Fragen & Antworten

Schutzmasken gegen das Coronavirus: Warum denn jetzt doch?

Zuerst erklärten Experten, einfache Masken schützten nicht vor dem Virus. Jetzt ändern viele offenbar ihre Meinung. Die Antworten zu Ihren Fragen finden Sie hier.

Atemschutzmasken in einem Geschäft
In Deutschland wird heiß debattiert, ob und wie Masken vor einer Corona-Infizierung schützen. Bild: DPA | Frank May
Am Anfang der Corona-Krise hatten Experten erklärt, dass ein Mundschutz nichts bringe. Warum werden die Masken jetzt doch empfohlen?
An einer Verbesserung der Masken liegt der Wandel wohl nicht, meint die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, Heidrun Gitter. "Was die Schutzfunktion betrifft, hat sich nichts geändert", sagt sie. Auch heute schützen die einfachen Masken nicht vor einer Ansteckung. Allerdings könne ein Grund für die neue Einschätzung sein, dass es in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse über das Virus gab. "Man weiß inzwischen, dass es auch ohne Krankheitssymptome ansteckend sein kann", so Gitter. Da sei es zum Beispiel in Pflegeheimen ein zusätzlicher Schutz, wenn alle Pfleger einen Mundschutz tragen würden.

Auch Virologe Andreas Dotzauer sieht einige Vorteile im Tragen von Masken - und zwar auch bei einfachen OP-Masken. "Auch Masken mit niedrigen Effizienzgraden helfen, die Zahl der Viren zu reduzieren. Ich atme dann nicht die volle Menge ein und schütze mich damit auch einen Teil selbst", so der Experte. Außerdem schütze die Maske Menschen im Umfeld, da man die Viren nicht so stark verteilt. "Das würde verhindern, dass sich die Infektionskette nicht in vollem Maße weiter ausbreitet", so Dotzauer.
Welche Maske schützt denn wie und wovor?
Hier muss man unterscheiden zwischen den Atemschutzmasken und den sogenannten Mund-Nasen-Schutzmasken. Letztere kennt man zum Beispiel vom Zahnarzt oder aus dem OP. Sie schützen den Träger zwar nicht davor, sich selbst mit dem Corona-Virus anzustecken. Aber sie fangen die Tröpfchen auf, die zum Beispiel beim Husten oder Sprechen entstehen. So kann der Träger keine anderen Menschen anstecken. Dazu muss die Maske allerdings regelmäßig gewechselt oder gewaschen werden. Außerdem kann sie den Träger auch davon abhalten, sich in das Gesicht zu fassen und über die Finger Viren an die Schleimhäute zu bringen.

Die Atemschutzmasken sind aus einem festeren Material, das die Luft beim durchströmen filtert. Diese Masken gibt es in verschiedenen Schutzklassen, die mit FFP 1 bis FFP 3 gekennzeichnet sind. FFP 1 filtert dabei bis zu 80 Prozent der Partikel aus der Luft, die größer sind als 0,6 μm. Masken der Klasse FFP 3 filtern 99 Prozent dieser Partikeln heraus. Laut Robert-Koch-Institut schützen die Masken der Klasse FFP 2 oder FFP 3 vor einer Infektion mit dem Coronavirus.
Wer sollte welche Maske tragen?
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Menschen, die Corona-Patienten behandeln oder pflegen, Masken der Klasse FFP 2 oder FFP 3 zu tragen. Von diesen Masken gibt es aber aktuell nicht viele. Deswegen sollten nur die Menschen sie benutzen, die sie wirklich brauchen. Für den normalen Alltag auf der Straße reicht auch ein Mund- und Nasenschutz. Allerdings warnt das Robert-Koch-Intistut: "Auf keinen Fall sollte das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer anderen Form der Barriere dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird."
Zu welchen Gelegenheiten sollte oder muss ich eine Maske tragen?
Eine generelle Mundschutzpflicht gibt es in Deutschland und in Bremen aktuell nicht. Auch in Supermärkte kann man zum Beispiel ohne Mundschutz gehen. Allerdings hat Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte angekündigt, dass die Verantwortlichen über eine Mundschutzpflicht in der Pflege nachdenken.
Einige Experten, darunter auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer, halten eine generelle Mundschutzpflicht in der Öffentlichkeit allerdings für sinnvoll. Denn: "Auch wenn es immer heißt, es schütze nicht vor Infektionen: Letztendlich bestreitet niemand, dass es davor schützt, das Virus auf andere zu übertragen", so Dotzauer.
Gibt es denn genug Masken im Land Bremen?
"Die Situation ist nach wie vor kritisch", sagt die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, Heidrun Gitter. Denn noch immer gebe es nicht genügend Schutzmasken für medizinisches Personal, Feuerwehr und Polizei. "Dabei geht es sowohl um die einfachen Masken, als auch um die hochwertigen FFP 2 oder FFP 3 Masken", beschreibt Gitter die Lage. So sei zum Beispiel gerade in Pflegeheimen die Situation besonders schwierig. "Da können die Pflegenden es gar nicht vermeiden, den Menschen nahe zu kommen. Und die haben oft nicht mal die einfachen Masken", so Gitter. Und selbst, wenn es auf dem Markt mal ein Angebot gibt: "Die Preise sind jetzt drei bis fünf mal so hoch, wie üblich."
Wie sinnvoll sind selbstgenähte Masken, die viele ja zurzeit anbieten?
"Hier gilt: Irgendwas ist besser als gar nichts", sagt Virologe Andreas Dotzauer. Selbstgemachte Masken können, wenn sie richtig gemacht sind, die Mund-Nasen-Schutzmasken teilweise ersetzen - also davor schützen, andere Menschen anzustecken. "Aber es ist entscheidend, aus welchem Stoff die Masken bestehen", so Dotzauer. Eignen würden sich zum Beispiel alte Windeln oder T-Shirts, wenn die Masken oft genug gewaschen werden. "All diese Lösungen bieten zwar nicht die gleiche Sicherheit wie die FFP2-Schutzmasken, die für das medizinische Personal vorgesehen sind, aber sie erfüllen auch ihren Zweck", sagt der Virologe.

3 Fragen an den Virusforscher Andreas Dotzauer

Video vom 1. April 2020
Tafel mit der Frage: Wie sinnvoll ist eine Maskenpflicht?

Weitere Informationen

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. März 2020, 19:30 Uhr