

Steffen Kemper ist Kartoffel-Experte bei der Agrarmarkt Informationsgesellschaft: "Die Ernte der Frühkartoffeln ist jetzt ja schon vorbei. Die war knapp durchschnittlich." Das ist auch seine Vorhersage für Speisekartoffeln, deren Ernte jetzt beginnt. "Je nach Region sind die Erwartungen an die Ernte unterschiedlich. Teilweise ist die Rede von Missernten", so Kemper. Die Landwirte hätten in diesem Jahr schon bei Saisonbeginn Probleme gehabt: "Durch den heißen Sommer im vergangenen Jahr sind die Wasservorräte in vielen Böden gering.“ Hitzeperioden mit über 40 Grad in diesem Sommer seien da nicht förderlich für das Wachstum gewesen.

Teure Chips, kurze Pommes

Mit schlimmen Folgen für Fans der frittierten Frucht. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie meldet: "Landwirte rechnen mit bis zu 50 Prozent geringeren Erträgen bei den Kartoffelsorten für die Chips-Herstellung." Die Lage auf dem Chips-Kartoffelmarkt sei angespannt. Stark steigende Kartoffelpreise könnten am Ende zu teureren Chipstüten im Supermarkt führen. Auch viele andere Lebensmittel werden betroffen sein. So sorgte der Rekordsommer im vergangenen Jahr dafür, dass Pommes frites deutlich teuer, aber vor allem teilweise auch kürzer wurden.

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 23. August 2019, 6:40 Uhr