Fragen & Antworten

Grippeschutzimpfung: Was sie kann, was nicht und wer sie braucht

Für wen ist jetzt eine Influenza-Schutzimpfung sinnvoll? Und steht überhaupt ausreichend Impfstoff im Land Bremen zur Verfügung? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Detaillierte Aufnahme eines gelben Impfausweises.
Die letzte schwere Grippewelle erlebte Bremen in der Saison 2017/2018. Bild: Radio Bremen | Christian Bordeaux
Lässt sich schon einschätzen, wie die Grippesaison dieses Jahr ungefähr verlaufen wird?
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist das nicht möglich: Die Grippewelle in Europa beginnt meist in den südlichen Ländern und wandert dann langsam gen Norden. An den ersten Verläufen kann man laut RKI in etwa abschätzen, wie und wann die Grippe dann in Deutschland ankommt – und welcher Typ von Grippe es sein könnte.
Allerdings: Die Grippe kann sich auch völlig anders entwickeln. Auch die Infiziertenzahlen und die Sterberate schwanken von Jahr zu Jahr extrem. "Jede Welle verläuft etwas anders", so Sylla Kahl aus dem Bremer Gesundheitsressort. Die letzte schwere Grippewelle erlebte Bremen in der Saison 2017/2018.
Was man in Südeuropa schon jetzt erkennen kann: Die Corona-Maßnahmen – also Händewaschen, Maske und Abstand halten – helfen auch gegen die Verbreitung der Grippe. Schon die vergangene Grippewelle war hierzulande von Experten acht Wochen früher als üblich für beendet erklärt worden. Es könnte sein, dass auch die kommende Grippewelle – stets gemessen von Anfang Oktober bis Mitte Mai – eher schwach ausfällt.

Gemeldete Grippezahlen im Land Bremen (Saison jeweils Anfang Oktober bis Mitte Mai)

