So wollen Bremer Hausärzte die Versorgung sicherstellen

Auch die Hausarztpraxen stehen durch die Corona-Krise unter Druck. Der Hausärzteverband hat jetzt die Initiative ergriffen, um Versorgungsengpässen vorzubeugen.

Rückansicht einer Ärztin mit verschränkten Händen
Die Bremer Hausärzte wollen dafür sorgen, dass die Versorgung in der Coronakrise weiterhin gewährleistet ist (Symbolbild). Bild: dpa | Jens Büttner

Der Fokus des Bremer Gesundheitssystems liegt zurzeit auf der Versorgung von Corona-Patienten, der Ambulanz, den Kliniken – doch auch die hausärztliche Versorgung ist von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Um die Versorgung in Bremen sicherzustellen, haben sich die Hausärzte auf Initiative des Bremer Hausärzteverbands zusammengetan. Sie bündeln ihre Kräfte und zentralisieren die Versorgung, sagt Vorsitzender Hans-Michael Mühlenfeld.

Praxen fehlt Schutzmaterial

Das bedeutet, dass pro Stadtteil ein Ärzte-Pool entsteht, der unter anderem die Versorgung zu Hause übernimmt. Die mobile Untersuchung sieht so aus, dass ein Arzt die nötigen Hausbesuche in dem Stadtteil übernimmt. Zuständig bleibt der jeweilige Hausarzt, der in enger Abstimmung mit dem Arzt vor Ort die Behandlung veranlasst. Hintergrund ist, dass den Hausärzten Schutzausrüstung fehlt. "Wenn wir ausreichend Schutzmaterial hätten, würde jeder Arzt das selbst machen", so Mühlenfeld. Normalerweise sei jeder Arzt selbst für seine Ausstattung verantwortlich, doch in Zeiten der Corona-Krise ist der Markt leergefegt. Wenn sich die Ärzte aber nicht ausreichend schützen können und sich reihenweise anstecken, ist die Versorgung gefährdet.

Wenn wir ausreichend Schutzmaterial hätten, würde jeder Arzt das selbst machen.

Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbands

"Wir brauchen deshalb neue Versorgungsformen", sagt Mühlenfeld, daher auch die Zentralisierung des Schutzmaterials auf einen Arzt pro Stadtteil, der dann gut geschützt Hausbesuche machen kann. Für Patienten mit Symptomen haben die Hausärzte bereits gemeinsame Untersuchungsstellen eingerichtet, um die Patienten aus den Praxen herauszuhalten. Aktuell gibt es zwei im Voll- und zwei im Probebetrieb, eine weitere sei in Planung. Mühlenfeld ruft außerdem dazu auf, beim Arztbesuch einen Mundschutz zu tragen. In Arztpraxen träfen Kranke und Gesunde aufeinander, und da von außen nicht erkennbar sei, ob jemand infiziert ist, empfehle man das Tragen eines Mundschutzes.

Die gemeinsamen Untersuchungsstellen seien diese Woche vom Bremer Corona-Krisenstab mit neuer Schutzausrüstung ausgestattet worden. Doch in den Praxen fehlt es nach wie vor. "Wir müssen immer mehr davon ausgehen, dass viele Infizierte asymptomatisch sind", sagt Mühlenfeld, sprich sie haben sich mit Covid-19 angesteckt, zeigen aber keine Symptome. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sei daher eine volle Schutzmontur nötig, auch wenn der Patient augenscheinlich nicht erkrankt ist.

Zentrale Versorgung in Alten- und Pflegeheimen

Auch bei der Versorgung der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen setzen die Hausärzte auf Zentralisierung. Die Hausärzte sollen abgezogen und ein Arzt pro Einrichtung eingesetzt werden. Dieser Arzt führt die Untersuchungen bei allen Bewohnern durch. Ansprechpartner bleibt auch hier der jeweilige Hausarzt, da er die Person und deren Krankengeschichte kennt.

Wann die Poolversorgung und die mobile Untersuchung zum Einsatz kommen, ist laut Mühlenfeld noch nicht klar. "Wir merken einen langsamen Anstieg der Bedarfe, es hängt aber auch davon ab, wann und wie wir Schutzmaterial bekommen", sagt Mühlenfeld. Bestenfalls sei die Zentralisierung gar nicht notwendig. Doch Vorsicht ist besser als Nachsicht – die Hausärzte wollen dafür sorgen, dass die Versorgung abseits von Corona nicht auf der Strecke bleibt.

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Autorin

  • Greta Block

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 6. April 2020, 17:10 Uhr