Interview

So klappt es mit dem Homeoffice – Bremer Experte gibt Ratschläge

Immer mehr Büros werden in die eigenen vier Wände verlegt. Doch nicht immer klappt die Umstellung reibungslos. Das muss es auch nicht, sagt ein Bremer Experte.

Video vom 28. März 2020
Die Geschäftsführerin der Metropolregion Nordwest Anna Meinckes, die an ihrem Laptop im Home Office arbeitet.

Für viele ist es ein Traum, für andere eher ein Albtraum. Im Homeoffice zu arbeiten bedeutet mehr Freiheit, aber nicht selten auch mehr Ablenkung und Hindernisse verschiedener Natur. Die Kinder sind jetzt zur Corona-Zeit meist zu Hause und möchten mit den Eltern spielen, die Spülmaschine wird sich nicht von alleine einräumen und die Internetverbindung ist bei weitem nicht so stark wie im Büro.

Der selbstbestimmte Arbeitstag droht, sich in eine scheinbar unendliche Reihe von Aufgaben zu verwandeln. Der Frust steigt. Wie kann man dem entgegenwirken? Der Bremer Unternehmensgründer und Berater Sven Hermann hat einige Empfehlungen parat.

Herr Hermann, das Arbeiten im Homeoffice bedeutet für viele eine erhebliche Umstellung. Was ist Ihrer Meinung nach am wichtigsten, damit die Leistung – und die psychologische Gesundheit – nicht darunter leiden?
Zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass Homeoffice nicht für alle sofort reibungslos funktionieren wird. Es bedarf vor allem einer Menge Selbstdisziplin, damit man sich nicht ablenkt. Zum Beispiel durch die Aufgaben im Haushalt, die vielleicht anstehen. Und dass der Arbeitnehmer versteht, dass er nicht jederzeit erreichbar sein muss. Dass er auch Pausen einlegen muss und es irgendwann auch einen Feierabend gibt. Es ist außerdem wichtig, dass man den eigenen Tagesablauf sowie eigene Routinen einhält.
Sich nicht abzulenken kann schwierig werden, wenn die Kinder zu Hause sind und Aufmerksamkeit fordern.
Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, sich räumlich abzutrennen. Dass man nicht gerade sein Homeoffice in der Küche einrichtet, wo alle herumlaufen. Darüber hinaus kann man auch über den eigenen Tagesablauf nachdenken. Schaffe ich viele meiner Aufgaben vielleicht eher früh? Welche Zeitfenster sind am günstigsten? So kann man schauen, wie gut der Arbeitsablauf mit dem familiären zusammenpasst. Man könnte beispielsweise das Spielen mit den Kindern als Pause betrachten. Dabei spielt eine klare Kommunikation jedoch eine wesentliche Rolle. Wann ist Pause, wann wird gearbeitet? Das sollte festgelegt werden.
Auch ohne Kinder hat man vor allem durch das Internet und die sozialen Netzwerke genug Ablenkungen...
Wichtig ist dabei, dass man seinen Tag so gut es geht strukturiert. Mit welchen Themen fange ich an, welche Aufgabe gehe ich als Erstes an? Am besten sollte man verhindern, dass man zu viele Programme parallel geöffnet hat. Mittlerweile gibt es Tools, die messen, wie viel Zeit man mit einem gewissen Programm verbringt und aufzeigen, welche Programme über den Tag von der Arbeit eher abhalten. Und es gibt Apps, die gewisse Seiten in einem bestimmten Zeitraum sperren.
Wenn man häufig alleine zu Hause sitzt, kann es schwierig werden, motiviert zu bleiben. Haben Sie dafür einen besonderen Trick?
Zuerst möchte ich klarstellen: Es ist ein Stück weit zu akzeptieren, dass am Anfang nicht alles perfekt funktioniert. Man kann durchaus frustriert sein. Es ist normal, Momente zu haben, in denen man sich niedergeschlagen fühlt. Was hilfreich sein kann, ist Sachen, die einem Spaß machen, am Anfang des Tages zu erledigen und ab und an spielerische Elemente in Meetings einzubauen wie eine Runde Telko-Bingo. Das alles kann helfen, um den Tag aufzulockern – und damit der soziale Austausch nicht vernachlässigt wird.
Man kann übrigens auch Bewegung nutzen: Beim Laufen oder Fahrradfahren überlegen, was ich in meinem Text schreiben will, wie die Marketingkampagne am besten auszusehen hat. Das eignet sich ganz gut für kreative Aufgaben.
Sollten Chefs Ihre Mitarbeiter besonders häufig kontrollieren, um die Motivation durch Druck zu erzeugen?
Ich glaube, dass man eher Ziele vereinbaren sollte – für den Tag oder die kommende Woche. Der Grund ist, dass jeder in einen eigenen Ablauf reinkommt, und so das Arbeiten im Homeoffice optimieren kann. Wichtig ist, dass klare Regeln vereinbart werden. Leitlinien. Wie soll die Erreichbarkeit der Einzelnen aussehen? In welcher Form wird auf Anfragen geantwortet? Wann gibt es Meetings oder Konferenzen?
Aber vor allem: In dieser Krise ist die Chance für das Homeoffice einer der wenigen positiven Aspekte. Arbeiten, wo man es möchte und wie es gerade passt. Klar, es gibt Herausforderungen. Aber es eröffnen sich auch neue Möglichkeiten.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. März 2020, 19:30 Uhr