Sturmtief "Siglinde" lässt Freimarktmacher in Bremen kalt

Der Bremer Freimarkt findet trotz Sturmtiefs "Siglinde" statt – anders als bei "Grischa" im vergangenen Jahr. Aus ihm haben die Verantwortlichen auch etwas Wichtiges gelernt.

Dunkle Wolken über dem Bremer Freimarkt (Archivbild)
Erst ab Windstärke 8 werden auf dem Bremer Freimarkt erste Fahrgeschäfte geschlossen. Bild: Imago | Mollenhauer

"Siglinde" wird heute auch an den Karussells, Schaubuden und Zelten des Bremer Freimarkts rütteln. Der Sturm, der an der Küste Bremerhavens mit bis zu Windstärke 9 weht, dürfte im Bremer Stadtgebiet jedoch nicht mehr als Windstärken von 6 oder 7 erreichen. Kurzum: Der Freimarkt findet an diesem Dienstag statt, wie das zuständige Wirtschaftsressort der Stadt Bremen am Mittag mitgeteilt hat.

Im vergangenen Jahr hatte es nach der Warnung vor Sturm "Grischa" noch anders ausgesehen. Wegen ihm mussten Besucher die Bürgerweide am letzten Freimarktsamstag schon um 18 Uhr verlassen. Dies hatten die Behörde nach Absprache mit Polizei und Feuerwehr verfügt. Die Böen folgten dann allerdings erst in der Nacht.

Mit Sturm "Grischa" wichtige Erfahrungen gesammelt

"Wir haben damals wertvolle Erfahrungen gesammelt", sagt Behördensprecher Tim Cordßen. So sei der Freimarkt bereits nach einer dreiviertel Stunde leer und nach einer Stunde alles gesichert gewesen. Das wiederum macht auch den Schaustellern Hoffnung, die im vergangenen Jahr Umsätze einbüßten. "Die frühe Schließung um 18 Uhr war damals aber etwas überzogen", sagt Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands. Sollte in diesem Jahr doch noch einmal der Ernstfall eintreten, geht er davon aus, dass nicht mehr drei Stunden vorher evakuiert werden müsse, sondern eine Stunde ausreiche.

"Bei uns steht Sicherheit an erster Stelle", sagt indes Nils Matthiesen, Sprecher der Bremer Polizei. Bei einer Sturmwarnung müssten die Experten letztlich anhand der Situation bewerten, ob eine Evakuierung in einer Stunde oder frühzeitiger erforderlich sei.

Schließung auch in Etappen realistisch

"Eine Schablone drauflegen, ab welcher Windstärke der Freimarkt geschlossen wird, das kann man nicht", sagt Behördensprecher Cordßen. Erst ab Windstärke 10 geht gar nichts mehr. Vorher sei auch eine Schließung in Abstufungen möglich.

Wann beispielsweise die Zulassung für Fahrgeschäfte eingeschränkt sei, regelten Normen und Gesetze. Als eines der ersten würde beispielsweise das Riesenrad bei Windstärke 8 vorläufig keinen Runden mehr drehen. Ebenso wie auch das 80 Meter in die Höhe ragende Riesenkettenkarussell "Jules Verne Tower". Auch beim 42 Meter hohen, an ein zweiflügeliges Windrad erinnernden Fahrgeschäft "Jekyll & Hyde" ist bei Böen um Windstärke 8 sicherheitshalber Schluss.

Fliegende Bauten gibt es nur im Gesetz

Schausteller-Sprecher Rudolph Robrahn sieht die Sache entspannt. "Was wir heute erleben, ist ja nur ein Lüftchen", sagt er. "Und das Riesenrad wird auch bei schweren Stürmen nicht umkippen." Selbst bei stürmischem Wetter sei die Situation bei vielen der normalen Fahrgeschäfte unproblematisch. "Was die Verkaufs- und Spielgeschäfte betrifft, da hat es der Verkäufer im Blut, was zu tun ist und sorgt vor." Es werde dann beispielsweise dafür gesorgt, dass keine Deko umherfliegt.

Auch die großen Festzelte, sagte Behördensprecher Cordßen, seien sturmfest gebaut. Am Ende des Tages sei das alles in den Zulassungen für fliegende Bauten geregelt. "Und wir werden natürlich darauf achten, dass sie nicht auch wörtlich zu fliegenden Bauten werden."

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 23. Oktober 2018, 14 Uhr