Bredo-Werft will Gorch Fock weiter als Pfand behalten

  • Erste Gläubiger-Versammlung zu Sanierungsdebakel in Nordenham
  • Bremerhavener Werft fordert Millionenbetrag
  • Schiff soll eigentlich am Freitag ausgedockt werden
Die Gorch Fock in einem Trockendock in Bremerhaven.
Die Gorch Fock liegt in einem Trockendock der Bredo-Werft in Bremerhaven.

Die Bredo-Werft in Bremerhaven will die Gorch Fock weiter als Pfand behalten, um ausstehende Rechnungen in Millionenhöhe einzufordern. Sie beruft sich dabei auf das Gutachten eines Professors für Insolvenzrecht. Die Werft will das Schiff nur ausdocken, wenn sie rund fünf Millionen Euro vom Verteidigungsministerium oder der Elsflether Werft bekommt.

Das 36-seitige Gutachten liegt nach Angaben der Bredo-Werft seit Freitag sowohl der Marine als auch der Elsflether Werft vor. Eine Reaktion habe es bisher aber nicht gegeben. Die Bredo-Werft hat im Auftrag der inzwischen insolventen Elsflether Werft den Rumpf der Gorch Fock repariert, dafür bisher aber noch kein Geld erhalten. Dadurch war die Bredo nach eigenen Angaben kurzzeitig selbst von einer Insolvenz bedroht.

Gläubigerversammlung bringt wenig Neues

Eigentlich soll die Gorch Fock am Freitag ausgedockt werden. Wenn die Bredo das Geld bis dahin aber nicht erhält, will sie das Schiff weiter als Pfand behalten. Am Montag trafen sich die Gläubiger der Elsflether Werft in Nordenham. Wie auf der gut einstündigen Versammlung beschlossen wurde, darf die Elsflether Werft ihre Insolvenz weiter selbst verwalten. Daneben wurde auch der derzeitige Vorstand bestätigt. Unklar bleibt aber weiterhin, ob die Bremerhavener Bredo-Werft die Gorch Fock am Freitag ausdocken wird.

Es seien hauptsächlich Sachstände ausgetauscht worden, erklärten sowohl die Bredo-Werft, als auch die  Elsflether Werft. "Viele neue Informationen hat die Gläubigerversammlung nicht ergeben", sagte Bredo-Geschäftsführer Dirk Harms gegenüber buten un binnen. So wurde auch nicht darüber gesprochen, ob die Elsflether Werft oder der Bund rund fünf Millionen Euro an die Bredo zahlt. Das fordert die Werft, da sie sonst die Gorch Fock nicht ausdocken will.

Noch kein offizieller Auftrag für weitere Arbeiten

Nach eigenen Angaben schuldet die Elsflether Werft der Bredo rund zehn Millionen Euro für die Sanierung der Gorch Fock. Sollte das Schiff am Freitag ausgedockt werden, verbleibt es wohl in der Bredo-Werft. Einen offiziellen Auftrag für weitere Arbeiten gibt es von der Bundeswehr allerdings noch nicht. "Wenn die Bedingungen da sind, dass wir ausdocken, ist das ein normaler Vorgang, wie wir ihn regelmäßig praktizieren", so Harms. "Wenn nicht, wird es sicherlich auch zwischen den Juristen noch Gespräche geben."

Die Bredo ist Hauptgläubiger der Elsflether Werft. Bei der Überholung des Traditionsseglers der Bundesmarine sind die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen. Statt geplant zehn Millionen Euro sind bislang mehr als 70 Millionen Euro ausgegeben worden. Die Endkosten werden auf 135 Millionen Euro geschätzt.

Die Gorch Fock in einem Trockendock in Bremerhaven.
Trotz der Schwierigkeiten bei der Sanierung will die Marine nicht auf die Gorch Fock verzichten.

Die Elsflether Werft als Generalauftragnehmer der Sanierung ist seit Februar insolvent. Die neue Werftführung will in Nordenham ihre Pläne zur Fortführung des Betriebs vorstellen. Bislang haben nach Angaben des Sachwalters Per Hendrik Heerma etwa 100 Gläubiger Forderungen angemeldet. Die Frist dafür läuft noch bis zum 1. Juli.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Werft-Chefs

Die frühere Führung der Elsflether Werft hat Geld in Nebengeschäfte gesteckt, in denen es nicht mehr zu finden ist. Die Subunternehmer bei der Sanierung der Gorch Fock konnten nicht mehr bezahlt werden, was zu der Insolvenz geführt hat. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt deshalb wegen Untreue gegen die zwei Ex-Chefs der Werft. Außerdem hat ein Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven Korruption eingeräumt.

Die Kostenexplosion bei der Sanierung des Schulschiffs ist misslich auch für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Der Bundesrechnungshof hält der Marine vor, sie sei in die Sanierung eingestiegen, ohne den Zustand der Gorch Fock genau zu kennen. Die Wirtschaftlichkeit der Sanierung sei nicht geprüft worden. Im Verteidigungsministerium wurden die Kostensteigerungen immer wieder gegenüber der Ministerin begründet. Trotz der Schwierigkeiten will die Marine aber nicht auf die Gorch Fock verzichten.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Juni 2019, 19:30 Uhr