Bremer Aktivisten demonstrieren in Berlin für Klimaschutz

Die internationale Bewegung Extinction Rebellion hat eine Woche voller Protestaktionen geplant, darunter Verkehrsblockaden. Unterstützung kommt auch aus Bremen.

Teilnehmer der Fridays-for-Future-Demo in Bremen.
Eine Woche lang wollen die Aktivisten von Extinction Rebellion für mehr Klimaschutz protestieren (Symbolbild).

Klimacamps, Verkehrsblockaden und eine pinke Arche: Noch ist nicht in Gänze bekannt, welche Aktionen die internationale Klima-Bewegung "Extinction Rebellion" (Auf Deutsch: Aufstand gegen das Aussterben) für diese Woche in Berlin geplant hat. Auch die Bremer Gruppe von Extinction Rebellion (ER) wird mit etwa 60 Mitgliedern dabei sein. Das Programm ist noch eher vage. Nur eins scheint sicher: Es wird bunt und vor allem für Autofahrer unangenehm.

Blockade am Potsdamer Platz

Auf dem Potsdamer Platz hat die Gruppe am Montag eine Menschenversammlung organisiert. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde bereits der Große Stern blockiert. Was sonst noch geplant ist, wollen die Organisatoren noch nicht im Detail verraten.

"Ich weiß noch nicht genau, was die nächsten Aktionen sein werden", sagt der Bremer Henning von Freeden. Von Freeden möchte nicht als Sprecher der Gruppe bezeichnet werden. Denn die Bewegung habe keine offiziellen Sprecher, sie sei eher in Arbeitskreisen organisiert. Das entspricht der Philosophie der gesamten Bewegung, die sich als nicht-hierarchisch, kollektiv und international versteht.

Klimacamp mit simulierten Bürgerversammlungen

Was die Bremer wissen, ist, dass es ein Klimacamp am Tierpark in der Nähe vom Bundeskanzleramt geben soll. "Geplant sind Veranstaltungen wie Impulsvorträge von Wissenschaftlern und anderen Akteuren, darunter auch von Carola Rackete, sowie simulierte Bürgerversammlungen, um dieses Werkzeug erfahrbar zu machen und das Vertrauen in dieses Mittel zu erwecken", sagt von Freeden.

Bürgerversammlungen, die über die wichtigsten ökologischen Themen und Maßnahmen mitentscheiden, sind Teil der Forderungen der Bewegung. Darüber hinaus möchten die Protestierenden die Regierung auffordern, über die Klimakrise zu berichten und den ökologischen Notstand auszurufen sowie die Treibhausgasemissionen bis 2025 auf Null zu senken.  

In Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung haben wir [ER, NdR.] noch Rückstand. Wir gehen davon aus, dass wir mit der Woche in Berlin auch breitere Bevölkerungsschichten in Deutschland erreichen werden.

Henning von Freeden, Mitglied von ER-Bremen

Etwa 300 Mitglieder in Bremen

Etwa 300 Menschen haben sich der Bremer ER-Gruppe seit ihrer Gründung angeschlossen. Darunter sind Studenten, Angestellte, Professoren und Rentner. "Wir umfassen alle Altersgruppen, quer über die Bevölkerungsschichten", sagt er. Das unterscheide sie von der Schülerbewegung Fridays for Future. Doch auch von anderen Umweltgruppen wollen sie sich abheben. "Wir sind keine etablierte NGO wie zum Beispiel Greenpeace. Und auch in dem strategischen Ansatz unterscheiden wir uns von anderen Gruppen. Es gibt Bewegungen, die unter Umständen etwas radikaler vorgehen", so von Freeden. 

Wir versuchen, die breite Mitte der Gesellschaft abzubilden. Wir sind nicht gegen den Staat, sondern wollen nur den Fokus aufs Klimaproblem lenken.

Henning von Freeden, Mitglied von ER-Bremen

Beunruhigte Stimmen aus der Politik

Allerdings hat das Vorhaben der internationalen Bewegung in Berlin bereits im Vorfeld für Unruhe gesorgt. So mahnte die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Freitag, der Protest müsse im Rahmen des geltenden Rechts geschehen. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) kritisierte am Montag das Vorgehen der Bewegung. "Das geht natürlich gar nicht", sagte er in Bezug auf die Straßenblockaden. Bislang haben sich die Aktionen von Extinction Rebellion vor allem durch Verkehrsblockaden und Flashmobs ausgezeichnet.   

Menschen tragen einen schwarzen "Sarg".

In Städten wie London, in der es 2018 die ersten Protesten von Extinction Rebellion gab, wurden im vergangenen Jahr die wichtigsten Brücken über die Themse durch mehrere Tausend Aktivisten gesperrt. In Berlin ist am Montagvormittag eine Arche an der Siegessäule am Großen Stern gebaut worden. Am Mittwoch soll es laut der deutschen Webseite von Extinction Rebellion mit einer Blockade auf der Marschallbrücke und Aktionen auf dem Kudamm weitergehen. Auch am Mittwoch wollen die Teilnehmer dann vor dem Reichstagsgebäude gemeinsam meditieren. Die Aktionswoche wird parallel in mehreren Großstädten weltweit stattfinden unter anderem in Paris, Madrid und New York. In einigen Städten soll sich der Protest über zwei Wochen erstrecken.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 7. Oktober 2019, 8 Uhr