Corona: Was in Bremen bei Beerdigungen erlaubt ist – und was nicht

In Zeiten der Coronakrise laufen Trauerfeiern und Beisetzungen anders ab als sonst – es gibt viele Regeln. Und doch sind die nicht einheitlich – das sorgt für Kritik.

Sargträger mit weißen Handschuhen stehen neben einem Sarg.
In Bremen können mittlerweile weniger Sargträger eingesetzt werden als die Friedhofsordnung eigentlich vorsieht (Symbolbild). Bild: Imago | Joker / PetraxSteuer

Die Coronakrise greift in viele Bereiche des Lebens ein – so auch in das Sterben. Und das auch jetzt, wo es die ersten Lockerungen gibt. Für Beerdigungen gibt es strikte Auflagen.

In Bremen gelten folgende Regeln: Trauerfeiern sollten wenn möglich draußen stattfinden und in der Regel auch nur mit bis zu sechs Personen. Die Umweltbetriebe Bremen teilen jedoch mit, dass Trauerfeiern auch in den Kapellen stattfinden können – die Personenzahl variiere dann. Das bezieht sich auf die Haupt- und Südkapelle auf dem Friedhof Osterholz sowie die Kapellen auf den Friedhöfen Riensberg, Walle, Huckelriede, Huchting, Hemelingen, Hastedt, Aumund, Buntentor, Woltmershausen und die auf dem Waldfriedhof Blumenthal.

In der größten Kapelle sind aktuelle Beerdigungen mit bis zu 40 Personen erlaubt. "Trauerfeiern und Bestattungen sollten möglichst nur im engsten Familienkreis abgehalten werden", erklärt Kerstin Doty. Sie ist Pressesprecherin bei den Bremer Umweltbetrieben und damit auch für die Friedhöfe zuständig. "In den Trauerhallen selbst haben wir Sitzplätze so gesperrt, dass genügend Abstand gewährleistet ist."

Außerdem sollte wenn möglich ein Mund-Nasen-Schutz getragen und auf die Hygiene geachtet werden.

Trauergespräche sind schwierig geworden

"Das persönliche Gespräch ist eigentlich sehr wichtig, doch jetzt nicht immer möglich", sagt Sebastian Reiz. Er ist Pastor in der Gemeinde von Unser Lieben Frauen. Das Coronavirus habe alles auf den Kopf gestellt und aktuell sei "eine schlechte Zeit zum Sterben", so Renz. Auch Sabine Kurth, Pastorin im Gemeindeverbund Immanuel-Walle bestätigt, dass die aktuelle Lage sehr schwierig sei.

Normalerweise treffe ich die Angehörigen zum Trauergespräch natürlich zu Hause und auch wenn das in Einzelfällen mit einer Person noch geht, ist es jetzt häufiger so, dass ich am Grab stehe und fragen muss: "Mit wem habe ich denn telefoniert?"

Sabine Kurth, Pastorin im Gemeindeverbund Immanuel-Wall"

Vor allem das Trösten sei nicht einfach, dadurch, dass sie niemanden mehr berühren dürfe.

Gerade wenn ein nahestehender Mensch verstorben sei, müsste den Angehörigen Sicherheit vermittelt werden. Und an dieser Stelle kritisiert Kurth die Bestattungsinstitute. "Einige richten gar keine Trauerfeiern mehr aus, andere nur unter freiem Himmel und wieder andere auch in großen Hallen mit wenig Gästen. Eine einheitliche Regelung wäre da schön", sagt Kurth. Manchmal gebe es sogar innerhalb eines Institutes unterschiedliche Informationen.

Trauerfeiern sollten nicht verschoben werden

Die Trauerfeier zu verschieben, davon raten Renz und Kurth eher ab. "Acht bis zehn Wochen später ist die Trauerverarbeitung ja schon an einem ganz anderen Punkt", sagt Kurth. Dem stimmen auch Katja Jenrich und Michaela Höck zu. Sie sind beide freie Trauerrednerinnen. "Das Abschiednehmen ist total wichtig, wenn das wegfällt ist das schwierig", sagt Jenrich.

