Darum werden die Corona-Zahlen nicht nach Stadtteilen aufgeschlüsselt

Immer wieder wollen Bremer wissen, wie viele Corona-Fälle es pro Stadtteil gibt. Doch die Gesundheitsbehörde veröffentlicht diese Zahlen nicht. Das hat vor allem einen Grund.

Computervisualisierung des Coronavirus vor einer Luftaufnahme von Bremen.
Die Bremer Gesundheitsbehörde teilt die Corona-Zahlen bewusst nicht nach Stadtteilen auf. Bild: Google Maps | Reuters / NEXU Science Communication

Jeder versucht in Corona-Zeiten, sich möglichst vor einer Infektion zu schützen. Ein wichtiger Punkt dabei: Sich von möglicherweise infizierten Menschen fernzuhalten. Deswegen wollen die Bremer in den sozialen Netzwerken immer wieder wissen, welche Stadtteile besonders betroffen sind.

Datenschutz als springender Punkt

Dass das Gesundheitsressort diese Zahlen aber nicht veröffentlicht, hat laut Sprecher Lukas Fuhrmann vor allem einen Grund: Den Datenschutz. "Es geht zum einen um die Nachverfolgung einzelner Adressen", erklärt Fuhrmann. Außerdem gebe es noch ungeklärte Fragen bei der Datenübermittlung vom Gesundheitsamt und dem Ordnungsamt an die Behörde. "Wir sind aber bemüht eine Lösung zu finden, die eine übersichtliche Darstellung zulässt und den Datenschutz wahrt", so Fuhrmann.

Auch die Landesbeauftrage für Datenschutz, Imke Sommer, sieht einige Probleme bei der Veröffentlichung der Stadtteil-Zahlen. "Vor allem, weil die Zahlen in Bremen so klein sind", erklärt Sommer. "Wenn in meinem Stadtteil nur eine Person als infiziert da steht, dann erfahre ich noch mehr über sie, weil eventuell weitere Informationen wie zum Beispiel ihr Alter veröffentlicht werden", so die Expertin.

Virologe: Stadtteil-Zahlen wären nicht hilfreich

Der Virologe Andreas Dotzauer der Universität Bremen bezweifelt außerdem den Nutzen solcher Daten. Da Bremen eine vergleichsweise kleine Stadt ist und die Menschen sich deswegen leicht und oft über die Stadtteilgrenzen hinweg bewegen, wäre eine solche Aufschlüsselung nach Stadtteilen nicht sinnvoll. Sie würde laut Dotzauer eher dazu führen, dass die Menschen eine falsche relative Sicherheit annehmen - und sich dann durch Unachtsamkeit in Gefahr bringen.

"Nicht zu unterschätzen wären auch mögliche falsche damit verbundene soziale Rückschlüsse", so der Virologe. Sinnvoller wäre es demnach, die Situationen und Gelegenheiten zu kennen, bei denen vorwiegend Infektionsübertragungen stattfinden - und hier dann mit gezielten Maßnahmen vorzubeugen.

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Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. April 2020, 23:30 Uhr