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Corona-Ticker (29. März): Polizei löst Party in Bremen-Vegesack auf

Der Gastgeber der Feier bespuckte und beleidigte die Polizisten. In Wildeshausen haben sich in einem Seniorenheim 41 Menschen infiziert. Die Entwicklung im Liveticker.

Das Dach eines Polizeiautos mit eingeschaltetem Blaulicht und dem roten Schriftzug Polizei
Gegen die Feiernden wurden mehrere Strafanzeigen gestellt (Symbolbild). Bild: DPA | Patrick Seeger

+++ Zahl der bestätigten Infektionen steigt auf 290 +++

Im Land Bremen sind mit Stand Sonntag, 16 Uhr, 290 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 270 der bestätigten Fälle wurden in der Stadt Bremen gemeldet, 20 in Bremerhaven. Das bedeutet einen Anstieg um zwölf Fälle seit Samstag, hier hatte die Zahl der bestätigten Infektionen bei 278 im Land Bremen gelegen.

+++ Polizei beendet Party in Vegesack +++

Die Bremer Polizei musste am frühen Sonntagmorgen in Bremen-Vegesack eine Party auflösen. Den Angaben zufolge fand in einem Geschäft an der Friedrich-Humbert-Straße eine private Feier statt. Zeugen hatten daraufhin die Polizei verständigt. Insgesamt waren sieben Personen beteiligt, die geltenden Kontaktbeschränkungen verbieten Treffen von mehr als zwei Personen. Die Polizei erteilte Platzverweise, denen die Feiernden zunächst nachkamen.

Wenig später mussten die Polizisten erneut eingreifen, weil mehrere Personen in dem Geschäft weiterfeierten. Der 31-jährige Gastgeber wurde wegen der Missachtung der Anweisungen in Gewahrsam genommen. Laut Polizei bespuckte und beleidigte er die Beamten. Ihn und seine Gäste erwarten jetzt mehrere Strafanzeigen.

+++ 41 Infizierte in Wildeshauser Seniorenheim +++

In einem Seniorenheim in Wildeshausen hat sich fast die Hälfte der Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Die Heimleitung erklärte, es gebe 23 Infektionen bei Bewohnern und 18 beim Personal. Die Krankheitsverläufe seien bisher durchweg "leicht". Alle Menschen im Heim seien getestet worden. Künftig kümmerten sich die infizierten Mitarbeiter um infizierte Bewohner. Nicht-Infizierte wiederum blieben unter sich. Für die kommenden zwei Wochen müssten alle Betreuten auf ihren Zimmern bleiben. Nach Presseberichten war ein infizierter Heimbewohner in der Nacht zu Freitag im Krankenhaus gestorben.

+++ Bundeshilfen für Kleinunternehmer ab Montag abrufbar +++

Die Umsetzung der Soforthilfen des Bundes für Soloselbständige, kleine Unternehmen, Freiberufler und Landwirte durch die Länder steht. Man habe sich auf den Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung dazu geeinigt, teilen die Länder sowie das Bundeswirtschafts- und das Bundesfinanzministerium in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Damit könnten in den kommenden Tagen die Anträge auf Soforthilfe bei den Ansprechpartnern in den Ländern gestellt werden. Die Auszahlung solle schnell und unbürokratisch erfolgen. "Die vom Bund bereitgestellten Haushaltsmittel von bis zu 50 Milliarden Euro können ab diesen Montag von den Ländern abgerufen werden", kündigt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier an.

+++ Bremen offenbar vor Verlängerung der Kontaktbeschränkungen +++

Nachdem Kanzleramtschef Helge Braun angekündigt hat, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens mindestens bis zum 20. April andauern, wird Bremen wohl nachziehen. Das betrifft auch den Schulunterricht, der bislang nur bis zum Ende der Osterferien am 14. April ausgesetzt ist. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zeigte sich von der Ankündigung aus dem Kanzleramt nicht überrascht: "Es ist noch viel zu früh, um über eine Rückkehr zur Normalität zu reden. Noch kann man gar nicht sagen, wie die Maßnahmen wirken", sagte er buten un binnen. Man werde Mitte der Woche mit Bund und Ländern über das weitere Vorgehen sprechen. "Und wenn eine Verlängerung der Maßnahmen bis zum 19. April medizinisch geboten ist, dann werden wir das machen", machte Bovenschulte deutlich.

