Umfrage: Jeder zweite Staatsdiener Opfer von Übergriffen

Beleidigt, angeschrien, körperlich bedrängt: Fast die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst hat das schon erlebt. So reagiert man in Bremen auf Angriffe.

Ein gewalttätiger Demonstrant schlägt einen Polizeibeamten nieder.
Von den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst, die Übergriffe erleben, bilden Polizisten nach einer Befragung die größte Gruppe. Bild: DPA | Carsten Rehder

Viele Menschen in Deutschland sind der Ansicht, dass die Gesellschaft immer mehr verroht. Das hat eine repräsentative Befragung von Forsa im Auftrag des Deutschen Beamtenbunds und von Tarifunion ergeben. Dazu wurden 2.006 Personen befragt. Mehr als ein Viertel der Befragten hat demnach schon Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst beobachtet. Am häufigsten wurden Beleidigungen beobachtet (86 Prozent). An zweiter Stelle steht das Anschreien von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes (61 Prozent). Körperliches Bedrängen war zwar mit Abstand seltener, wurde aber immerhin noch von 30 Prozent beobachtet. Von den Befragten, die selbst im öffentlichen Dienst arbeiten, gab mit 48 Prozent fast die Hälfte an, selbst bereits Übergriffe erlebt zu haben.

Viele Übergriffe auf Polizei und Rettungsdienst

In Bremen kam es erst nach dem jüngsten Pokalspiel zwischen Werder Bremen und Atlas Delmenhorst zu einem Angriff auf Polizisten. Demnach kletterte ein Fan auf ein Autodach und trat einem Beamten derart heftig gegen den Kopf, dass dieser verletzt wurde und zunächst benommen am Boden liegen blieb. "Es häufen sich die Angriffe, wenn Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst im Einsatz sind. Betroffen sind aber auch Stellen, wo Anträge auf staatliche Unterstützung eingereicht werden, wie zum Beispiel Sozialämter oder Arbeitsämter", sagt Jürgen Köster, Bremer Landesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes und von Tarifunion. In Bremen würden daher in bestimmten Dienststellen Sicherheitsdienste eingesetzt. In Bremen gab es laut Köster bereits einige Fälle von Übergriffen, die vor Gericht landeten. "Es gab im Bibliothekswesen einen Fall und im Sozialamt mehrere Fälle, in denen Opfer auf Schmerzensgeld geklagt haben und sich dann langwierige Verfahren anschlossen", sagt Köster.

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Am häufigsten wurden laut der Umfrage Übergriffe auf Polizisten beobachtet: 73 Prozent der Befragten, die bereits einen Angriff auf öffentlich Bedienstete wahrgenommen hatten, taten dies bei Einsätzen der Polizei. 58 Prozent gaben an, Übergriffe auf Rettungskräfte und Notärzte gesehen zu haben. Deutlich niedriger lag mit 40 Prozent der Anteil der beobachteten Übergriffe bei Feuerwehreinsätzen. Dabei genießen gerade Feuerwehrleute ein hohes Ansehen in der Bevölkerung.

Polizei Bremen schult Beamte für brenzlige Situationen

Die Polizei Bremen kann die Tendenz für Bremen bestätigen: "Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte bewegt sich in Bremen weiterhin auf einem hohen Niveau. Unsere Kollegen sehen sich zunehmend mit tätlichen Übergriffen konfrontiert, die zum Teil auch in ihrer Intensität schwerer werden. Im Streifendienst besteht die größte Verletzungsgefahr", teilt Sprecher Nils Matthiesen auf Anfrage mit. In den Fokus gerückt seien in den vergangenen Jahren auch sogenannte Tumult-Lagen, bei denen sich Menschen auf der Straße gegen die Polizei solidarisieren.

Eine Polizistin mit einer Bodycam.
Im Land Bremen sind inzwischen Body-Cams im Einsatz, die mögliche Übergriffe aufzeichnen.

Die Polizei stellt aber auch bei Einsätzen wie Unfallaufnahmen oder Verkehrskontrollen vermehrt aggressiv aufgeladene Situationen fest. Um den Umgang mit solchen Situationen zu lernen, gebe es spezielle Schulungen. Außerdem setzt die Polizei sogenannte Body-Cams ein, um bei einem Angriff Beweise sichern zu können, seit Anfang August 2019 auch im Einsatzdienst, sagt Matthiesen. Abgesehen davon sollen die Kameras aber auch abschreckend wirken.

Nach Informationen des Bremer Senats werden auch angehende Rettungskräfte in der Ausbildung vorbereitet. In Deeskalationstrainings würden sie dafür geschult, bedrohliche Situationen frühzeitig zu erkennen und sich ihnen zu entziehen. Für den Fall, dass es doch zu Übergriffen kommt, lernten sie, sich gegenseitig zu helfen und Angriffe abzuwehren. Entsprechende Fortbildungen seien auch an der Feuerwehrschule der Feuerwehr Bremen mit dem Institut für Rechtspsychologie der Universität Bremen entwickelt worden.

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. August 2019, 23:30 Uhr