Unterricht im Internet: So lernen Bremens Schüler in der Corona-Krise

Bremen ist in Sachen digitales Lernen Vorreiter, findet der Senat. Aber wie sehen das die Schüler? Funktioniert der Unterricht über Plattformen wie "itslearning"?

Video vom 21. März 2020
In einem leeren Klassenzimmer sitzt ein Mann an einem Schreibtisch. Er schaut auf einen Comuter, der vor ihm steht. Auf einer Leinwand im Hintergrund sieht man ein junges Maedchen.
Bild: Radio Bremen

Lange ausschlafen, Videospiele, chatten mit Freunden: Auf solche Tage hatten sich viele Schüler in Bremen und Bremerhaven gefreut, als sie von den Schulschließungen erfuhren. Aber ums Lernen kommen sie nicht herum. Auch Ben, Max und Celia vom Gymnasium an der Hamburger Straße in Bremen sitzen jeden Morgen vor ihren Rechnern und warten auf Schulaufgaben. Das sogenannte E-Learning soll den Lernverlust in der Corona-Krise so klein wie möglich halten. Ob dieses Ziel erreicht wird, da sind die Schüler sehr unterschiedlicher Meinung.

Ich habe eigentlich das Gefühl, dass es ganz gut klappt. Wir bekommen ganz oft Sachen zum Selbstlernen. Dann steht im Buch eine lange Erklärung und dann sollen wir die uns durchlesen und probieren, dann dazu selber Aufgaben zu erarbeiten

Celia, Schülerin, 13 Jahre alt

Ich denke, dass man tatsächlich nicht so viel lernt, weil die Lehrer geben zwar viel Stoff auf, aber letztendlich ist es am Ende nur Wiederholung oder Sachen, die so ein bisschen neu sind und deshalb denke ich, dass man deutlich mehr lernt in der Schule, weil man da in so einer Konzentrationsphase ist, die man zu Hause nicht hat.

Max, Schüler, 14 Jahre alt

Keine genauen Vorgaben von der Bildungsbehörde

Wie sie Lerninhalte vermitteln, können die Lehrer selbst entscheiden. Genaue Vorgaben gibt es von der Bildungsbehörde nicht, erklärt die Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung, Annette Kemp. So sind Videokonferenzen genauso möglich wie die Übermittlung der Aufgaben über die gängigen Portale "itslearning" oder über "IServ" bei den Privatschulen.

Mit der Verfügung zur Aussetzung des regulären Unterrichts wurden die Lehrkräfte nur grundsätzlich dazu aufgefordert, ihre Lerngruppen mit Lernmaterial zu versorgen. Dabei wird "itslearning" von vielen Lehrkräften genutzt, um Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen und Aufgaben zu kontrollieren.

Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung

Die Zugriffe und Nutzerzahlen auf "itslearning" sind laut Kemp in die Höhe geschossen. Vor zwei Wochen waren es noch 25.000 Zugriffe täglich – jetzt sind es rund 130.000, hinter denen sich wiederum 27.000 Nutzer verbergen. Dieser Anstieg hatte zur Folge, dass das Portal zweitweise überlastet war und viele Schüler nicht darauf zugreifen konnten. Dieses Problem wurde aber in der Zwischenzeit behoben.

Bremen habe mit diesem Online-Portal eine Vorreiterrolle übernommen, so Kemp. Aber natürlich gebe es noch Optimierungsbedarf.

Wir lernen innerhalb und aus der Krise und werden für die Zukunft entsprechende Regeln ableiten – und zwar für alle Schulstufen.

Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung

Niedersachsen überlässt den Schulen die Entscheidung

In einigen anderen Bundesländern, unter anderem auch in Niedersachsen, gibt es so eine Regelung wie in Bremen nicht. In Niedersachsen entscheidet jede Schule für sich, ob und in welcher Form der Unterricht fortgesetzt wird, so der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Generell steht Deutschland in Sachen E-Learning im Europavergleich schlecht da. Das geht aus einer Studie des "Center for European Policy Studies" hervor. Demnach liegt Deutschland auf dem letzten Platz – Estland, Niederlande und Finnland belegen die ersten drei. Deutschland habe also Nachholbedarf und müsse aus der aktuellen Krise die richtigen Schlüsse ziehen, so Kemp.

Abiturienten besonders betroffen

Gravierend ist die Situation momentan für die Abiturienten, zu denen auch Ben gehört. Sie verpassen jetzt die letzten zwei Schulwochen vor den Abiprüfungen. In Mathematik war bei ihm beispielsweise der Lernstoff, der vielleicht in den Abiturprüfungen drankommt, noch nicht abgearbeitet. Somit müssen sich Ben und seine Schulkameraden die fehlenden Inhalte selbst beibringen. Hinzu kommt die Unklarheit darüber, wann die Prüfungen geschrieben werden.

Das ist so ein bisschen blöd, dass wir noch gar nicht wissen, was jetzt los ist. Bisher wurde nur gesagt: Der Prüfungszeitraum wurde jetzt nach hinten verlängert. Aber ob unsere Termine bleiben, wann wir schreiben, das steht momentan noch nicht fest.

Ben, Abiturient, 16 Jahre alt

Ebenfalls unklar ist, ob die Schulen auch nach den Osterferien weiterhin geschlossen bleiben. Die Bildungsbehörde beurteilt die Situation noch nicht als dramatisch. Bisher gehe es um zwei Wochen. Eine solche Fehlzeit komme durch individuelle Krankheit oder sonstige Besonderheiten im Schulalltag immer wieder vor. Ob und wie lange dieser Zustand aber noch so bleiben wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen.

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Autoren

  • Fabian Metzner
  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 25. März 2020, 12:10 Uhr