Wird Bremen zur Gras-Dealer-Hochburg?

In Bremen häufen sich Meldungen von Cannabis-Funden der Polizei – und zwar keine kleinen Vorräte, sondern großzügige Lagerhallen voll mit Marihuana-Pflanzen. Auch bundesweit nehmen die Funde zu.

Blick in einen Raum mit Cannabispflanzen.
Immer häufiger entdeckt die Polizei in Bremen große Cannabis-Plantagen. Bild: Polizei Bremen

Immer wieder gibt es Meldungen von Cannabis-Plantagen, die von der Bremer Polizei entdeckt werden. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Zuwachs: Wurden 2015 noch 31 Plantagen ermittelt, so waren es im vergangenen Jahr bereits 50 entdeckte Anbauten. Laut Landeskriminalamt seien die Plantagen gegenwärtig deutlich größer als noch in den Vorjahren.

Der Polizei zufolge würden die gehäuften Funde der vergangenen Monate vor allem mit der gewachsenen Aufmerksamkeit der Anwohner zusammenhängen. Verdachtsfälle würden häufiger der Polizei gemeldet. Zusätzlich sorgen zivile Fahnder für wachsende Ermittlungserfolge. Am 21. März dieses Jahres fanden Beamte mehr als 800 Cannabis-Pflanzen und zusätzliche 20.000 Setzlinge in Blumenthal – über den Rekordfund haben wir berichtet. Nach wie vor ermittelt die Bremer Polizei in dem Fall gegen einen Niederländer.

Bei dem Fund in Bremen Blumenthal mit über 20.000 Setzlingen – das wäre dann die größte wahrscheinlich in Deutschland je gefundene Indoor-Plantage gewesen. Da hatten wir einen Holländer, gegen den läuft auch noch das Ermittlungsverfahren.

Polizeisprecher Nils Matthiesen
Nils Matthiesen, Polizei Bremen

In anderen Bundesländern hat es ähnliche Funde gegeben: Bei einem Fall in Nordrhein-Westfalen seien ebenfalls niederländische Staatsbürger involviert gewesen. Die Polizei prüft derzeit, ob es Zusammenhänge gibt. Tatsächlich würde der Cannabis-Schmuggel von den Niederlanden aus über die deutsche Grenze immer riskanter. Daher würden zunehmend direkt im zu beliefernden Land Deutschland mit professionellem Gerät geheime Plantagen betrieben. In den Niederlanden selber wird das Betreiben von illegalen Plantagen immer mehr von der Justiz erschwert.

Das Strafmaß für das Betreiben von illegalen Plantagen in der Größenordnung wie im Blumenthaler Fall liegt ungefähr bei fünf Jahren Gefängnis. Doch auch das Anbauen von wenigen Pflanzen ist schnell strafbar und wesentlich abhängig vom THC-Gehalt. Der Wirkstoff ist heute wesentlich stärker als früher und kann gefährlich werden, sagt Daniel Heinke, der Leiter des Bremer Landeskriminalamtes.

Nach polizeilicher Bewertung handelt es sich bei Cannabis mittlerweile nicht mehr um sogenannte weiche Drogen. Früher waren das Wirkstoffgehalte von nur wenigen Prozentpunkten THC. Heutzutage stellen wir in Bremen fest: Wenn bei Marihuana über 14 % und in Haschisch-Produkten über 18 % durchschnittliche THC-Gehalte sind – das führt wirklich häufig zu schwerwiegenden Krankheitsbildern.

Daniel Heinke
Daniel Heinke, Leiter des Bremer Landeskriminalamtes

Heinke berichtet von inhaftierten Straftätern in der forensischen Psychatrie, die aufgrund ihres Marihuana-Konsums eine sogenannte drogeninduzierte Psychose erlitten hätten.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 20. April 2018, 11:20 Uhr