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Immer mehr Bremer Jugendliche besitzen Cannabis

Die Zahl der Bremer Jugendlichen, die mit Cannabis erwischt werden, ist stark angestiegen – um fast das Dreifache in den letzten 9 Jahren. Die Gefahr werde oft unterschätzt, so Experten.

Eine Person hält eine kleine Dose in der Hand mit einem Marihuanablatt auf dem Deckel.

Die Bremer Polizei ist alarmiert. Immer mehr Jugendliche würden mit Hasch oder Gras erwischt werden. Das zeigt auch die Bremer Kriminalstatistik. Waren es im Jahr 2008 noch 121 Fälle, wurden 2017 fast drei Mal so viele Jugendliche mit dem verbotenen Rauschmittel erwischt.

Immer wieder werden Plantagen beschlagnahmt, auch mal ein Jugendlicher beim Dealen erwischt, so Stephan Alken von der Bremer Polizei. Die Masse bildeten jedoch diejenigen, die Cannabis besitzen. Allerdings seien die Brennpunkte in Bremen identifiziert, an denen der Drogenhandel eine Rolle spiele. Dazu gehörten der Hauptbahnhof, das Steintorviertel und die Diskomeile. An diesen Orten wird die Polizei zukünftig noch präsenter sein, um diese Form der Kriminalität einzudämmen, so Alken.

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Seit 2008 hat sich die Zahl der Jugendlichen in Bremen, die Cannabis besitzen, fast verdreifacht. Polizei Bremen

Kiffen als "Luxus"

Leon aus Bremen (Name von der Redaktion geändert) konsumiert Cannabis seitdem er 16 Jahre alt ist. Gerade hat er sein Abi gemacht und deshalb noch mehr Zeit dafür. Kiffen sei für ihn Luxus und Genuss. Vier Mal in der Woche rauche er einen Joint – am liebsten zusammen mit seinen Freunden, gerne auch unter freiem Himmel, erzählt er buten un binnen. Trotzdem würde er sich nicht als süchtig bezeichnen, seinen Drogenkonsum habe er im Griff. Wenn er mal eine Woche lang allein unterwegs ist, hat er kein Verlangen danach, einen Joint zu rauchen, sagt er.

Der Rausch, den man dadurch hat, ist entspannend, witzig und euphorisierend.

Leon (Name von der Redaktion geändert), Cannabis-Konsument aus Bremen

Zwischen 20 und 30 Euro gibt Leon jeden Monat für Gras aus, erzählt er. In Bremen würde man an jeder Ecke Cannabis bekommen. Fachleute vermuten, dass der Drogenkonsum bei Jugendlichen eben auch durch diese leichte Verfügbarkeit erhöht wird.

Kiffen wird immer noch unterschätzt

Eine neue Anlaufstelle in Bremen – "FreD" genannt – will unterdessen eine Lücke schließen: Fallen Jugendliche Kiffer auf, in der Schule oder bei der Polizei, berät sie Birgit Woltman. Sie hilft Jugendlichen ihr Suchtverhalten einzuschätzen, um Abhängigkeit vorzubeugen.

Die ersten Probleme sind Vergesslichkeit, Motivationslosigkeit und eine Art Scheißegal-Haltung.

Birgit Woltmann, Sozialpädagogin bei FreD

Dass immer mehr junge Leute mit Drogen erwischt werden, könnte auch an der anhaltenden Legalisierungsdebatte liegen, glaubt die Sozialpädagogin. Was legal werden soll, muss harmlos sein – so in etwa könnte der Trugschluss der Jugendlichen lauten.

Das ist jedoch ein Irrtum, sagt Birgit Woltmann. Da Kiffen nicht die gleichen Auswirkungen auf den Körper wie Alkohol habe, werde das Konsumieren von Cannabis unterschätzt. Cannabis sei jedoch alles andere als harmlos – gerade bei jungen Menschen.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Juli 2018, 19:30 Uhr