Wer diese 5 Fakten kennt, wird zum Hurricane-Insider

In Scheeßel hat das Hurricane-Festival begonnen. Die meisten Besucher reisten schon am Donnerstag an. Selbst wer nicht dabei ist, kann dank dieser Infos mitreden.

Ein Festivalbesucher schiebt einen Bollerwagen mit Gepäck.

1 Erst ein Bürgermeister-Wechsel ebnete den Weg für das Festival

Am 8. und 9. September 1973 fand in Scheeßel das erste Festival statt. Titel: "Es rockt in der Heide" – mit musikalischen Größen wie Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Lou Reed. Vier Jahre später, beim "First Rider Open Air", ging es dann erst so richtig wild zu. Der Veranstalter, ein 25-jähriger Bankangestellter, hatte sich offenbar verkalkuliert, konnte die Bands nicht alle bezahlen und machte sich vorzeitig "vom Acker". Einige der angekündigten Bands kamen daraufhin erst gar nicht. Dann quittierten die Hells Angels, die für die Sicherheit zuständig waren, ihren Dienst. Schließlich wurden die Bühne und der Wohnwagen der Organisatoren abgefackelt, das Equipment zerstört, Verkaufsläden geplündert und frustrierte Zuschauer verwüsteten das gesamte Festivalgelände. Sachschaden: 1,5 Millionen D-Mark. Daraufhin verbot der damalige Bürgermeister von Scheeßel weitere Festivals in der Region. 20 Jahre später hob der neuer Bürgermeister das Festivalverbot auf. 1997 konnte das erste Hurricane-Festival stattfinden.

Blick über das Festivalgelände in Scheeßel, hinter vereinzelten Zelten steht das Gerippe der abgebrannten Bühne.
Beim "First-Rider-Open-Air" Festival in Scheeßel zündeten erboste Fans in der Nacht zum 4.9.1977 die Bühne und den Wohnwagen des Veranstalters an. Bild: DPA | Lothar Heidtmann

2 Hurricane ist das dunkelste Festival Deutschlands

Regen, Sturm und Matsch sind wohl die drei Wetterprognosen, die jedem gestandenen Hurricane-Besucher sofort einfallen dürften – und tatsächlich: In einer Statistik von 2015 galt die Veranstaltung in Scheeßel als das dunkelste Festival in Deutschland. Von 2004 bis 2015 schien die Sonne während der Festivalwochenende täglich lediglich 4,2 Stunden. Kleiner Trost: Dafür fallen beim Chiemsee Reggae Summer und dem Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich mehr Regen und nur bei Rock am Ring ist es im Schnitt ein halbes Grad kälter als in Scheeßel. Nach dem wiederholten Wetterpech der letzten Jahre mit viel Matsch und sogar Festivalunterbrechungen: Wie sieht die Prognose für 2019 aus? Überraschenderweise soll es bei Höchstwerten um 23 Grad und nur leichter Bewölkung trocken bleiben. Vielleicht mausert sich das Hurricane-Festival also doch noch zum sonnigen Stelldichein.

Zwei Festivalbesucher rutschen am Sonntag (24.06.2012) auf dem Hurricane Festival in Scheeßel (Landkreis Rotenburg Wümme) im Regen durch eine große Schlammpfütze.
Man muss dem typischen Festival-Wetter nur die guten Seiten abgewinnen, dann ist der Regen auch kein Problem mehr. Bild: DPA | Daniel Reinhardt

3 David Bowie hatte seinen letzten Auftritt in Scheeßel

Im Rahmen seiner "Reality"-Tour gab sich der britische Superstar David Bowie beim Hurricane-Festival 2004 die Ehre. Nach seinem Auftritt klagte er allerdings über starke Brustschmerzen. Er wurde noch in der gleichen Nacht in Hamburg notoperiert, wobei eine blockierte Herzarterie diagnostiziert wurde. Alle weiteren Auftritte wurden abgesagt und später folgten nur kleinere Bühnenshows mit Gastauftritten. Somit ist das Konzert in Scheeßel der letzte richtige Festival-Liveauftritt seiner Karriere gewesen. Der Musiker starb 2016 an Leberkrebs.

Sänger David Bowie mit Band anlässlich eines Konzertes auf dem Hurricane Festival in Scheeßel.
Nach dem Auftritt in Scheeßel musste David Bowie in der gleichen Nacht in Hamburg notoperiert werden. Es sollte sein letzter Festival-Auftritt sein. Bild: Imago | Hogreve

4 Sechsmal ist Scheeßler Recht

Was haben Queens Of The Stone Age, The Wombats, Billy Talent, Danko Jones, Donots, Flogging Molly, The Hives, Madsen, Frank Turner & The Sleeping Souls und The Sounds gemeinsam? Sie alle sind mit sechs Auftritten Rekordhalter beim Hurricane-Festival. Dahinter reihen sich weitere Größen wie Deichkind, Placebo, Die Ärzte und Mando Diao. Ein weiterer Beweis dafür, dass Scheeßel ein Magnet für populäre Bands ist.

Queens Of The Stone Age - beim Hurricane Festival am Eichenring 2007.
Queens Of The Stone Age 2007 beim Hurricane-Festival. Sie sind mit sechs Auftritten Rekordhalter. Bild: DPA | Isabel Schiffler

5 Weibliche Acts sind eine echte Seltenheit

Das Thema Gleichberechtigung durchdringt momentan gefühlt jeden Bereich unserer Gesellschaft. Da sollte es eigentlich naheliegen, dass auch bei einem Festival-Line-Up auf eine ausgewogene Mischung aus Künstlerinnen und Künstlern geachtet wird. Die Statistik des diesjährigen Hurricane-Festivals: Nur etwa jeder siebte Act, der in Scheeßel auftritt, besitzt eine Frontfrau oder gar ein weibliches Mitglied. Und Festival-Besucher kommen auch nur deutlich vor dem abendlichen Hauptprogramm in den Genuss weiblichen Gesanges – wie den von Alice Merton ("No roots"). Nach 19 Uhr übernehmen dann ausschließlich Männer die Bühnen am Eichenring.

Lorde - eigentlicher Name Ella Marija Lani Yelich-O
Lorde aus Neuseeland war eine von wenigen weiblichen Acts beim Hurricane. Bild: DPA | Isabel Schiffler/Jazz Archiv

Mehr zum Thema:

Autor

  • Jakob Patzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 20. Juni 2019, 8:10 Uhr