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Was hat das neue Schwimmunterricht-Konzept in Bremerhaven gebracht?

Immer weniger Kinder können schwimmen, das ist ein bundesweites Problem. Seit einem Jahr gibt es in Bremerhaven ein besonderes Konzept. Was hat es gebracht?

Kinder schwimmen mit Poolnudeln.
In Bremerhaven haben alle Drittklässler drei Wochen lang jeweils 60 Minuten pro Tag Schwimmunterricht.

Seit einem Jahr haben die Bremerhavener Drittklässer nicht mehr einmal pro Woche 40 Minuten Schwimmunterricht, sondern nehmen an einem Intensivschwimmkurs teil: Drei Wochen lang haben sie jeden Tag 60 Minuten Schwimmunterricht. Zudem gibt es in der zweiten Klasse bereits Kurse, in denen sich die Kinder an das Wasser gewöhnen sollen. Nach einem Jahr zogen Stadtrat Michael Frost und der Geschäftsführer der Bädergesellschaft Robert Haase am Montag Bilanz.

Zwei Männer sitzen nebeneinander an einem Tisch und lächeln in die Kamera.
Bremerhavens Bäderchef Robert Haase (links) und Stadtrat Michael Frost stellten die Ergebnisse am Montag vor.
Was hat das Konzept gebracht?
Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren fast zwei Drittel aller Drittklässler Nichtschwimmer – am Ende nicht mal mehr ein Zehntel. Von 1.016 Drittklässlern erreichten 941 ein Abzeichen. Sie haben also mindestens das Seepferdchen. Das entspricht einer Quote von 92,6 Prozent. Das Ergebnis ist deutlich besser als in den Vorjahren. Da haben nur 75 bis 81 Prozent der Drittklässler ein Schwimmabzeichen geschafft. Auch die Qualität wurde gesteigert: 627 Kinder (61,2 Prozent) schafften nicht nur das Seepferdchen, sondern sogar Bronze, Silber oder Gold, im Vorjahr waren es 54,7 Prozent.
Warum ist das Konzept erfolgreich?
Der Intensivschwimmkurs hat laut Stadtrat Michael Frost "Campcharakter". Die Kinder sehen das Schwimmenlernen als Projekt und entwickeln mehr Ehrgeiz. Außerdem haben es die Schwimmmeister laut Bäderchef Robert Haase leichter, eine persönliche Beziehung zu den Kindern aufzubauen. So können sie die Kinder individuell fördern und ihnen Ängste nehmen.
Wird das Konzept fortgesetzt?
Rund 415.000 Euro hat das Projekt im vergangenen Schuljahr gekostet. Michael Frost will die Intensivschwimmkurse fortsetzen und ist zuversichtlich, dass die Stadtverordnetenversammlung das Geld auch für das kommende Jahr zur Verfügung stellt. Die Bädergesellschaft finanziert mit den 415.000 Euro nicht nur das Lehrpersonal für den Schwimmunterricht, sondern auch den Bustransfer mit Busfahrer und einer Begleitperson im Bus.

Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass der Schwimmunterricht eine familiäre Aufgabe ist.

Michael Frost, Stadtrat Bremerhaven
Wo gibt es Verbesserungspotenzial?
In Zukunft stellt sich die Frage, wie die 7,4 Prozent der Kinder unterstützt werden können, die kein Abzeichen geschafft haben, sagt Michael Frost. Darunter sind Kinder, die kurz vor dem Erreichen des Seepferdchens standen oder innerhalb der drei Wochen krank waren. Und auch für Flüchtlingskinder, die nach ihrer Ankunft in Deutschland eine höhere Klassenstufe als die dritte besuchen, muss es laut Frost eine Lösung geben. Robert Haase sieht zudem das Problem, dass auch immer mehr Erwachsene nicht schwimmen können. Das Personal in den Bädern musste laut Haase in den vergangenen Jahren immer häufiger eingreifen und Besucher aus dem Wasser retten.
Wie organisiert Bremen den Schwimmunterricht?
In Bremen haben die Drittklässler aktuell 30 Minuten Schwimmunterricht pro Woche. Ab 2021 soll der Schwimmunterricht schon in der zweiten Klasse stattfinden. Auch die Schwimmzeit soll von 30 auf 45 Minuten erhöht werden, teilt Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung, mit. Die Stadt Bremen beobachtet laut Kemp das Bremerhavener Modell. Eine Umsetzung ist aktuell aber nicht geplant.

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  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. August 2019, 19:30 Uhr