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So schützen sich Verbraucher in Bremen gegen steigende Gaspreise

Was tun gegen steigende Gaspreise

Audio vom 23. September 2021
Ein Mitarbeiter vom Wesernetz. steht vor einer Gasleitung.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Die Gaspreise steigen – und zwar mächtig. Woran das liegt und wie Sie sich gegen böse Überraschungen bei der Gasrechnung schützen können.

In Deutschland haben Vergleichsportale einen durchschnittlichen Preisanstieg für Verbraucherinnen und Verbraucher um 11,5 bis 13 Prozent errechnet.

Wie viel teurer wird es für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Bremen?
"Grundsätzlich sehen wir seit Anfang des Jahres einen extremen Anstieg der Gaspreise – bundesweit um die zwölf Prozent. Sowas gab es selten innerhalb eines Jahres.", sagt Lundquist Neubauer vom Vergleichsportal Verivox bei Bremen Zwei.

In Bremen und Niedersachsen liegen die Gaskosten laut Neubauer knapp über dem Bundesschnitt. Eine durchschnittliche Familie zahle hier für 20.000 Kilwattstunden (kWh) etwas mehr als 1.300 Euro fürs Heizen pro Jahr. Der Bremer Energieversorger SWB will sich erst Ende des Jahres konkret zur Preisentwicklung äußern.

Ein Blick nach Niedersachsen zeigt aber, wohin sich der Preis auch in Bremen entwickeln könnte: Einige Versorger in Niedersachsen hätten ihre Preise schon um durchschnittlich zehn Prozent angehoben, erklärt Lundquist Neubauer: "Das wären für einen durchschnittlichen Haushalt Mehrkosten im Jahr von 130 Euro. Die große Welle erwarten wir dann im Herbst, beziehungsweise spätestens zum Jahreswechsel.“
Warum steigen die Gaspreise im Moment so stark an?
Das hat verschiedene Gründe. Zum einen steigt die weltweite Nachfrage nach Gas. Das liege daran, dass die Wirtschaft nach Corona langsam wieder Fahrt aufnimmt, sagt Lundquist Neubauer. "Außerdem sind die Gasspeicher leer, weil der letzte Winter relativ kalt war."

Wieso die Speicher in den letzten Monaten nicht wieder aufgefüllt wurden? Das habe auch mit geopolitischen Problemen zu tun, sagt Neubauer: "Kritiker werfen Russland vor, dass das Land die Lieferungen extra knappgehalten hat, um Druck für den Bau von Nord Stream 2 zu machen."

Inzwischen ist die Pipeline fertig gebaut. Aber es werde wohl, laut Lundquist Neubauer von Verivox noch einige Monate dauern, bis durch die Pipeline Gas nach Deutschland kommt: "Die Bundesnetzagentur muss die Pipeline noch zertifizieren", sagt Neubauer. Nord Stream 2 werde nicht dazu beitragen, die Gaspreise kurzfristig zu senken, wenn dann eher langfristig.

Trotzdem geht Lundquist Neubauer davon aus, dass die Preise auch in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Und das liegt am nationalen CO2-Preis auf Öl und Gas. Der Preis pro Tonne CO2 steigt von 25 Euro in diesem Jahr auf 30 Euro im nächsten Jahr und bis 2025 auf 55 Euro. 
Wie können sich Verbraucherinnen und Verbraucher gegen den Preisanstieg schützen?
Die Energieberaterin von der Verbraucherzeitrale Bremen, Inse Ewen, empfiehlt, sich zuerst Klarheit über den Tarif zu verschaffen: "Viele Haushalte sind sind seit Jahrzehnten im Grundversorgungstarif." Dieser sei je nach Verbrauch viel zu teuer. "Ein Anruf beim Energieversorger genügt, um hier Klarheit zu bekommen."

Außerdem könnten Verbraucherinnen und Verbraucher den Energieversorger wechseln. "In der Regel ist das sehr unkompliziert", sagt Ewen. Auch Lundquist Neubauer von Verivox empfiehlt einen Wechsel unter bestimmten Vorraussetzungen: "Wer noch nie gewechselt ist und 20.000 Kwh pro Jahr verbraucht, spart im Durchschnitt 380 Euro pro Jahr ein."

Außerdem vermeiden Bremerinnen und Bremer hohe Gasrechnungen, indem sie auf ihren Energieverbrauch achten. "Kann die Raumtemperatur um ein Grad gesenkt werden? Dies würde immerhin sechs Prozent Energie einsparen", erklärt Inse Even von der Verbraucherzentrale. Zusätzlich sollten Verbraucherinnen und Verbraucher regelmäßig ihre Heizungen entlüften und warten lassen, um möglichst wenig Energie zu verschwenden.

Autor

  • Niklas Hons Volontär

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 21. September 2021, 16.50 Uhr