Firma führt Vier-Tage-Woche ein – und steigert die Produktivität

Die Mitarbeiter eines Reinigungsmittel-Herstellers aus Debstedt bei Bremerhaven arbeiten nur vier Tage. Und das bei höherem Gehalt. Das ist aber noch nicht alles.

Zwei Frauen etikettieren an einer Maschine Reinigungsmittel.
Genießen lange Wochenenden: Chanisa Trojan (links) und Tamara Niederhaus etikettieren bei PIT die Reinigungsmittel. Von Samstag bis Montag haben sie frei.

Wer bei diesem Arbeitsmodell an den Einfall eines 25-jährigen Start-up-Gründers denkt, liegt falsch. Die Idee stammt von Peter Friedrichs. Der 67-Jährige ist Inhaber der Firma PIT in Debstedt bei Bremerhaven, die Reinigungsmittel für Haushalt, Autopflege und die Industrie herstellt. Seine Mitarbeiter haben montags frei. Und die Idee hatte er nicht erst seit die neuseeländische Treuhandgesellschaft Perpetual Guardian mit ihrer Vier-Tage-Woche weltweit Schlagzeilen machte – sondern schon vorher.

Firmenchef Peter Friedrichs steht in einer seiner Produktionshallen. An die Wand ist eine Kuh gemalt.
Firmenchef Peter Friedrichs legt Wert darauf, dass sich seine Mitarbeiter wohl fühlen. Deshalb hat er auch die Wände bunt bemalen lassen.

Peter Friedrichs, von allen nur Pit genannt, hatte die Idee schon vor dreieinhalb Jahren. "Ich wollte ursprünglich mit 55 aufhören zu arbeiten, dann mit 60, aber das lief so weiter. Irgendwann hat mich meine Frau ein bisschen getreten und gesagt, dass ich nicht so viel arbeiten soll", erzählt Friedrichs. "Und dann habe ich gedacht, dass meine Leute auch etwas davon haben sollen. Ich habe da kein Konzept geschrieben. Ich habe einfach gesagt: Wir machen das jetzt."

Seitdem haben die 34 Mitarbeiter montags frei, dienstags bis freitags sind sie neun statt wie bisher rund acht Stunden pro Tag im Betrieb. Im Schnitt arbeitet jeder Mitarbeiter 3,25 Stunden weniger pro Woche. Dennoch steigen die Produktionszahlen, die Friedrichs aber nicht genauer nennen möchte. Und das ist nicht alles: Die Angestellten bekommen auch noch mehr Lohn. "Mir ist wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen", sagt der Firmenchef.

Die Leute kommen fröhlicher zur Arbeit, sie haben weniger Stress.

Uwe Goch, Mitarbeiter
Ein Mann bedient eine Maschine, die Schwämme zuschneidet.
Uwe Goch bedient eine Maschine, die Schwämme zuschneidet.

"Man kann das erst nicht glauben", erinnert sich Uwe Gorch, der seit 2005 im Unternehmen arbeitet, an den Start der Vier-Tage-Woche. "Man hat immer wieder nachgefragt, ob denn auch wirklich am nächsten Montag frei ist." Familie und Freunde seien erstaunt und auch ein bisschen neidisch gewesen. Die Stimmung in der Firma hat sich laut Gorch verbessert: Für die Familie, Hobbys, Arzt- und Behördenbesuche sei jetzt mehr Zeit, sagt der 54-Jährige. Und auch die Bereitschaft zu Überstunden wachse. "Ich bin sehr zufrieden. Solange meine Arbeitskraft gebraucht wird, bleibe ich."

Das Vier-Tage-Modell spricht sich herum: Die Zahl der Bewerber ist laut Friedrichs deutlich gestiegen. "Aber bei uns werden keine Stellen frei, nur durch Verrentung", freut er sich. Und das, obwohl es auch mal stressig wird: "Wir haben hier nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Hier muss auch mal geknüppelt werden, wenn ein Auftrag fertig werden muss."

Drei Frauen füllen in einer Fabrikhalle Waschpaste in Dosen.
Die Mitarbeiterinnen füllen die fertige Waschpaste in Dosen.

Neben der verkürzten Arbeitszeit und der Lohnerhöhung setzt Friedrichs auch auf ein angenehmes Arbeitsumfeld. So hat er nicht nur die Wände der Hallen bemalen lassen, stellt Getränke zur Verfügung und organisiert regelmäßig Betriebsfeste: Selbst auf dem stillen Örtchen sollen sich seine Mitarbeiter wohlfühlen. "Woanders gibt es dieses graue Schmirgelpapier. Das ist doch banal, da spart man vielleicht drei Cent pro Rolle."

Peter Friedrichs ist überzeugt, dass sich das Vier-Tage-Modell in Zukunft in immer mehr Firmen durchsetzen wird. "Für die Leute hat die Freizeitgestaltung eine immer größere Bedeutung", sagt er. "Vor 40, 50 Jahren hat sich auch keiner vorstellen können, dass einmal sonnabends frei ist."

  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 3. April 2019, 8:20 Uhr