Ist die "Gorch Fock"-Sanierung zu groß für die Elsflether Werft?

  • Bundesrechnungshof zweifelt an der Leistungsfähigkeit der Werft
  • Empfehlung: Gutachter soll die bisherigen Sanierungsarbeiten überprüfen
  • Kosten für die Sanierung des Schulschiffs waren explodiert
Die "Gorch Fock" liegt in einem Trockendock in Bremerhaven, das eine Werft aus Elsfleth angemietet hat
Wann das Segelschulschiff der Bundesmarine das Dock in Bremerhaven verlassen kann, ist derzeit völlig unklar. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Der Bundesrechnungshof hat eine umfassende technische Überprüfung der bisherigen Sanierungsarbeiten am Segelschulschiff "Gorch Fock" durch einen unabhängigen Gutachter angemahnt. Ein entsprechender vertraulicher Bericht von Mitte beziehungsweise Ende März sei am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestages beraten worden, sagte Behördensprecher Martin Winter am Donnerstag.

"Wir wollen keinen Sanierungsstopp, und wir wollen auch keine neue Wirtschaftlichkeitsuntersuchung." Aber es werde empfohlen, dass man jetzt, solange das Schiff beziehungsweise der Rumpf noch im Dock liege, noch mal genau hinschaue und eine Qualitätskontrolle durchführe, formulierte Winter die Kernaussage des Berichtes. Die "Nordwest-Zeitung" berichtete am Donnerstag, dass die Behörde in dem Bericht erhebliche Bedenken an der Leistungsfähigkeit und Qualität der Werft geäußert hatte.

Werft weist Kritik zurück

Die neue Werftleitung will diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen: Werftchef Alex Birk sagte der "Nordwest-Zeitung", die Kritik sei nicht nachvollziehbar. Es sei völlig normal, dass sich bei Schweißarbeiten Beulen bildeten. Diese würden beim Lackieren des Rumpfes nachgearbeitet.

Die Sanierung der "Gorch Fock" sorgt seit Monaten für Schlagzeilen – die Kosten waren von zehn auf geschätzte 135 Millionen explodiert, die Elsflether Werft war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wegen Untreue- und Korruptionsvorwürfen wird inzwischen in mehreren Fällen ermittelt. Die Leitung der Werft wurde ausgetauscht.

Das Schiff liegt in Bremerhaven in einem Schwimmdock, das die beauftragte Elsflether Werft angemietet hat. Ein im Dezember verhängter Zahlungsstopp wurde erst am Montag vom Verteidigungsministerium aufgehoben. Die Kosten der rund drei Jahre dauernden Sanierung stiegen von 10 auf zuletzt 135 Millionen Euro, wovon knapp 70 Millionen Euro schon gezahlt wurden. Es laufen zudem Untreue-Ermittlungen gegen den alten Werft-Vorstand.

Die Arbeiten sind mittlerweile mit einer neuen Führung wieder angelaufen. Diese zeigt sich grundsätzlich offen für eine weitere Begutachtung. Allerdings sei die Marine mit eigenen Experten und Gutachtern stets präsent und eingebunden. Alle Arbeitsschritte wie etwa Schweißnähte würden technisch abgenommen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Elsflether Werft AG, Pieter Wasmuth, der Deutschen Presse-Agentur. Wenn ein externer Gutachter gewünscht werde, dann gehe man auch darauf gerne ein.

Aus Sicht des Bundesrechnungshofes wurde von Anfang an versäumt, eine wirkliche Grundbegutachtung vorzunehmen. "Das haben wir auch kritisiert", so Winter. Bevor die "Gorch Fock" aus dem Dock ins Wasser gelassen werde und viele Teile nicht mehr sichtbar seien, sei deshalb eine Überprüfung empfehlenswert. "Das könnte man auch parallel zu den laufenden Arbeiten machen."

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11. April 2019, 6 Uhr