Wie arbeitet die Bremer "Corona-Hotline" 115?

Auf die Ankunft des Coronavirus in Bremen reagierte die Gesundheitsbehörde mit einer eigenen Hotline. Droht der jetzt eine Anrufflut besorgter Bremer?

Computervisualisierung des Coronavirus.
Seit einigen Tagen kümmern sich die Mitarbeiter des Bremer Bürgertelefons um Fragen rund um das Coronavirus. (Symbolbild) Bild: Reuters/Bildmontage | NEXU Science Communication

Sascha Klug ist einer von mehr als 100 Männern und Frauen, die ans Telefon gehen, wenn man in Bremen die 115 wählt. Von seinem Platz aus kann er die Züge sehen, die zum Bremer Hauptbahnhof fahren. Geduldig beantwortet der 38-Jährige alle Fragen, die ihm von Bremer Bürgern gestellt werden. Die 115 ist seit einigen Tagen Bremens Corona-Nummer: Als Reaktion auf die Fälle in Bremen nutzt die Gesundheitsbehörde die Behörden-Hotline, um auf eventuelle Fragen und Sorgen der Bremer möglichst schnell reagieren zu können.

"Wir haben aus dem Gesundheitsamt einen Fragenkatalog gekriegt, um die Bürger auch ein bisschen zu beruhigen", erzählt Klug. Zu Beginn immer die Grundsatzfragen: War man in einem Risikogebiet, hatte man Kontakt zu einem laborbestätigten Fall? "Wenn das nicht der Fall ist, beruhigt das die Leute schon, wenn man sagt, es kann die normale Grippe sein, melden Sie sich bei Ihrem Arzt, fragen Sie da nach." Genau der sollte laut Klug auch grundsätzlich der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Ansteckung bleiben. Nichtsdestotrotz landen darüber hinaus derzeit rund 100 Anrufe täglich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bürgertelefons.

Panische Anrufwelle bleibt bislang aus

Was nach einer ordentlichen Menge klingt, ist für das rund 100 Mitarbeiter starke Team des Bürgertelefons bislang aber noch keine große Sorge. Neben Fragen nach Personalausweis, Steuererklärung oder Kfz-Anmeldung macht das Coronavirus gerade mal fünf Prozent aller Fragen aus. Es gebe also durchaus noch Kollegen, die bisher keinen Anruf zum Coronavirus hatten, sagt der Leiter des Bürgertelefons, Thomas Elsner.

Ich denke, der Bremer ist schon recht entspannt. Wir bekommen natürlich schon aufgeregte Anrufe, aber das hält sich im Moment noch in Grenzen. Die Kollegen sind speziell geschult und werden auch immer wieder nachgeschult. Da muss ich einfach sagen, wir haben da ein ganz tolles Team, die wirklich bei solchen Fragen relativ gelassen sind.

Thomas Elsner, Leiter des Bürgertelefons

Fragestellungen von besorgt bis abwegig

Bislang waren es also noch nicht viele, dafür aber sehr unterschiedliche Fragen, berichtet Sascha Klug. "Die abwegigste war: Wann werden die Straßen nach Bremen zugemacht? Oder: Wann wird angeordnet, dass keiner mehr das Haus verlassen darf? Solche Sachen kommen auch. Aber dadurch, dass keine Pandemie ausgerufen wurde, können wir halt sagen: Momentan besteht dazu keine Veranlassung."

Eine der häufiger gestellten Fragen sei die, was man tun soll, wenn man beim Hausarzt abgelehnt wird. Die Antwort von Mitarbeiter Sascha Klug: Es noch mal bei einem anderen Arzt versuchen oder sich ans Gesundheitsamt oder die Kassenärztliche Vereinigung wenden. So entspannt wie am Telefon sei auch die Lage der Bürgertelefon-Mitarbeiter untereinander. "Einfach die Hygieneettikette einhalten", empfiehlt Klug. "Ich bin zwar Zugfahrer jeden Tag, aber ich mache mir keine großen Sorgen."

Dieses Thema im Programm: Bremen EIns, Der Tag, 6. März 2020, 23:30 Uhr