Diese 7 eingewanderten Tierarten leben in Bremen

Krabben aus China, Gänse aus Afrika, Schildkröten aus Nordamerika – eigentlich gehören sie nicht hier her und doch sind sie da. Ein Einwanderer richtet sogar wirtschaftlichen Schaden an.

Eine Chinesische Wollhandkrabbe am Grund eines Gewässers.
Die Chinesische Wollhandkrabbe ist mittlerweile in vielen Gewässern in Bremen heimisch. Bild: DPA | F. Hecker

Unser Ökosystem ist alles andere als ein geschlossenes System. Schon seit Jahrhunderten wandern Tierarten ein – man denke nur an die Wildschafe Mufflons oder Mandarinenten. Meistens konnten sich die "Zugewanderten" mit den heimischen Arten arrangieren. Soweit so normal. Mit der Globalisierung nehmen aber auch die Einwanderungsmöglichkeiten für Tiere zu.

Im Schlepptau von Menschen oder Waren können sie heute viel weitere Wege zurücklegen als früher. Die Befürchtung: Sie machen den heimischen Arten den Lebensraum streitig und könnten diese irgendwann komplett verdrängen. Begünstigt wird das dadurch, dass sie in ihren neuen Lebensräumen keine natürlichen Feinde haben. Wie groß ist dieses Risiko? Und welche Tiere sind schon nach Bremen eingewandert? Eine Übersicht.

1 Die Gegenspieler der Füchse

Ein Marderhund steht auf einer Wiese.
Einst wurden Marderhunde als Pelzlieferanten in Russland und der Ukraine angesiedelt. Bild: DPA | Frank Sommariva

Der ursprüngliche Lebensraum des Obstfuchses, wie der Marderhund auch genannt wird, liegt in Ost-Sibirien, China und Japan. Im 19. Jahrhundert wurden Marderhunde in Russland und der Ukraine als Pelzlieferanten angesiedelt. Von dort breiteten sie sich unaufhaltsam Richtung Westen aus: 1962 wurde im Landkreis Emsland erstmals in Niedersachsen ein Marderhund erlegt. Mittlerweile sind Marderhunde in ganz Deutschland heimisch, auch in Bremen. Weil die Tiere aber sehr versteckt leben, bekommt sie kaum jemand zu Gesicht.

Henrich Klugkist von der Bremer Naturschutzbehörde sagt aber, dass es bisher nur Einzelnachweise gebe. Genaue Zahlen über die Größe des Bestands existierten nicht. Aber: "In Bremerhaven gibt es mehr Marderhunde als in Bremen." Sollte er sich stärker ausbreiten, könnte er dem Fuchs Konkurrenz machen. Denn: Er ernährt sich unter anderem von Mäusen, Vögeln und Eiern. Aber auch Fische, Kröten, Nüsse und Beeren frisst der Marderhund, was seine Anpassungsfähigkeit erhöht. Bisher macht der Marderhund in Bremen laut Klugkist keine Probleme. Anderswo in Deutschland ist das anders. Dort bedroht er Wasservögel, Sumpfschildkröten und seltene Amphibien.

2 Die blinden Passagiere

Eine Wollhandkrabbe sitzt auf einer Wiese.
Chinesische Wollhandkrabben sehen bedrohlich aus. Bild: DPA | Sommer, A.

Die ursprüngliche Heimat der Chinesischen Wollhandkrabben ist Ostchina. Nach Europa kamen die Tiere schon vor etwa 100 Jahren, vermutlich als blinde Passagiere von Handelsschiffen. Mittlerweile haben sie sich – wohl auch wegen der höheren Wasserqualität – massiv ausgebreitet. Laut Klugkist haben sie sich auch in Bremen so gut wie überall etabliert und leben mittlerweile in der Weser, Lesum, Ochtum und Wümme. Weil sie ihre Eier im Meer ablegen, legen sie regelmäßig auch über Land viele Kilometer zurück. Daher werden sie in Gewässernähe häufig gesichtet.

Nach Einschätzung von Klugkist sind sie für heimische Arten nicht gefährlich. "Zwar ernähren sie sich auch von kleinen Fischen und Kaulquappen, bisher haben sie aber keine heimischen Arten verdrängt." Allerdings richten sie einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden an, da sie mit ihren scharfen Scheren selbst dicke Kunststoffnetze durchtrennen – der Fang ist dann futsch. Laut Sönke Hofmann vom Naturschutzbund (Nabu) Bremen ist ein Zurückdrängen der Wollhandkrabben aber aussichtslos, dafür sind sie schon zu stark etabliert. Heißt: Wir müssen mit ihnen leben lernen. Die Krabben sind übrigens essbar: In China gelten sie als Delikatesse, ihr Fleisch schmeckt wie das von Krebsen.

