Interview

Bremer Schauspieler: "Der goldene Handschuh" ist für jeden harter Tobak

Dirk Böhling spielt im Film von Kultregisseur Fatih Akin den "Soldaten-Norbert". Jetzt ist Kinostart. Im Interview spricht er mit uns auch darüber, wie heftig der Film ist.

Dirk Böhling sitzt in seiner Rolle "Soldaten-Norbert" an einem Tresen und raucht.
Kein angenehmer Zeitgenosse: "Soldaten-Norbert", gespielt von Dirk Böhling. Bild: Warner Bros.

Der Film "Der goldene Handschuh" feierte auf der Berlinale seine Weltpremiere. Er erzählt die wahre Geschichte des Hamburger Serienmörders Fritz Honka und basiert auf dem Bestseller von Heinz Strunk.

Der Bremer Schauspieler Dirk Böhling spielt in dem Streifen den "Soldaten-Norbert". Im Interview erzählt er von den Dreharbeiten. Außerdem spricht er über die Frage, ob Frauen den Film schauen sollten oder nicht. Regisseur Fatih Akin war zuletzt wegen seiner Aussage "Frauen sollen den Film am besten gar nicht gucken" in die Schlagzeilen geraten.

Der Moderator und Schauspieler Dirk Böhling schaut in die Kamera.
Für buten un binnen schlüpft Dirk Böhling immer mal wieder in die Rolle "vergessener Bremer". Bild: Anya Zuchold

Herr Böhling, Sie spielen im Film den "Soldaten-Norbert". Was für ein Charakter ist das?
"Soldaten-Norbert" ist einer der Stammgäste im "Goldenen Handschuh", der Kneipe auf dem Hamburger Kiez. Wie die anderen in der Kneipe ist er eine traurige Gestalt. Einer, der viel über Frauen redet, trinkt, keine Perspektive hat und gewalttätig ist. Neben "Soldaten-Norbert" willst du nicht am Tresen sitzen.
War es schwierig, in die Rolle zu schlüpfen?
Ich war ja nicht der Einzige – mit Nasen-Ernie, Tampon-Günther, Doornkaat-Max und den anderen Stammgästen hatte ich ja die passende Begleitung. Außerdem haben wir in einem geschlossenen Raum gedreht. Sobald man reinkam, erwischte einen die Schwere, dass man nicht mehr hochkommt, sobald man sich einmal an den Tresen gesetzt hat.
Im Vorlauf zum Film gab es mehrere Kritikpunkte. Zum einen, weil die Biografie von Fritz Honka nicht ausführlich erzählt wird. Was sagen Sie zu den Einwänden?
Ich finde es ehrlich gesagt richtig, explizit nicht zu erzählen, wie Honka zu dem Monster wurde, das vier Frauen umgebracht hat. Nicht jeder, der als Kind Misshandlungen und schlimme Dinge erfährt, wird als Erwachsener Serienmörder. Deshalb kann ich die Entscheidung gut nachvollziehen. Es wäre gewissermaßen ein Schlag ins Gesicht für jeden, der es trotz einer harten Kindheit geschafft hat, etwas aus sich zu machen.
Wirbel gab es außerdem um Regisseur Fatih Akin. Er sagte in einem Interview, dass sich Frauen den Film besser nicht anschauen sollten. Würden Sie mit Ihrer Frau ins Kino gehen, um sich "Der goldene Handschuh" anzugucken?
Meine Frau ist Schauspielerin, von daher kann sie da ganz gut mit umgehen. Ich glaube auch, dass Fatih damit nicht sagen wollte, dass Frauen mit dem Film nicht umgehen können. Das war eher fürsorglich gemeint. Im Film geht es um schlimmste Gewalt an Frauen. Wir Männer sind erschrocken und geschockt von dem, was dort passiert. Ich glaube, dass weibliche Zuschauer sich eher mit den Opfern – Frauen, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft stehen – identifizieren können. Es ist aber für jeden Zuschauer harter Tobak. Ich würde nicht sagen: 'Komm, wir machen einen entspannten Kinoabend' und dann den Film vorschlagen.
Es wird öffentlich diskutiert, der Film lief auf der Berlinale und ist für den goldenen Bären nominiert. Wie stolz macht das?
Sehr. Man kriegt als Schauspieler nicht für jedes Projekt, das man macht, so eine Aufmerksamkeit. In Berlin auf dem roten Teppich zu stehen und zu merken, dass der Film in Deutschland und international Beachtung findet, ist das Größte. Auch dafür habe ich den Beruf ergriffen.
  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. Februar 2019, 23:30 Uhr