Gewalt gegen Schiedsrichter: Sportminister wollen härtere Strafen

Zwei Tage lang haben die Sportminister der 16 Bundesländer in Bremerhaven getagt. Diese vier Themen waren aus Bremer Sicht besonders interessant.

Ein Schiedsrichter hält die rote Karte hoch.
Überraschend ging es auch um Gewalt gegen Schiedsrichter. Hessen brachte das Thema in die Konferenz ein. Bild: Imago | Noah Wedel

1 Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen

Die Sportminister sind sich einig, dass es bei einem Verbot von Granulat auf Kunstrasenplätzen einen Bestandsschutz für bestehende Plätze sowie eine angemessene Übergangszeit geben muss, um die Plätze umzurüsten. Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes, sprach von mindestens sechs Jahren. Die EU prüft aktuell ein solches Verbot, um die Menge des Mikroplastiks in der Umwelt zu verringern.

2 Sexuelle Vielfalt

Ein Mann und zwei Frauen sitzen nebeneinander an einem Tisch.
Christian Sachs und Veronika Rücker vom Deutschen Olympischen Sportbund stellten mit der Vorsitzenden der Sportministerkonferenz, Anja Stahmann (Mitte), die Ergebnisse vor.

Die Sportreferenten der Länder sollen bis zur Sportministerkonferenz im November 2020 eine gemeinsame Erklärung der Sportminister sowie -senatoren der Länder erarbeiten, die Maßnahmen nennt, die einen diskriminierungsfreien Umgang im Sport ermöglichen. Bremen hatte dieses Thema angeregt, da es in Deutschland seit Ende 2018 offiziell das "dritte Geschlecht" gibt. Neben "männlich" und "weiblich" kann auch "divers" ins Geburtsregister eingetragen werden. Den Sportbereich stellt das unter anderem im Hinblick auf die Umkleidesituation oder die Aufstellung von Mannschaften vor Herausforderungen.

Darauf müssen sich auch Vereine einstellen und auch ein Willkommen ausstrahlen gegenüber solchen Menschen, die sich vielleicht auch unsicher fühlen. Also Sport steht für Toleranz und wir finden auch, dass das gilt für die sexuelle Selbstbestimmung.

Portrait der lächelnden Anja Stahmann
Anja Stahmann, Bremens Sportsenatorin

3 Gewalt gegen Schiedsrichter

Es stand nicht auf der ursprünglichen Tagesordnung: Hessen brachte kurzfristig das Thema "Gewalt gegen Schiedsrichter" in die Konferenz ein. Nach Angaben der Sportminister gab es in der Fußballsaison 2018/19 fast 3.000 Angriffe auf Schiedsrichter im Amateurbereich. Die Sportminister haben sich darauf geeinigt, stärker dagegen vorzugehen. So sollen etwa Geldstrafen gegen Vereine erhöht und Täter von Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Auch in Bremen gab es schon solche Fälle. So hat das Amtsgericht Bremen-Blumenthal 2017 einen Fußballzuschauer wegen eines Angriffs auf zwei Schiedsrichter zu einer Geldstrafe von 2.250 Euro verurteilt. Der Verurteilte hatte nach einem Spiel von KSV Vatan Spor bei der DJK Blumenthal in der Bremen-Liga den Schiedsrichter und seinen Assistenten geschlagen.

Fan nach Angriff auf Schiedsrichter verurteilt

Ein der Gewalt gegen Schiedsrichter schuldig gesprochener Mann zusammen mit seinem Anwalt im Gerichtssaal

4 E-Sports

Stahmann hatte angeregt, über die Anerkennung und Förderung der virtuellen Sportarten zu diskutieren. Die Sportminister besprachen den aktuellen Stand, waren sich aber einig, dass das Thema zu komplex und zu kontrovers umstritten sei. Sie vertagten das Thema auf die Sportministerkonferenz im November 2020. Eine mögliche Förderung ist auch für Bremer und Bremerhavener Teams, wie von Werder Bremen oder den Eisbären in Bremerhaven, attraktiv.

Mehr Großveranstaltungen in Deutschland

Zudem ging es während der Konferenz um Sportgroßveranstaltungen. Die Leitfrage lautete: Wie kriegen Politik und Sportverbände es hin, mehr Großveranstaltungen nach Deutschland zu holen? Bund, Länder und Verbände sollen besser zusammenarbeiten, um Deutschland attraktiver zu machen, sagte die nordrhein-westfälische Staatssekretärin Andrea Milz gegenüber buten un binnen. Es sei wenig sinnvoll, wenn sich die Bundesländer bei Bewerbungen um Großveranstaltungen selber Konkurrenz machen. Deshalb soll nun ein gemeinsames Konzept erarbeitet werden. Das sei auch wichtig im Hinblick auf eine mögliche Olympiabewerbung des Gebiets Rhein/Ruhr für 2032.

Außerdem wollen die Minister den Leistungssport und die Nachwuchsförderung stärken und das Thema "Doping" schon in der Schule behandeln.

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Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. November 2019, 19.30 Uhr