3 Gänse unter Beobachtung

Eine Nilgans an einem Ufer.
Nilgänse haben ein schmuckes Federkleid. Bild: DPA | Nigel Dennis

Wie der Name schon sagt, stammt die Nilgans aus Afrika. Bereits im 18. Jahrhundert wurde sie in Europa als Ziervogel gehalten. Seit den 1970er-Jahren breitet sie sich massiv aus. In Bremen lebt sie in den Wallanlagen und am Werdersee. Dort hat sie laut Birgit Olbrich vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Flussseeschwalben ihr Brutgebiet streitig gemacht. Klugkist schätzt, dass es in Bremen maximal 50 Brutpaare gibt – verglichen mit anderen deutschen Städten eine niedrige Zahl. Außerdem haben die Nilgänse seiner Einschätzung nach keinen negativen Einfluss auf heimische Arten. Entsprechend ist die Nilgans noch nicht ins Bremer Jagdrecht aufgenommen worden. Aber: "Die Nilgans ist als invasive Art von europäischer Bedeutung eingestuft worden." Daher werde gerade an einem Managementplan gearbeitet.

4 Die Deichzerstörer

Ein Nutria.
Die niedlichen Nutrias sind zur Plage geworden. Bild: DPA | J. Fieber

Eigentlich kommen Nutrias aus Südamerika, wo sie im 19. Jahrhundert kurz vor der Ausrottung standen. Mittlerweile sind sie in weiten Teilen Europas und auch Nordamerikas verbreitet. In Europa wurden die Nagetiere im 19. Jahrhundert auf Pelztierfarmen gehalten, von wo sie entkamen, teilweise aber auch bewusst ausgesetzt wurden.

In Bremen haben sie sich im Werderland, in Niedervieland und vor allem im Blockland angesiedelt. Probleme verursachen Nutrias nicht, weil sie andere Tiere verdrängen, sondern aufgrund ihrer Lebensweise. Sie leben nämlich in Erdbauten und legen dafür Gänge an. Diese untergraben oftmals Deiche und Wege. Daher dürfen Nutrias in Bremen mittlerweile gejagt werden – allerdings nur mit Sondergenehmigung.

Der Vizepräsident der Bremer Landesjägerschaft, Marcus Henke, kritisiert, dass die Behörden die Nutrias unterschätzt hätten. Er fordert, dass die Nager ganzjährig bejagt werden müssen. Klugkist widerspricht: "Als vor zehn Jahren die ersten Nutrias in Bremen gesichtet wurden, war nicht klar, wie stark sie sich vermehren." Das sei aber vor allem in den letzten drei Jahren geschehen. Außerdem gebe es aus Sicht des Naturschutzes kein Problem, sondern allein aus wasserwirtschaftlicher Sicht. Dennoch werde darüber beraten, ob Nutrias ins Jagdrecht aufgenommen werden.

5 Die scheuen Einwanderer

Ein Waschbär sitzt auf einem Baum.
Bisher wurden in Bremen nur wenige Waschbären gesichtet. Bild: DPA | Winfried Schäfer

Ursprünglich lebten Waschbären nur in Nord- und Mittelamerika. Wie Marderhunde und Nutrias auch wurden sie in Europa zunächst auf Pelztierfarmen gehalten, von wo sie ausbüxten. In Nordhessen haben sich die Kleinbären schon vor etwa 80 Jahren am Edersee angesiedelt. In Kassel machen die Waschbären laut Sönke Hofmann mittlerweile richtig Probleme: Sie leeren die Mülleimer und verbreiten sich auch in der Stadt sehr stark.

Birgit Olbrich verzeichnet immer mal wieder Sichtungen in der Hansestadt. Allerdings leben die Kleinbären sehr versteckt, weshalb nur wenige Bremer Waschbären zu Gesicht bekommen. Bisher treten sie hier nicht vermehrt auf.

6 Die neuen Bewohner der Insel

Ein Grauhörnchen sitzt an einem Baum.
Grauhörnchen können für ihre roten Verwandten zur Gefahr werden. Bild: DPA | Jürgen & Christine Sohns

Grauhörnchen stammen, wie die Waschbären, aus Nordamerika. Im 19. Jahrhundert wurden sie in Gehegen in Großbritannien gehalten, mittlerweile haben sie auf der Insel ihre roten Verwandten verdrängt. Sie sind nämlich robuster und anpassungsfähiger. Laut Klugkist gibt es keine gesicherten Nachweise über Grauhörnchen in Deutschland, auch nicht in Bremen. Sobald es diese aber gebe, müsse man ihr Ausbreiten verhindern. "Wir wissen, dass sie sich schnell ausbreiten." In Großbritannien sollen es schon 2,5 Millionen Tiere sein. Damit es hier gar nicht erst soweit kommt, sollen sie – sobald sie auch hier auftreten – konsequent bejagt werden. Birgit Olbrich berichtet, dass eine Kollegin in Bremen ein Grauhörnchen gesichtet habe. Gesichert ist das allerdings nicht.

7 Die Einwanderer, die sich nicht vermehren

Eine Schmuckschildkröte sitzt auf einem Stein.
Weil sie so schön sind, werden Gelbbauch-Schmuckschildkröten häufig gehalten. Bild: DPA | W. Layer

Wie viele der anderen eingewanderten Tiere auch, stammen auch die Gelbbauch-Schmuckschildkröten ursprünglich aus Nordamerika. Weil sie hierzulande aber in Gefangenschaft gehalten werden, kommen sie auch in Bremen in freier Natur vor. Laut Klugkist vermehren sie sich in freier Natur aber nicht. So hätten sie keinen Einfluss auf heimische Arten und seien unproblematisch für unser Ökosystem.

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. September 2018, 23:30 Uhr