+++ Kein Sport, keine Veranstaltung? In manchen Fällen gibt es Geld zurück +++

Mindestens bis zum 19. April bleiben Sporthallen und Fitnessstudios geschlossen, viele Veranstaltungen fallen aus. Zumindest in einigen Fällen können Verbraucher Geld zurückfordern. Die Mitgliedsgebühr für den Sportverein muss weiter bezahlt werden, bei Fitnessstudios oder ausgefallenen Sportevents kann man Geld zurückfordern. Beim Bezahlsender ist es schwierig.

+++ Steuerfreiheit für kleinere Bonus-Zahlungen +++

Bonuszahlungen für Arbeitnehmer bis 1.500 Euro sollen während der Corona-Krise steuerfrei sein. Das hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in der "Bild am Sonntag" angekündigt. Er will bereits am Montag eine entsprechende Anweisung erlassen. Derzeit seien viele Arbeitnehmer unter erschwerten Bedingungen im Einsatz, um andere zu versorgen, sagte Scholz. Als Beispiele nannte er Pflegekräfte, Verkäufer, Ärzte und Lkw-Fahrer. "Dieses Engagement sollten wir honorieren."

+++ Checkliste für Unternehmen in Corona-Krise +++

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine neun Punkte umfassende Liste veröffentlicht. Darin geht es neben der Beurteilung der Finanzlage, auch Gespräche mit Lieferanten, Kunden und Vermietern bis zur Prüfung von Kurzarbeit. Die Liste soll Firmen helfen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) arbeitet bereits an Konjunktur-Plänen für die Zeit nach der Corona-Krise. "Wir brauchen ein umfassendes Fitnessprogramm für die deutsche Wirtschaft", sagte er "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

+++ Hunderttausende Atemschutzmasken in Niedersachsen eingetroffen +++

In Braunschweig ist eine Ladung mit 400.000 Atemschutzmasken aus China angekommen. 160.000 davon sollen an Kliniken und Ärzte in Niedersachsen gehen. Die restlichen 240.000 Atemschtzmasken werden bundesweit an medizinische Einrichtungen verteilt.

+++ Rettungsschirm für Heime und Pflegedienste +++

Eine Pflegerin begleitet eine alte Frau
Heime und Pfledienste sollen nicht mit den Mehrkosten für Personal und Material belastet werden. (Symbolbild) Bild: DPA | Tom Weller

Die Pflegekassen wollen unter anderem Mehrkosten für Schutzausrüstung oder Personal übernehmen. Das hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Gesetzlichen Krankenkassen, Gernot Kiefer, der Deutschen Presseagentur bestätigt. "Uns allen ist klar, dass die Bewohner in den Pflegeheimen und die ambulant betreuten Pflegebedürftigen besonders gefährdet sind." Wie hoch der finanzielle Aufwand sein wird, lässt sich laut Kiefer noch nicht abschätzen. der Chef des Robert Koch-Institutes, Lothar Hein Wieler, warnte unterdessen davor, dass das deutsche Gesundheitssystem durch die Corona-Krise an die Grenzen seiner Belastbarkeit gerät. "Wir müssen damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

+++ TÜV-Frist wegen Corona-Krise verlängert +++

Autofahrer haben vorübergehend mehr Zeit, um sich eine neue TÜV-Plakette für ihren Wagen zu besorgen. Die Frist für die Überziehung sei von zwei auf vier Monate verlängert worden, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der "Bild"-Zeitung. Der ADAC lobte diese Entscheidung.

