Aggressionen gegen Busfahrer: "Ich habe schon ein mulmiges Gefühl"

Vor allem verbal werden Menschen in öffentlichen Berufen immer heftiger attackiert. Die Betroffenen sorgen sich, städtische Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen.

Eine Busfahrerin am Steuer.

Ute Renken-Sill ist Busfahrerin bei Bremerhaven-Bus. Sie macht ihren Job gerne, wie sie sagt. Doch manchmal gehe es ihr bei der Arbeit nicht mehr so gut: "Wenn ich durch gewisse Stadtteile von Bremerhaven fahre und es dunkel ist, dann habe ich schon ein mulmiges Gefühl."

Dazu haben die Erfahrungen beigetragen, die sie und ihre Kollegen in letzter Zeit zunehmend machen. Zuletzt war vor einigen Wochen eine Fahrkartenkontrolle aus dem Ruder gelaufen. Die Kontrolleure waren von mehreren Fahrgästen verbal massiv angegangen worden – drei Kollegen mussten bei diesem und anderen Fällen in letzter Zeit krankgeschrieben werden.

"Die Leute reagieren sofort aggressiv"

Ute Renken-Sill
Ute Renken-Sill ist Busfahrerin in Bremerhaven.

Fahrerin Renken-Sill stellt schon seit einiger Zeit fest, dass sich etwas im Umgang mit Fahrgästen geändert hat: "Die Leute reagieren, auch wenn man ihnen vernünftig was erklärt, sofort aggressiv. Ich versuche dann immer ganz ruhig zu werden und freundlich zu bleiben. Denn wenn ich auch aggressiv werde, dann eskaliert die Situation." Und dann habe sie die Lage nicht mehr im Griff.


Das städtische Unternehmen Bremerhaven-Bus hat erste Maßnahmen ergriffen, um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, sagt Bereichsleiter Michael Klönner. "An einigen Endhaltestellen ist die Ausleuchtung jetzt besser, nach den letzten Vorfällen sind wir dabei, in bestimmten Stadtgebieten unsere Dienstfahrzeuge öfter fahren zu lassen. Wir werden auch einen Sicherheitsdienst einschalten, der den Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten im Fahrdienst begleitet." Und das Busunternehmen arbeite mit der Polizei zusammen, damit mehr Einsatzkräfte in problematische Stadtteile kommen.

Mehr Angriffe auf Polizisten als im ganzen Jahr 2018

Dabei hat die Polizei selbst ein Problem mit aggressiven Bürgern. Bis September gab es 87 Angriffe auf Polizisten in Bremerhaven – mehr als im gesamten letzten Jahr. Und das sind nur die erfassten Fälle, denn nicht jeder Fall werde auch dokumentiert, sagt Benjamin Kieck von der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Das Problem ist, dass es oft einfach nur eine unterschwellige Aggression ist, die mitschwebt, die strafrechtlich nicht messbar, also relevant ist. Und das ist eben die Schwierigkeit, wie man damit umgeht.

Benjamin Kieck, Gewerkschaft der Polizei
Benjamin Kieck
Benjamin Kieck von der Gewerkschaft der Polizei

Genaue Zahlen gibt es aber zu körperlichen Angriffen. Deren Zahl ist gestiegen – nicht nur in Bremerhaven. Bundesweit wurden im letzten Jahr etwa 700 Angriffe auf Rettungskräfte erfasst. Und auch im Sport nehmen Attacken etwa auf Schiedsrichter zu: fast 3.000 im Amateur-Fußball in der Saison 2018/19. Dabei werden Beleidigungen auch hier, laut der Vorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes, Veronika Rücker, nicht erfasst. "Was aber allein schon an verbalen Ausschreitungen gegen Schiedsrichter passiert, dürfen wir nicht unterschätzen. Und ich glaube, dass das Problem weit verbreiteter ist, als wir anhand von Zahlen Daten, Fakten aktuell belegen können."

Taser-Test wird weiter verlängert

Dass sich die Atmosphäre dort, wo öffentliche Funktionsträger auf aggressive Bürger treffen, einfach wieder beruhigt, glaubt wohl niemand. Darum reagiert die Polizei in Bremerhaven auch weiterhin mit Waffen, die potenzielle Angreifer auf Distanz halten. Sie testet seit etwa einem Jahr Taser – und ist zufrieden: Viele Angreifer würden so schon im Vorhinein abgeschreckt werden. Deshalb hat die Polizei die Testphase der Taser gerade um ein weiteres Jahr verlängert.

Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Dezember 2019, 19.30 Uhr