Warum Bremen und Bremerhaven schon im 19. Jahrhundert IT-Pioniere waren

Als "Internet des 19. Jahrhunderts" könnte man die elektrische Telegraphie bezeichnen. Zwischen Bremen und Bremerhaven verlief ab 1847 die erste längere Verbindung.

Bojen auf dem Tonnenhof, davor Schiffe in der Geestemündung, dahinter der Radarturm
Auf dem Tonnenhof des Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven bildete früher ein Turm den Endpunkt der Telegraphielinie nach Bremen. Heute steht im Hintergrund der Radarturm.

Mit der elektrischen Telegraphie wurde erstmals eine schnelle Kommunikation möglich, unabhängig von Wetter oder Boten. Vor allem wurden Schiffsankünfte und Wetterinformationen übermittelt. Das erste Telegramm der damals innovativen Telegraphenlinie traf am 19. November 1846 in Bremerhaven ein. Endpunkt war ein Türmchen auf dem historischen Tonnenhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes, wie Dirk Peters von der Schifffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft Bremerhaven berichtet.

Möge diese telegraphische Anlage sich zum allgemeinen Nutzen stets bewähren, der guten Nachrichten viel, der schlimmen so wenig als möglich bringen, und so zu Bremens Flor und Gedeihen mitwirken und beitragen helfen.

Erstes Telegramm zwischen Bremen und Bremerhaven, 19. November 1846
Eine Frau sitzt an einer Telegraphie-Empfangsstation
Dieser Holzschnitt zeigt eine Telegraphie-Empfangsstation, aus dem Jahr 1888. Bild: DPA | BAO

Zunächst verlief das Telegraphenkabel durch die Geeste, wurde dort jedoch mehrfach von Ankern beschädigt. Um weitere Beschädigungen zu vermeiden, verzichtete man in der Folge auf die Verlegung der Leitung im Wasser. Stattdessen führten die Kabel fortan auf 30 Meter hohen, weißen Pfählen entlang des Flusses. Die Verbindung ging am 1. Januar 1847 offiziell in Betrieb – fast zeitgleich mit einer optischen Telegraphenlinie. Diese übertrug Nachrichten mit Zeichen von erhöhten Stellen wie Kirchtürmen oder eigens gebauten Konstruktionen. Die mehrere Kilometer entfernt gelegenen Stationen waren bemannt und funktionierten nur bei guter Sicht.

Konkurrenzkampf zweier Techniken

"Es zeigte sich, dass die elektrische Telegraphie schneller und besser war", sagt Peters. "Insofern setzten staatliche Stellen, aber auch Reeder und Kaufleute darauf." Eröffnet hatte die optische Telegraphie der Kaufmann und Essigfabrikant Johann Ludwig Schmidt aus Altona. In seiner Verzweiflung soll er versucht haben, die Landbevölkerung gegen die Konkurrenz von der neuen, elektrischen Technik aufzuhetzen. Auch in der Zeitung wurde gewarnt.

Die in Bremen gezogenen Leitungsdrähte üben eine derartige Anziehungskraft auf Gewitter aus, dass die Blitzableiter von ganz Bremen nicht ausreichten, um die Elektrizität abzuleiten. Daher begrüßte man es besonders, dass die in Bremen ausmündenden Leitungsdrähte während des Freimarkts abgenommen würden.

Hamburger Neue Zeitung, Oktober 1846

Die Errungenschaft der elektrischen Telegraphie, auch bei Nacht und Nebel zu funktionieren, überzeugte nicht alle. Schließlich schlafe der Reeder nachts und wolle gar keine Nachrichten empfangen, hieß es in den Vaterstädtischen Blättern aus Lübeck. Und weiter in altdeutscher Sprache: "Beim Nebel kommen keine Mittheilungen vor, eben weil man nichts sieht, was mitgeteilt werden könnte."

Dennoch: Der Siegeszug des "Internets des 19. Jahrhunderts" hielt 35 Jahre lang an. Dann wurde es von einem noch moderneren Kommunikationskanal abgelöst: dem Telefon. Auch diesmal war die Verbindung Bremen-Bremerhaven wieder weit vorne – 1883 war sie die längste Telefonleitung des Reiches.

  • Catharina Spethmann
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 7. Mai 2019, 11:38 Uhr