Neue Vorwürfe gegen mutmaßliche IS-Rückkehrerin aus Lohne

  • Oberlandesgericht in München sieht weitere mögliche Straftatbestände
  • Richter weisen auf möglichen Menschenhandel und Verbrechen gegen Menschlichkeit hin
  • 27-Jährige aus Lohne schweigt vor Gericht
Angeklagte IS-Rückkehrerin zwischen ihren Anwälten
Die Angeklagte mutmaßlich IS-Kämpferin zwischen ihren Anwälten (Archivbild). Bild: DPA | Peter Kneffel

Im Münchner Kriegsverbrecher-Prozess gegen ein mutmaßliche IS-Anhängerin will sich die Angeklagte aus Lohne zu den Vorwürfen weiterhin nicht äußern. "Die Angeklagte wird sich schweigend verteidigen", sagte ihr Anwalt am Montag vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Zuvor hatte das Gericht darauf hingewiesen, dass es weitere mögliche Straftatbestände gegen die Angeklagte sieht. So könnte die 27-Jährige möglicherweise zusätzlich auch wegen Menschenhandels und Verbrechen gegen die Menschlichkeit – in Form von Folterung und Versklavung – verurteilt werden.

Der 27-Jährigen wird vorgeworfen, im Irak für die Sittenpolizei der Terrormiliz Islamischer Staat gearbeitet zu haben. Sie wurde unter anderem wegen Mordes, Kriegsverbrechen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland angeklagt.

Angeklagte soll Mädchen als Sklavin gekauft haben

Männer sitzen mit einer schwarzen Flagge auf einem Auto.
Mutmaßliche IS-Anhänger sitzen mit einer schwarzen Flagge auf einem Auto. (Archivbild) Bild: DPA | Dabiq/Zuma Press

Die Angeklagte und ihr Ehemann sollen ein fünfjähriges jesidisches Mädchen und dessen Mutter als Kriegsgefangene auf einem Sklavenmarkt gekauft haben. Mutter und Kind seien danach in einem Haus im irakischen Falludscha gefangen gehalten und immer wieder wegen Nichtigkeiten bestraft worden sein. Das Mädchen verdurstete laut Staatsanwaltschaft später qualvoll, angekettet in der prallen Sonne.

Die Frau, von der die Bundesanwaltschaft sicher ist, dass sie die Mutter des Kindes ist, tritt als Nebenklägerin auf. Ihre Aussage stand der Bundesanwaltschaft jedoch erst zur Verfügung, als die Anklage schon erhoben war. Eine nachträgliche Änderung der Anklage ist nicht möglich – daher nun der Hinweis des Gerichtes auf die neuen möglichen Straftatbestände.

Polizeibeamter aus Oldenburg sagt aus

Weil die Angeklagte, die selbst Mutter eines kleinen Mädchens ist, schweigt, begann die Beweisaufnahme am Montag mit der Aussage eines Polizeibeamten aus Oldenburg. Er schilderte, wie die Behörden auf die junge Frau aufmerksam wurden. Demnach war es ihre Mutter, die sich an die Polizei wandte, nachdem ihre Tochter zum Islam konvertiert war und sie Angst haben musste, dass sie aus der niedersächsischen Kleinstadt in den Dschihad zieht.

Später – als die junge Frau nach einer vorübergehenden Rückkehr nach Deutschland eine erneute Ausreise ins IS-Gebiet plante – halfen das FBI und ein verdeckter Ermittler. Der holte die 27-Jährige, die sich in sozialen Netzwerken Märtyrerin nannte, zu Hause ab. Der Vorwand: Er gab an, sie mit dem Auto über Griechenland zurück in die vom Islamischen Staat kontrollierte Region bringen zu wollen. Sie kam nur bis zu einem Autobahnparkplatz in Bayern. Dort wurde sie festgenommen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 29. April 2019, 12 Uhr