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So gehen Stadt, Bahn und Polizei gegen illegale Graffiti vor

Der Bahn entstehen jährlich Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Auch öffentliche und private Gebäude werden oft besprüht. Die Zahl der Anzeigen geht jedoch zurück.

Ein mit Graffiti besprühter Zug steht in einer Werkstatt.
Bei der Nordwestbahn lief am Mittwoch eine "Graffiti-Offensive", bei der mehrere Züge gereinigt wurden.

Sprayer sehen in ihren Graffiti Kunstwerke. Hauswände und Zugwaggons werden zur öffentlichen Leinwand. Anders sehen es meistens die Besitzer der zur Leinwand umfunktionierten Fläche – denn auf sie kommen oft hohe Kosten zu. Die Deutsche Bahn gab beispielsweise 2017 zehn Millionen Euro für die Graffitibeseitigung aus. Die Nordwestbahn veranstaltet am Mittwoch eine "Graffiti-Offensive" und reinigt mehrere ihrer Züge. Doch was unternehmen Polizei, Stadt und die Bahnbetreiber gegen illegale Graffiti? Und welche Tipps gibt es für Hausbesitzer?

Die Bremer Polizei

Die Anzahl der Strafanzeigen wegen Graffiti ist in Bremen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. 2015 waren es noch 846 Anzeigen, im Jahr darauf nur noch 703. Da die Polizei das vergangene Jahr noch nicht ausgewertet hat, sind die aktuellsten Zahlen von 2017: Der Trend ging weiter zurück – es waren nur noch 583 Anzeigen.

Die Polizei bittet Zeugen und Geschädigte von illegalen Graffiti, sich zu melden und Strafanzeige zu stellen. Außerdem seien alle Beamten in der Stadt jederzeit aufmerksam, was Sprayer angeht, so Pressesprecherin Franka Haedke. "Nach dem Motto: Wir können zwar nicht überall sein, man muss aber überall mit uns rechnen."

Die Bahnbetriebe

Ein Aufkleber mit dem Schriftzug "Ich fühl
Die Nordwestbahn überklebt vor dem Reinigen die Graffiti auf ihren Zügen.

Züge sind ein besonders beliebter Untergrund für illegale Graffiti. Die gesprühten Bilder und Namenszeichnungen fahren unter Umständen durch das ganze Land und werden von vielen anderen Sprayern gesehen. Die Bahnbetriebe versuchen aber, alle Graffiti schnellstmöglich zu beseitigen. Die Devise der Deutschen Bahn (DB) ist eindeutig: "Um das Erfolgserlebnis der Sprayer zu schmälern, beseitigt die DB die Schäden möglichst innerhalb von 24 bis 72 Stunden." Grund dafür seien vor allem die Fahrgäste, erklärt Holger Bajohra, Pressesprecher für Sicherheit bei der Deutschen Bahn: "Das subjektive Unsicherheitsgefühl steigt mit Graffiti – die Kunden fühlen sich in besprühten Zügen nicht mehr so wohl."

Deshalb investieren die Bahnanbieter viel Geld, um Graffiti zu entfernen oder zumindest zu überdecken. Die Bahn gibt an, 2017 zehn Millionen Euro für die Graffitibeseitigung ausgegeben zu haben. Insgesamt belaufe sich der Schaden durch Graffiti und Vandalismus jährlich auf etwa 35 Millionen Euro. Ein echtes Problem sind Graffiti auch bei den kleineren Betreibern. Bei der Nordwestbahn ist der durch sie verursachte Schaden in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Nach 150.000 Euro in 2016 und 180.000 Euro im Folgejahr stieg der Schaden durch illegale Graffiti auf Zügen der Nordwestbahn in 2018 auf 240.000 Euro.

Die Stadt

Deutlich geringer sind die Schäden, die an öffentlichen Gebäuden entstehen. Werden der Bremer Stadtreinigung illegale Graffiti gemeldet, beauftragt sie in der Regel einen Experten, der die Graffiti entfernt. Im Jahr 2018 gab die Stadt 13.300 Euro für die Beseitigung von illegalen Graffiti an öffentlichen Plätzen aus. Die Kosten fallen verhältnismäßig gering aus, da die Stadtreinigung nur für öffentliche Gebäude zuständig ist. Werden private Garagentore oder Hauswände besprüht, muss der Besitzer sich selbst um die Graffitientfernung kümmern.

Die Grafik zeigt die Folgen von illegalen Graffiti für die Deutsche Bahn und die Stadt Bremen. Öffentliche Gebäude Beseitigungskostenfür die Deutsche Bahn2017:etwa 10 Millionen Euro Kosten für dieStadtreinigungBremen 2018:13.300 Euro Strafanzeigen:2015: 8462016: 7032017: 583 Die Folgen von illegalen Graffiti

Private Hausbesitzer

Um sich effektiv vor illegalen Graffiti zu schützen, empfiehlt die Polizei mehrere Schritte. "Grobe, unebene Oberflächen oder farbenfrohe Wände sind ein ungünstiger Untergrund für Graffiti", sagt Pressesprecherin Franka Haedke. "Licht in Kombination mit einem Bewegungsmelder und aufmerksame Nachbarn schützen auch vor Sprayern."

Nahaufnahme einer Hand, die ein Graffito auf eine Hauswand sprüht.
Glatte, einfarbige und ebene Oberflächen sind bei Sprayern beliebter, als grobe, bunte und unebene. Bild: DPA

Wird trotzdem die eigene Hauswand besprüht, solle man Anzeige bei der Polizei erstatten und danach schnellstmöglich das Graffito entfernen. "Denn ist eine Wand erst einmal vollgeschmiert, zieht sie erfahrungsgemäß Nachahmer an", sagt Haedke.

Welche Strafe droht den Sprayern?

Laut der Polizei kennen sich viele Sprayer nicht mit den Folgen ihrer Graffiti aus. Die Sprühbilder gelten als Sachbeschädigung und werden daher strafrechtlich verfolgt. Es drohen Geldstrafen und in Extremfällen sogar zwei Jahre Gefängnis. Außerdem werden die Täter noch bis zu 30 Jahre später zur Kasse gebeten: "Wer mit 16 Jahren beim illegalen Sprayen erwischt wird, läuft Gefahr, bis zu seinem 46. Lebensjahr für den von ihm verursachten Schaden zur Kasse gebeten zu werden. Denn so lange gelten die zivilrechtlichen Ansprüche des Geschädigten gegenüber dem Täter", sagt Haedke.

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  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 19. Februar 2019, 21 Uhr