In der aktuellen Situation sei es natürlich nicht für alle möglich, bei der Trauerfeier dabei zu sein. Da sei es wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, sich an der Feier trotzdem zu beteiligen, wenn sie es wünschen, so Jenrich. Enkelkinder zum Beispiel. Von einer Möglichkeit berichtet Höck.

Ich war neulich auf einer Trauerfeier, da haben alle Kinder Steine bemalt und die wurden dann um das Loch gelegt, in das die Urne herabgesenkt wurde. So sah es aus, als hätte die Familie ihre Oma noch einmal in ihre Mitte genommen.

Michaela Höck, Trauerrednerin

Die beiden Trauerrednerinnen berichten, dass der persönliche Kontakt und auch die körperliche Berührung in ihrer Arbeit fehlen. "Meine Empfehlung an Trauernde ist: Macht eine kleine Feier mit wenig Leuten – das kann auch sehr innig sein", sagt Jenrich.

Das bestätigt auch Höck. So habe eine Frau kürzlich bei einer Trauerfeier selbst einen Brief an ihre verstorbene Mutter vorgelesen – das hätte sie sich vor einer großen Trauergemeinde vermutlich nicht getraut. Am Geburtstag des verstorbenen Menschen könne man sich zu einem großen Fest treffen, falls der Geburtstag in einer Zeit liege, in der die Corona-Beschränkungen bereits wieder gelockert seien.

Aber es kommt bei Trauerfeiern aktuell auch zu extremen Bildern. So habe ich kürzlich eine Feier mit 15 Menschen in einer großen Halle begleitet. Die Stühle standen, weit auseinander, aber sobald die ersten Tränen kullerten rückten die Eheleute und Partner an ihre Angehörigen. Mit dem Ergebnis, dass ich dort sieben Paare sitzen hatte und vorne in der ersten Reihe die Witwe. Ganz alleine. Da hat das äußere Bild dem inneren geglichen. Das war hart.

Michaela Höck, Trauerrednerin

Abstandsregeln auch auf dem Friedhof

Doch nicht nur die Trauerfeiern verändern sich, so Höck. Auch der Trauerzug verlängere sich – schließlich würden alle mehr Abstand voneinander halten. Bei einer Urnenbeisetzung gehe der Urnenträger voraus. Doty erklärt, dass die Trauergäste aktuell nur alleine oder zu zweit vor der Urne oder auch dem Sarg Abschied nehmen können.

Es würde laut Kerstin Doty von den Umweltbetrieben jedoch reichen, wenn die Angehörigen zehn Minuten vor dem eigentlichen Termin auf den Friedhof kommen. Aus Sicherheitsgründen: "Teilweise erscheinen die Trauergäste sehr früh zu den Terminen der Urnenübergaben. Wir würden die Gäste bitten wirklich nur zehn Minuten früher zu kommen. Der Grund dafür ist, dass sonst das Übertragungsrisiko auf dem Friedhof erhöht wird", sagt sie. 

Bei einer Erdbestattung regelt die Friedhofsordnung, wie viele Sargträger es gibt – wobei die Zahl von sechs auf vier gesenkt werden kann, sagt Doty. Und die Sargträger würden alle eine Mund-Nasen-Maske tragen, um andere zu schützen.

Doch auch, wenn viele Trauerfeiern jetzt anders aussehen müssen, als von den Angehörigen angedacht, plädieren sowohl die Pastoren als auch die Trauerrednerinnen dafür, den Abschied mit so einer Feier zu begehen. "Es sind eher die kleinen Dinge, die uns in der Trauer stärken", sagt Höck. "Und die können ja auch jetzt noch möglich sein – wie das Lieblingslied des Verstorbenen spielen. Es geht ja nicht nichts."

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Autorin

  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 3. Mai 2020, 18:40 Uhr