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Wenn man nicht genau absehen kann, wie sich die Grippe entwickelt, wie kann es dann schon vor der Grippesaison eine geeignete Schutzimpfung geben?
In den letzten Jahrzehnten grassierten vereinfacht ausgedrückt vier verschiedene Influenza-Arten. Welche dieser Arten nun auftritt, können die Forscherinnen und Forscher nur durch die Grippedaten aus anderen Ländern, in denen die Grippe schon angekommen ist, erahnen. Daraufhin werden dann die Impfstoffe produziert.
Entscheidend ist also zunächst, ob gegen den richtigen Grippevirus geimpft wird und der richtige Impfstoff zum Einsatz kommt. Ist das nicht der Fall, muss die Impfung nicht umsonst gewesen sein: Eine Grippe wird dann zwar nicht verhindert, verläuft aber in 82 Prozent der Fälle weniger intensiv, so Virologe Andreas Dotzauer von der Universität Bremen. Und das kann gerade bei Risikogruppen Leben retten.
Hinzu kommt, dass kein Grippeimpfstoff alle Geimpften gleichermaßen schützt. Nur vierzig bis sechzig Prozent der Geimpften sind anschließend vor einer Grippe geschützt, denn bei manchen Menschen schlägt der Impfstoff nicht an.
Ein Kind wird mit einer Spritze geimpft
Es gibt widersprüchliche Einschätzungen, inwiefern Kinder geimpft werden sollten. Bild: Imago | Sven Simon
Welchen Menschen wird eine Grippeimpfung jetzt dringend empfohlen?
Die Ständige Impfkommission (Stiko) der RKI empfiehlt sie Menschen, die über 60 Jahre alt sind, ebenso wie chronisch Kranken, Schwangeren und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Außerdem Menschen, die beruflich viel mit Erkrankten zu tun haben oder oft im Personenkontakt sind.
Aber Heidrun Gitter von der Ärztekammer Bremen sagt, dass sie diese Liste noch erweitern würde. Sie empfiehlt in Hinblick auf Corona, dass sich auch Raucherinnen und Raucher sowie Übergewichtige impfen lassen sollten.
Das Gesundheitsamt hat für bestimmte Personengruppen einige Impfdosen zurückgelegt: "Gerade im Bereich der ankommenden Geflüchteten, der Prostituierten und auch bei Obdachlosen kann im Rahmen der Sprechstunden geimpft werden – wenn das gewünscht ist", so Pressesprecher Lukas Fuhrmann.
Sollten Kinder gegen die Grippe geimpft werden?
Die Impfkommission empfiehlt nicht ausdrücklich, gesunde Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. Heidrun Gitter von der Ärztekammer Bremen sagt aber, dass gerade Kinder oft Überträger von Viren sind. Um andere zu schützen, hält sie eine Impfung deshalb für sinnvoll.
Gäbe es genug Impfstoff, um Kinder generell gegen die Grippe impfen zu lassen, würde auch Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Bremen, das befürworten. Genau das sei aber nicht der Fall. Natürlich hätten auch Kinderärzte Impfdosen vorrätig, die seien aber insbesondere für die Patienten gedacht, die Vorerkrankungen haben.
Für Kinder gibt es neben dem Totimpfstoff, den auch Erwachsene bekommen, einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird.
Wer entscheidet, ob geimpft wird oder nicht?
Grundsätzlich besteht in Deutschland keine Impfpflicht. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob und gegen was er sich impfen lassen möchte. Das Robert-Koch-Institut und die Impfkommission sprechen lediglich Empfehlungen aus, an denen sich dann wiederum die Ärzte orientieren. Die Stiko hat trotz der gegenwärtigen Corona-Pandemie ihre Empfehlungen zu einer Influenza-Impfung nicht ausgeweitet. Hermann von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen betont daher: "Wer kerngesund und topfit ist und sich jetzt aus Sorge um die Corona-Pandemie dieses Jahr gegen die Grippe impfen lassen möchte, der macht sich besser gar nicht erst auf den Weg. Er wird nicht geimpft." Demnach können Ärzte entscheiden, ob sie ihre Patienten impfen wollen – oder das nicht für nötig halten.
Wo kann ich mich impfen lassen?
Im Prinzip können Sie in jeder Hausarztpraxis eine Impfung bekommen, auch verschiedene Fachärzte bieten eine Schutzimpfung gegen die Grippe an. Schwangere beispielsweise, die ebenfalls zur Risikogruppe zählen, können sich direkt bei ihrem Frauenarzt impfen lassen. Auch einige Gesundheitsämter bieten Impfungen an. Allerdings tragen nicht alle Krankenkassen die Kosten einer Grippeimpfung für ihre Versicherten. "In der Regel wird aber den empfohlenen Risikogruppen die Impfung von der Krankenkasse bezahlt", so Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts.
Gibt es im Land Bremen genug Impfstoff für alle?
Da die Verteilung nicht zentral geregelt wird, kann das Gesundheitsressort keine genauen Angaben dazu machen. Die Arztpraxen bestellen bereits im Frühjahr die Impfdosen für die neue Saison – und danach richtet sich auch die Produktion. Die Kassenärztliche Vereinigung in Bremen berichtet, dass Bremer Praxen in diesem Jahr mindestens 20 Prozent mehr bestellt haben als sonst.
Im vergangenen Jahr haben sich laut Kassenärztlicher Vereinigung 82.000 Menschen im Land Bremen gegen Grippe impfen lassen. In diesem Jahr wird ein sogenannter "Klopapier-Effekt" befürchtet, begrifflich angelehnt an die Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie: "Wenn eine Zeitung, ein Onlinemedium schreibt, dass der Impfstoff knapp wird, dann wollen plötzlich alle geimpft werden", prognostiziert Hermann.

Wie Sie sich und andere vor Infektionen schützen:

Video vom 27. Februar 2020
Teaserbild zur einem Video, in dem erklärt wird, wie man sich vor Viren schützen kann.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Helena Brinkmann
  • Charlotte Schumacher Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 25. September 2020, 6:45 Uhr