Warum die Bremer Feuerwehr heute den ganzen Tag twittert

Beim "Twittergewitter" halten die Einsatzkräfte uns auf dem Laufenden. Feuerwehren aus ganz Deutschland machen bei der Aktion mit – und versprechen sich eine Menge davon.

Feuerwehrleute beim Klinikum Mitte.
Rund 40 Feuerwehren aus ganz Deutschland machen am europäischen Notruftag bei der Twitter-Aktion mit. (Symbolbild)

Ob Brand, akuter Sturmschaden oder Menschen in Notsituationen: Die 112 ist nahezu jedem ein Begriff. Schon kleine Kinder lernen sie im Ideafall auswendig und bekommen von ihren Eltern erklärt: "Wenn etwas Schlimmes passiert, wählt diese Nummer und dann kommt der Rettungsdienst – egal, wo ihr gerade seid!". Heute machen 41 Feuerwehren in ganz Deutschland mit einer besonderen Aktion auf ihre Arbeit aufmerksam – und berichten live von ihren Einsätzen.

Ihre Arbeit ist schwieriger geworden: Feuerwehrleute werden beim Brandlöschen von Gaffern behindert und Rettungssanitäter werden angepöbelt, wenn sie Verletzte versorgen wollen. "Respektlosigkeit erleben wir jeden Tag, aber wir genießen auch jeden Tag Respekt und Ansehen", sagt ein Sprecher der deutschlandweit größten Berufsfeuerwehr in Berlin.

Um die Arbeit der Einsatzkräfte nun transparenter zu machen, haben die Berufsfeuerwehren heute das "Twitter-Gewitter" gestartet. Zwar ist es auch für die Feuerwehren nicht neu, Informationen per Twitter zu verbreiten. Doch zwölf Stunden live über alles zu informieren, das schaffen die Feuerwehren sonst nicht.

"Twittergewitter" für mehr Aufmerksamkeit

Am Europäischen Tag des Notrufs gewähren die Feuerwehren von morgens um 8 Uhr bis abends um 20 Uhr unter dem Hashtag #112live Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Auch die Bremer Feuerwehr ist dabei und bewirbt die Aktion schon seit Tagen auf ihrem Kanal:

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Twitter anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Tweets zum Absetzen eines Notrufs

Unter dem zusätzlichen lokalen Hashtag #Bremen112 will sie über das soziale Netzwerk unter anderem Tipps zum Absetzen eines Notrufs und zu Verhaltenshinweisen im Notfall weitergeben. Denn solche Informationen könnten für viele Anrufe offenbar hilfreich sein. "Vermutlich waren nicht alle der über 80.000 Rettungseinsätze der Bremer Feuerwehr im letzten Jahr zwingend erforderlich, aber das ist natürlich auch immer eine Ermessenssache", erklärt Andreas Desczka von der Bremer Feuerwehr.

Grundsätzlich gilt: Ist etwas ab, was normalerweise dran sein sollte oder etwas draußen, was normalerweise drin sein sollte, sofort den Notruf wählen.

Andreas Desczka, Bremer Feuerwehr

Bei 38 Grad Fieber hingegen müsse nicht gleich die Feuerwehr ausrücken. "Die Mittel sind begrenzt. Wenn wir für Lappalien ausrücken, muss jemand anderes warten – und das kann im schlimmsten Fall zum Tode führen", sagt der Sprecher.

Immer mehr Rettungsdiensteinsätze

Wie wichtig und wie bekannt die Notrufnummer ist, zeigen auch die bundesweit fast überall steigenden Einsätze. Allein die Bremer Berufsfeuerwehr ist im vergangenen Jahr 80.121 mal zu Rettungseinsätzen ausgerückt. Das sind knapp 3.000 Einsätze mehr als noch 2017. "Die Zahl steigt eigentlich jedes Jahr", bestätigt der Sprecher der Bremer Feuerwehr Andreas Desczka gegenüber buten un binnen.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Zusätzliche Verdi-Aktion

Und damit die Bremer Feuerwehrleute zwischen Tweets und Einsätzen am Tag des Notrufs noch zum Verschnaufen kommen, ruft Verdi zu einer "aktiven Mittagspause" auf, denn die Gewerkschaft fordert für die Einsatzkräfte höhere Bezüge. Für kurze Zeit könnte das "Twittergewitter" also jäh unterbrochen werden – und wer weiß? Vielleicht scheint ja sogar die Sonne.

  • Charlotte Schumacher

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 11. Februar 2019, 11:15 Uhr