"Eingeborene suchen Medizinmann": So wirbt Wremen für einen Landarzt

Vor allem die Älteren haben Panik: Wremen bei Bremerhaven könnte bald ohne Arzt dastehen. Jetzt helfen sich die Bürger mit einer offensiven Kampagne selbst.

Ein Kind bei einer ärztlichen Untersuchung

Es ist kein neues Phänomen. Aber jetzt droht es auch Wremen bei Bremerhaven zu erwischen: Arztpraxen auf dem Lande schließen und werden nicht neu besetzt. Um nicht demnächst ohne medizinische Versorgung dazustehen, will eine Gruppe aus Einwohnern, Geschäftsleuten und Politikern auf die freie Stelle aufmerksam machen. Es gab Treffen und Brainstormings. Gesucht war etwas Lustiges, das hängen bleibt. Nun ist der Slogan da. "Eingeborene suchen Medizinmann", steht auf bedruckten T-Shirts und soll als Botschaft über Plakate und soziale Medien größere Kreise ziehen.

Wremen seit über 70 Jahren nicht ohne Arztpraxis

"'Medizinmann' gefiel mir als Frau nicht so ganz, denn wir nehmen natürlich auch liebend gerne eine Frau", sagt die pensionierte Kinderärztin Renate Grützner. "Aber 'Medizinfrau' ist als Spruch nicht ganz so gängig." Die Pensionärin ist gleichzeitig die Vermieterin der Praxis, bei ihr laufen die Fäden der Kampagne zusammen. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es in Wremen immer eine Praxis gegeben, sagt sie.

"Wenn die wegbricht, dann bricht noch mehr weg. Und das wäre sehr schade für den Ort. Dann kann sich die Apotheke nicht halten, dann bekommt das Seniorenheim Probleme. Das wäre auch für den Tourismus schlecht."

Renate Grützner, pensionierte Kinderärztin aus Wremen

"Die Älteren haben wirklich Panik"

Sollte sich tatsächlich niemand finden, wäre das auch laut Bürgermeister Hanke Pakusch problematisch für Wremen mit seinen knapp 2.000 Einwohnern: "Das wäre für die Bürger ganz schlecht. Unsereiner wird sich zu helfen wissen, aber die Älteren haben wirklich Panik davor." Initiatorin Grützner rührt kräftig die Werbetrommel für den Ort an der Wurster Nordseeküste: "Wremen hat wirklich viel zu bieten. Wir sind ein Nordseebad, man kann mal eben fußläufig zum Hafen gehen. Der Ort lebt, hier kann man sich sehr zu Hause fühlen", sagt sie.

Auch die scheidende Ärztin Frauke Maylahn hat sich immer wohl gefühlt. Sie zog aus Bremerhaven aufs Land und ist seit 1992 in Wremen niedergelassen. Bald wird sie 65 Jahre alt, Ende 2020 ist dann endgültig Schluss. Die Initiative findet sie gut. Das Hauptproblem sieht sie darin, dass viele Ärzte das unternehmerische Risiko einer eigenen Praxis nicht mehr eingehen möchten.

Landärztin ist schon ein toller Beruf. Man bekommt von den Bürgern die Anerkennung, die man in der Klinik nicht einmal vom Chef bekommt.

Frauke Maylahn, Ärztin

Pensionärin Grützner war schon mal erfolgreich

Zudem veröffentlicht die kassenärztliche Vereinigung frei werdende Praxen nur einmal monatlich in ihrem Ärztemagazin. Darauf wollen sich die Engagierten nicht verlassen und selbst für Aufmerksamkeit sorgen. Zu groß sind die Bedenken, es könnte sich niemand melden. Schlimmstenfalls müssten die Wremer bald in den nächsten Ort fahren – vorausgesetzt dort gibt es überhaupt freie Kapazitäten. Schwierig ist das besonders fürs Seniorenwohnheim. Dessen Bewohner sind weniger mobil und bekommen von Ärztin Maylahn viele Hausbesuche. Doch es gibt Hoffnung: Einmal hatte es schon geklappt mit der Arztsuche in Wremen. Vor fünf Jahren fand Pensionärin Grützner auf eigene Initiative einen Nachfolger.

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 17. Juli, 14:15 Uhr