Keine weiteren Corona-Fälle in der JVA Bremen

In der Bremer JVA gibt es kein Corona-Problem — das erklärt das Justizressort. Häftlinge klagen hingegen über chaotische Zustände im Gefängnis.

JVA Oslebshausen (Archivbild)
Die JVA Bremen hat bislang vier Corona-Fälle gemeldet. Das Justizressort gibt nun Entwarnung. Bild: Imago | Michael Bahlo

In der Bremer Justizvollzugsanstalt (JVA) gibt es keine weiteren Corona-Fälle. Das haben Tests ergeben, die bei den Bediensteten und Häftlingen im offenen Vollzug vorgenommen wurden. Die waren am Freitag genommen worden, nachdem zuvor zwei Häftlinge und zwei Bedienstete im offenen Vollzug positiv getestet worden waren.

Ein Sprecher des Justiz-Ressorts zeigte sich gegenüber buten un binnen erleichtert: So, wie es derzeit aussieht, gibt es im Bremer Knast kein Corona-Problem. Bei einem Häftling sei das Test-Ergebnis nicht ganz eindeutig gewesen; er ist vorerst in Isolation in das JVA-Lazarett verlegt worden, bis ein neuer Test Klarheit bringt. Nach Angaben des Sprechers ist im geschlossenen Vollzug weiterhin kein Corona-Fall bekannt geworden.

Häftling widerspricht: Coronabedingte Ausnahmezustände

Dass die Gesamtsituation so entspannt ist, bestreitet allerdings ein Häftling, der sich per Mail an "buten un binnen" gewandt hat. Er berichtet von "Coronabedingten Ausnahmezuständen" in der JVA. Konkret: "Mitarbeiter sind nicht aussagefähig, bzw. wir sind nicht informiert und können keine klare Kommunikation tätigen."

Angeblich hätten ausgerechnet die positiv auf das Coronavirus getesteten Häftlinge die Quarantäne-Station innerhalb des Bereichs für den offenen Vollzug eingerichtet: "Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis weitere Infektionen vorliegen", warnt der Insasse. Auch behauptet er, dass es keine funktionierende Trennung zwischen den Abteilungen des offenen und des geschlossenen Vollzugs gebe. Das Justizressort bestreitet die Schilderung und nennt sie schlicht "Quatsch". Denn die infizierten Häftlinge seien gar nicht in der JVA, sondern zur Quarantäne zu Hause.

Funktioniert die Trennung der Abteilungen?

Die Trennung gilt als extrem wichtig, um ein Vordringen von Corona in den Knast zu verhindern. Justizstaatsrat Björn Tschöpe (SPD) teilte am Donnerstag voriger Woche als Reaktion auf das Bekanntwerden der vier Corona-Fälle im offenen Vollzug mit: "So darf die Abteilung von Beschäftigten der übrigen Abteilungen und des geschlossenen Vollzugs auf dem Gelände der JVA nicht mehr betreten werden."

Der Informant aus der JVA aber schreibt: "Mitarbeiter des geschlossenen Vollzugs haben am Samstag noch eine Person des offenen Vollzugs in Quarantäne geführt." Nach Darstellung des Ressorts trifft das nicht ganz den Kern: Vielmehr hätten zwei Beamte des offenen Vollzugs in voller Schutzausrüstung den Verdachtsfall auf kürzestem Weg ins Lazarett in den geschlossenen Vollzug gebracht.

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 27. April 2020, 13 Uhr