Darum übernimmt ausgerechnet Ticket-Händler Eventim die Pkw-Maut

Das Bremer Unternehmen hat den Zuschlag für den Milliarden-Auftrag bekommen und soll die Maut in Deutschland erheben. Dafür will Eventim seine Erfahrung im Online-Handel nutzen.

Ein Autofahrer hält eine Schweizer Jahresvignette in der Hand.
Ob die von Eventim vertriebenen E-Vignetten so aussehen werden, wie diese Schweizer Mautplakette, ist noch unklar. Bild: DPA | Felix Kästle

Rund 250 Millionen Karten für Konzerte, Sportveranstaltungen und andere Events verkauft CTS Eventim pro Jahr. In Zukunft sollen nun auch noch Maut-Vignetten in das Portfolio des Bremer Unternehmens kommen. Zusammen mit dem österreichischen Mautbetreiber Kapsch hat Eventim den Zuschlag für die Organisation der Pkw-Maut auf den deutschen Autobahnen vom Bundesverkehrsministerium erhalten. Doch warum hat sich der Ticket-Händler überhaupt um den Auftrag beworben? Welcher Zeitplan ist für das Projekt geplant? Und ist der Vertrag überhaupt sicher?

1 Warum hat sich Eventim für den Auftrag beworben?

Der Ticketriese sieht seine Erfahrung im Onlinehandel als großen Vorteil für den Auftrag. "Es gibt bei der Maut eine große Schnittmenge zum Ticketverkauf. Und wir haben bereits Callcenter und internationale Bezahlsysteme", sagte Eventim-Sprecher Christian Steinhof auf Anfrage von buten un binnen. Außerdem könne der Ticket-Händler durch seine große Serverleistung viele Prozesse und Bezahlvorgänge zur gleichen Zeit bearbeiten.

2 Wie kann der Vertrag noch scheitern?

Eventim und Kapsch haben zwar den Auftrag vom Bund erhalten, endgültig in trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht: Bis zum 30. Dezember können Mitbewerber noch einen rechtlichen Widerspruch gegen den Auftrag einreichen. Wie hoch dieses Risiko ist, kann Steinhof nicht einschätzen.

3 Wie soll das Mautsystem ablaufen?

Zu Beginn wolle Eventim abwarten, ob die Konkurrenten noch Widerspruch einlegen, so Steinhof. Bisher stehe fest, dass eine sogenannte E-Vignette eingerichtet werden soll. "Das genaue System muss auch noch mit dem Bund abgeklärt werden", erklärte der Eventim-Sprecher.

4 Wann soll die Maut eingeführt werden?

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte nach der Vergabe an Eventim und Kapsch, "die Pkw-Maut kommt - in dieser Legislaturperiode." Spätestens das Jahr 2021 peilt auch Eventim an: "Dieser Zeitplan gilt und wir arbeiten bereits daran, ihn einzuhalten. Zu Beginn müssen wir eine Informationskampagne starten", sagte Steinhof. Vor allem Autofahrer aus dem Ausland müssen beraten werden, um vor der Autobahnfahrt die richtige Vignette zu kaufen. Der Ticket-Händler sei parallel bereits dabei, die Infrastruktur für die neue Gesellschaft zu planen und neue Mitarbeiter einzustellen. Ob das Unternehmen in Bremen sitzen könnte, wollte Steinhof nicht sagen: "Der Standort ist noch mit dem Bund zu besprechen", meinte er. Im neuen Jahr sollen weitere Informationen bekannt gegeben werden.

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Autor

  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 19. Dezember 2018, 18 Uhr.