Razzia in Bremen gegen ein Millionengeschäft: Online-Drogenhandel

Bei einer internationalen Razzia wurden Wohnungen in Bremen durchsucht. Die Razzia richtete sich gegen illegalen Handel im Darknet. Die Ermittlungsarbeit erfordert Akribie.

Eine Person schaut auf einen Bildschirm auf dem Werbung für illegale Drogen zu sehen ist
Im Darknet werden illegale Drogen ganz offen beworben. Die Händler und Kunden bleiben anonym. (Symbolbild) Bild: Radio Bremen | Sebastian Heidelberger

In der vergangenen Woche haben bundesweit mehr als 1.400 Polizistinnen und Polizisten 232 Wohnungen durchsucht. Darunter auch fünf im Land Bremen. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Bamberg war dies eine der größten Aktionen gegen Cyberkriminelle in Deutschland.

Eine Frau schaut in die Kamera
Silke Noltensmeier, Staatsanwaltschaft Bremen Bild: Radio Bremen | Verena Patel

Die Razzia fand zeitgleich in 15 Bundesländern sowie Polen und Österreich statt. Die Verfahren richten sich gegen die Nutzerinnen und Nutzer von "Crimenetwork" (Kriminelles Netzwerk), einer illegalen Handelsplattform im Darknet. Auf der Seite wurden unter anderem geklaute Kreditkartendaten, Falschgeld, Drogen, Hacker-Tools und verbotene Waffen gehandelt.

Laut Staatsanwaltschaft Bamberg wurden bei den Durchsuchungen in Bremen Computer-Festplatten, Smartphones, Notebooks, Pässe, Kreditkarten und 2.500 Euro Bargeld sichergestellt. Die Ermittlungen richten sich laut Silke Noltensmeier-von Osten, Pressesprecherin der Bremer Staatsanwaltschaft, gegen fünf Personen.

Die Beschuldigten sind junge Männer im Alter von 22 bis 35 Jahren. Zwei Händler und drei Kunden.

Silke Noltensmeier-von Osten, Staatsanwaltschaft Bremen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Männer wegen Datenhehlerei, Betruges und des Handels mit Betäubungsmitteln.

Massenphänomen: 23.000 bis 1,8 Millionen Nutzer

"Crimenetwork" ist nur einer von vielen Marktplätzen im Darknet. Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden seit 2017 sechs Marktplätze im Darknet unter Beteiligung deutscher Strafverfolgungsbehörden abgeschaltet. Die Anzahl der registrierten Nutzerinnen und Nutzer reichte von rund 23.000 bis 1,8 Millionen. Je nach Größe der Plattform unterschieden sich die Umsätze. Allein die Gewinne einer der illegalen Handelsplattformen habe 628 Millionen Euro betragen, heißt es.

"Die Bedeutung dieser Marktplätze war und ist unverändert hoch für polizeiliche Ermittlungen", sagt Jana Schmidt von der Bremer Polizei. Der Aufwand steige permanent. Laut BKA sind nahezu auf jedem dieser Märkte die mit Abstand größte Warengruppe Drogen. Der Online-Kauf sei mittlerweile ein "Massendelikt". Es gebe Tausende Fälle deutschlandweit. Und das BKA nimmt an, dass die Nutzung illegaler Handelsplattformen im Darknet zunehmen wird. Zudem zeichne sich eine Professionalisierung der Geschäfte ab.

Die Herausforderung in den Ermittlungen besteht darin, den Straftäter aus der Anonymität des Darknets zu holen und ihn letztendlich zu identifizieren.

Sandra Clemens, Sprecherin des BKA

Ihre Behörde müsse deshalb mit viel kriminalistischer Kreativität arbeiten, sagt BKA-Sprecherin Sandra Clemens. "Wir nutzen jede Möglichkeit, die sich bietet." Welche Methoden dabei eingesetzt werden, will sie nicht verraten. Aus anderen Verfahren ist aber bekannt, dass die Polizei versucht, die Spur des Geldes zurück zu verfolgen. Auf illegalen Handelsplattformen werden die Geschäfte meist mit digitaler Währung bezahlt. Diese Kryptowährung bietet Anonymität. Doch nicht immer gelingt es den Händlern, ihre Spuren vollständig zu verwischen.

Ermittlungen sind akribische Kleinarbeit

Im Falle von "Crimenetwork" hatte die Polizei offenbar einen direkten Zugang zur Seite. Der zuständige Oberstaatsanwalt aus Bamberg, Christian Schorr, sagt, dass einer der Administratoren des Netzwerks im Mai 2019 bei der Einreise nach Deutschland festgenommen wurde. Der 26-jährige Deutsche sitzt seitdem in Haft. Seine Verkaufsplattform wurde beschlagnahmt.

Wir konnten ein Abbild des Servers und der Datenbank erstellen. Das waren eine ganze Menge Daten. Wir mussten auswerten: Welcher User hat welche Straftat begangen?

Der Bamberger Staatsanwalt Christian Schorr
Christian Schorr, Oberstaatsanwalt

Seit August 2019 sei eine länderübergreifende Ermittlungsgruppe, zu der auch das Landeskriminalamt Bremen gehört, am Fall dran. In "akribischer Kleinarbeit" habe man über Monate zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer identifizieren können. Seine Behörde sei zufrieden mit dem Ergebnis: Insgesamt gebe es nun 328 Ermittlungsverfahren. Im Zuge der Durchsuchungen seien 32 Personen vorläufig festgenommen und insgesamt elf Haftbefehle vollstreckt worden.

Doch da, wo mal ein Markt war, bleiben Nachfrage und Angebot bestehen. Neben zahlreichen weiteren Handelsplätzen im Darknet gibt es auch wieder eine Seite mit dem Namen "Crimenetwork“. Ganz offen bieten die Händler dort wieder Drogen, geklaute Kreditkartendaten und gehackte Zugangsdaten an.

Autor

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. Juli 2020, 23:30 Uhr