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Wie das Fahrrad Bremen eroberte

200 Jahre ist das Fahrrad jetzt alt. Als eine der ersten Städte führte Bremen Radwege ein. Was damals die Regel war, würde heute für Zoff sorgen.

Fünf Männer posieren vor zwei Hochrädern
Fünf Mitglieder des Norddeutschen Velocipedisten Bundes posieren um 1885 mit zwei Hochrädern. Bild: Staatsarchiv Bremen

Am 12. Juni 1817 war es soweit: Karl Freiherr von Drais fuhr zum ersten Mal auf der von ihm entwickelten Laufmaschine. Mit der nach ihm benannten Draisine war die Urform des Fahrrads erfunden, das Mitte des 19. Jahrhunderts auch Bremen eroberte.

Es dauerte jedoch nach Drais' Jungfernfahrt insgesamt 50 Jahre bis zu diesem Siegeszug. Pierre Michaux präsentierte auf der Pariser Weltausstellung 1867 ein Laufrad mit Pedalen am Vorderreifen. Kurz darauf eroberten die ersten hölzernen "Michaulinen" die Bremer Wallanlagen. Englische und amerikanische Geschäftsleute brachten wenig später Hochräder aus ihrer Heimat mit und machten sie in der Hansestadt so populär, dass sich 1881 der Bremer Bicycle-Club gründete.

Michaulin im Focke-Museum
Dieses "Michaulin" im Focke-Museum gehörte einer Bremer Familie. Es stammt aus der Pariser Manufaktur von Pierre Michaux, der die Draisine mit einer Tretkurbel weiterentwickelt hatte. Bild: Focke-Museum | Sigrid Sternebeck

Weil die Fahrbahnen mit ihrem holprigen Pflaster für die "Velocipeden" und Hochräder ungeeignet waren, wichen die Radfahrer auf die besser befahrbaren Gehwege aus. Das wurde 1869 schließlich verboten. 1884 gab es die erste Fahrradverordnung Bremens, die es Radfahrern wieder erlaubte, die Fußwege des Bürgerparks zu nutzen. Dafür mussten sie jedoch eine Fahrprüfung ablegen und ein Nummernschild anbringen. Zwischen 1884 und 1908 folgten insgesamt zehn solcher Verordnungen, mit denen Bremen eine Art Vorreiterstellung in Sachen Radfahren einnahm.

Pioniere der Verordnung und des Radwegs

Nicht nur in Sachen Fahrradverordnungen leistete man in Bremen Pionierarbeit. Um das Problem mit Radfahrern auf den Gehsteigen zu lösen, legte man in Bremen als einer der ersten Städte eigene Radwege auf den Fahrbahnen an. Neben Lösungen mit erhöhten Trassen und Wegen an der Seite der Fahrbahn, setzte sich vor allem der Radweg in der Mitte der Fahrbahn durch. Zum einen standen so keine am Rand parkende Fuhrwerke im Weg, es unterstrich zum anderen auch das Vorrecht der Radfahrer. Denn während der Jahrhundertwende um 1900 galt das Fahrrad als schnellstes Fahrzeug im Straßenverkehr. 1933 betrug der Anteil der Radwege an den Fußwegen rund 20 Prozent, während andere deutsche Städte nicht über zehn Prozent kamen.

Der alte Radweg in der Linienstraße
Der Radweg in der Fahrbahnmitte der Linienstraße ist vermutlich der älteste in Deutschland. Glatte Schlackensteine sollten die Fahrt erleichtern. Bild: Staatsarchiv Bremen | Joachim Koetzle

Diese gesonderten Mittelstreifen aus besonders ebenen Pflastersteinen sind in einigen Straßen Bremens noch immer erhalten. In der Linienstraße im Steintorviertel zum Beispiel kann der vermutlich älteste Radweg Deutschland immer noch befahren werden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 12. Juni 2017, 9:30 Uhr