Coronavirus erreicht Bremer Pflegeheime

Neben den Infizierten und Verstorbenen gibt es viele Verdachtsfälle: In Pflegeheimen hat sich die Lage verschärft. Ein Lichtblick: Es gibt wieder Schutzkleidung.

Eine Pflegerin schiebt einen Rollstuhl.
Pflegeheime sind vom Corona-Virus besonders betroffen. Bild: DPA | Christophe Gateau

Mit 315 bestätigten Corona-Fällen und fünf Toten stehe das Land Bremen im Vergleich zu anderen Bundesländern zwar vordergründig betrachtet gut da, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei der Senats-Pressekonferenz am Dienstag. Auch seien Im Zwei-Städte-Staat in den letzten Tagen weniger Neuinfektionen hinzugekommen als andernorts. Dennoch stellte der Bürgermeister klar: "Ich betrachte diese Zahlen mit ganz, ganz großer Vorsicht."

Die Grundgesamtheit der Zahlen sei noch klein, so Bovenschulte. "Da gibt es noch statistische Ausschläge und Ungenauigkeiten." Daher solle man am besten nicht zu viel in die Zahlen hineininterpretieren, "nicht in die eine und nicht in die andere Richtung".

15 Infizierte in Bremer Pflegeheimen

Nach Einschätzung von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) ist die Situation in den Pflegeeinrichtungen "besonders virulent". Zwar habe Bremen bislang keine derartig dramatischen Fälle wie Wolfsburg oder Würzburg. In beiden Städten gibt es Pflegeheime mit vielen Infizierten und vielen Todesopfern.

Allerdings, so Bernhard weiter, gebe es mittlerweile auch in Bremen drei Einrichtungen mit bestätigten Fällen. In einem Bremer Pflegeheim hätten sich 15 Personen infiziert, von denen drei inzwischen gestorben seien. In zwei weiteren Einrichtungen habe sich jeweils eine Betreuungskraft infiziert. Und in elf weiteren Pflegeheimen gebe es Verdachtsfälle.

Dennoch hält es Bernhard für kaum möglich, die betreffenden Pflegeeinrichtungen komplett abzuschotten, wie es in anderen Bundesländern geschehen sei. Immerhin aber gelte in Bremen bereits ein Besuchsverbot.

Bernhard zeigte sich auf der Senatspressekonferenz erleichtert darüber, dass Bremens Pflegeeinrichtungen wieder über genügend Schutzkleidung verfügten: "Heute ist eine zweite Tranche angekommen", so die Senatorin.

Schutzmaskenpflicht in der Pflege wird beraten

Vorerst vom Tisch sei das Thema "Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Raum", zumal der Nutzen einer solchen Maßnahme, wie sie inzwischen etwa in Österreich greift, fraglich sei. Allerdings wolle der Senat noch einmal darüber diskutieren, ob Bremen die Schutzmaskenpflicht für Pflegeeinrichtungen einführen wolle. Zugleich arbeite man daran, die Kapazität an Intensivbetten und Beatmungsmöglichkeiten auszubauen, um sich auf weitere Corona-Infizierte vorzubereiten.

"Wir kommen irgendwann an unsere Grenzen"

Derzeit liege die Verdopplungsquote der Corona-Infizierten im Land Bremen bei sieben bis zehn Tagen, sagte Bernhard, so niedrig, wie sonst allein in den ostdeutschen Bundesländern. Doch dürfe man sich davon nicht täuschen lassen. Jede Steigerung, auch wenn sie langsam erfolge, bedeuet: "Wir kommen irgendwann an unsere Grenzen."

Gespannt ist Bernhard auf die Infektionsraten Bremens, die am kommenden Wochenende vorliegen werden: "Dann haben wir 14 Tage hinter uns mit relativ drastischen Einschränkungen", erklärt sie. Daher verspreche sie sich von den Zahlen des kommenden Wochenendes zumindest eine größere Aussagekraft als jetzt.

Mitschnitt der Senat-PK zur aktuellen Corona-Lage

Video vom 31. März 2020
Senatorin Claudia Bogedan mit Gebärdendolmetscherin

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 31. März 2020, 14:00 Uhr