+++ Ungebremster Anstieg der Corona-Todesfälle +++

Die Pandemie breitet sich weiter aus. Weltweit sind bereits mehr als 30.000 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben, allein zwei Drittel davon in Europa. Etwa 640.000 Personen haben sich bislang weltweit mit dem Virus infiziert. Aktuell leben rund drei Milliarden Menschen rund um den Globus in Isolation. Während im chinesischen Wuhan, dem Ausgangspunkt der Corona-Pandemie, die Kontaktbeschränkungen wegen der dort sinkenden Infektionszahlen inzwischen gelockert wurden, ist in anderen Teilen der Welt der Höhepunkt noch nicht erreicht. So vermelden beispielsweise die USA die mittlerweile höchste Infektionsrate. Dort sind aktuell mehr als 124.000 Corona-Fälle bekannt.

+++ Besseres Klima: Nachhaltige Effekte bei Pandemie laut AWI-Chefin wohl nicht möglich +++

Die Leiterin des AWIs Antje Boetius im Studio von buten un binnen.
AWI-Chefin Boetius befürchtet Rückschlag-Effekte beim Klima.

Laut Umweltressort haben sich die Luftwerte im Land Bremen verbessert. Die genaue Auswertung soll noch folgen. Hintergrund ist die Corona-Krise. Die großen Unternehmen produzieren weniger, die Menschen reisen weniger und auch der Stromverbrauch ist nach Angaben des Energieversorgers SWB um 20 Prozent zurückgegangen. Der Preis dafür sei unglaublich hoch, sagte Anke Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, im Gespräch mit buten un binnen. "Kein noch so ernster Klimaforscher oder Klimaschützer wünscht sich diese Art von Rückbau", so Boetius. "Wir wünschen uns alle einen richtigen Umbau, einen geplanten, strategischen Umbau, der auch hält, der nachhaltig ist." Das werde bei einer solchen Pandemie nicht möglich sein. "Im Gegenteil. Wir befürchten Rückschlag-Effekte, dadurch, dass jetzt erst einmal so viel aufzuholen ist, die Wirtschaft zu reparieren ist, wenn das noch länger weitergeht." Die Sorge sei groß, dass keine Mittel vorhanden sein werden, um die Infrastruktur in notwendigen Schnelligkeit voranzutreiben.

So beeinflusst Corona das Klima – und Klimaforscher

Video vom 28. März 2020
Die Leiterin des AWIs Antje Boetius im Studio von buten un binnen.

+++ Bremer halten sich auch bei schönem Wetter an Kontaktbeschränkung +++

Laut Polizei haben sich die Bremer auch bei dem frühlingshaften Wetter weitgehend an die Kontaktbeschränkungen gehalten. Die Beamten fuhren wie schon in den vergangenen Tagen im ganzen Stadtgebiet verstärkt Streife. Größere Verstöße gegen die Auflagen habe es aber nicht gegeben, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Weder in den Grünanlagen wie dem Bürgerpark oder Knoops-Park noch am Osterdeich.

+++ Jetzt 278 nachgewiesene Corona-Fälle in Bremen +++

Im Land Bremen ist die Zahl der bestätigten Coronafälle auf mittlerweile 278 gestiegen. Laut Gesundheitsbehörde sind damit im Laufe des Tages 15 neue Infektionen dazugekommen. Zwei Menschen sind inzwischen an den Folgen der Viruskrankheit gestorben. 53 der Corona-Patienten im Land Bremen sind mittlerweile wieder gesund. In Niedersachsen ist die Zahl der Infizierten im Lauf des Tages auf insgesamt 3.480 gestiegen – das sind 300 Fälle mehr als gestern. Das Sozialministerium meldete am Samstagnachmittag 21 Todesfälle.

Was macht die Corona-Kontaktbeschränkung mit uns?

Video vom 26. März 2020
Ein älterer Mann steht alleine an seinem Balkon.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. März 2020, 19:30 Uhr