Nichts für Balancemuffel: So fährt sich ein Snowboard-Bike

Der irische Ingenieur Michael Killian ist mit seiner neuesten Erfindung, dem Snowboard-Bike, gerade in Bremen. Unser Reporter Mario Neumann hat sich drauf gewagt.

Der irische Erfinder Michael Killian auf seinem Snowboard-Bike
Der irische Erfinder macht auf seiner Europatour mit dem Snowboard-Bike auch in Bremen Halt.

Michael Killian ist Erfinder. Viele Jahre hat er als Ingenieur für die Computerbranche gearbeitet. Jetzt finanzieren ihm die Erträge aus ein paar entscheidenden Patenten seine eigentliche Leidenschaft: Das Tüfteln, Schrauben und Frickeln an einem Fahrrad, dass eher an ein Snowboard als an ein normales Fahrrad erinnert. Auf die Idee kam er, nachdem er mit Skateboards rumhantiert hatte. Das aktuelle Seitwärts-Rad ist das Ergebnis von fast zehn Jahren ausprobieren, berechnen und testen. "So ausgereift wie dieser war noch kein Prototyp", ist Killian ein bisschen stolz, als er mir auf den Sattel hilft. Der erinnert an ein Einrad.

Das Erfinden nennt Michael Killian Segen und Fluch zugleich. Einmal angefangen, kommt er nicht mehr davon los. Erst nannte er das Konstrukt "Sideways-Bike", ist dann aber zu "Snowboard-Bike" übergegangen. Aufgrund des viel höheren Schwerpunktes beim Sitzen auf dem bequemen Sattel finde ich den Vergleich nicht ganz so passend. Außerdem habe ich beim Snowboard auch keine zwei Lenkstangen, rechts und links. Was aber gleich ist: Ich habe eine Front-Side und eine Back-Side – und ja, um die Balance zu halten, muss mein Gleichgewichtssinn ähnlich arbeiten.

Natürlichere Art, Rad zu fahren

Der irische Erfinder Michael Killian auf seinem Snowboard-Bike
Das Snowboard-Bike erfordert viel Gleichgewichtsgefühl.

Das ist Michael Killians Credo: Die seitliche Sitzposition mit dem Ausbalancieren nach vorn und hinten entspricht dem menschlichen Gleichgewichtssinn eher, als das typische Fahrrad mit dem Ausbalancieren von rechts und links. Es trainiert die menschliche Hirnkapazität, ist ein gutes Gleichgewichtstraining, weil es eben andere Hirnregionen fordert als sonst. Auch die Tatsache, dass ich mit der rechten und mit der linken Hand unabhängig voneinander lenken kann, inspiriert das Gehirn. Mehr ursprüngliche Physis als logische Symmetrie. Es ist aber auch eine gute Gelegenheit für Erwachsene, einfach Spaß zu haben und Zugang zum eigenen inneren Kind zu finden.

Es ist eine Art Tanz, ein Training für den Gleichgewichtssinn. Es wird es nicht mit dem herkömmlichen Fahrrad aufnehmen können, ist aber eben etwas anderes.

Michael Killian, Erfinder

Er vergleicht seine Erfindung mit dem Snowboard: langsamer als Skier, aber die Leute mögen es, wegen des anderen Fahrgefühls. Weniger mechanisch, mehr natürlich. Bis zu 20 km/h lassen sich bequem fahren, es ist kein Hochgeschwindigkeitsgerät. Dafür ist es etwas zu wackelig, auch wenn das linke Rad bzw. das Hinterrad gefedert ist. Fünfeinhalb Stunden auf dem Rad sind allerdings kein Problem, bevor der Rücken etwas müde wird.

Gemischte Reaktionen

Der irische Erfinder Michael Killian auf seinem Snowboard-Bike
Mit dem Snowboard-Bike steht man gewiss häufig im Mittelpunkt.

In ein bis zwei Jahren will Killian nach China und eine Containerladung seines Snowboard-Bikes bauen lassen. Natürlich fragen die Kinder nach dem Preis für das seltsame Gefährt mit der langen Kette, die über mehrere Umlenkrollen läuft. 500 Euro, schätzt der Erfinder. Auch wenn es schön wäre, wenn sich das Snowboard-Bike zu einem erfolgreichen Geschäft entwickelt, ist es in erster Linie eine Liebhaberei, die sehr unterhaltsam ist, egal wo er damit auftaucht.

So auch auf einem Spielplatz in Bremen-Walle. Kaum jemand kann sich ein Lächeln verkneifen. Einige mutige steigen auch mal auf. Die Reaktionen: von absolut fasziniert bis hin zu leichtem Kopfschütteln.

Ulkig, aber nicht alltagstauglich. Was für Freaks, kein Massenprodukt, aber trotzdem cool.

Reaktionen auf das Snowboard-Bike

Dem muss der Erfinder zustimmen: um von A nach B zu kommen, oder beispielsweise den Einkauf zu erledigen, ist es vielleicht nicht optimal geeignet.

Segel-Version ist im Kopf schon fertig

"Eine lustige Idee", findet auch Hannah Simon, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim ADFC Bremen. "Wer hätte gedacht, dass man 200 Jahre nach Karl Drais das Fahrrad nochmal neu erfinden kann. Auch wenn es mit Sicherheit kein Massenprodukt werden wird, zeigt Herr Killians Erfindung doch, dass das Fahrrad mehr ist als nur ein Verkehrsmittel: Radfahren bedeutet Leidenschaft, Kreativität und Spaß."

Im Winter will sich der Erfinder mit einer Erweiterung des Seitwärts-Fahrrads befassen: mit einem großen, stehenden Segel. Klingt abgefahren, wird es wohl auch, sollte es tatsächlich mal fahren.

  • Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Juni 2019, 23:30 Uhr