Bremer Flüchtlingsunterkunft: 33 Neu-Infizierte hatten keine Symptome

  • 62 Menschen ohne Symptome getestet
  • Mehr als die Hälfte infiziert
  • Alle Bewohner und Beschäftigte sollen getestet werden
Schriftzug auf Radweg am Werdersee
In Bremen wurde mehrfach dafür demonstriert, die Situation von Geflüchteten in der Corona-Krise zu verbessern.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen im Land Bremen ist sprunghaft angestiegen. 49 neue Fälle wurden am Donnerstag registriert – 33 davon allein in der zentralen Aufnahmestelle an der Lindenstraße in Bremen-Vegesack.

Der Sozialbehörde zufolge seien 62 unter Quarantäne stehende Bewohner getestet worden, obwohl sie keine Symptome gezeigt hätten. Trotzdem sei mehr als die Hälfte der Tests positiv ausgefallen. Dem Sozialressort zufolge wären sie nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) erst gar nicht getestet worden. Das Sozialressort hat die Tests nach eigenen Angaben selbst initiiert.

Wie kam es zu den Corona-Tests in der Flüchtlingsunterkunft?

Video vom 16. April 2020
Der Sprecher der Sozialsenatorin Bernd Schneider im Interview.

Alle Bewohner und Beschäftigte sollen getestet werden

Die positiv und negativ getesteten Personen in der Einrichtung werden nun getrennt untergebracht, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Außerdem gingen die Testungen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Beschäftigten weiter. Ziel sei die Testung sämtlicher symptomfreier Personen auch in den Fluren, die nicht unter Quarantäne stehen.

Das Sozialressort und der Betreiber, die Arbeiterwohlfahrt, standen zuletzt in der Kritik, weil in der Corona-Krise zu viele Menschen auf zu engem Raum gewohnt hätten. Seit Wochen fordern Bremer Flüchtlingsvereine, die Einrichtung zu schließen. Zeitweise waren rund 700 Menschen dort untergebracht. Abstandsregelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie konnten nicht eingehalten werden. "Es ist vor allem in dieser Zeit ein bedenklicher Zustand", sagte Gundula Oerter vom Flüchtlingsrat Bremen bereits Ende März. Mehrfach demonstrierten Aktivisten und Bewohner gegen die Zustände in der Aufnahmestelle.

Laut Sozialressort wurden viele Bewohner bereits verlegt. Derzeit leben demnach noch 380 Menschen in den knapp 200 Zimmern der Erstaufnahmeeinrichtung, die für die Aufnahme von bis zu 750 Personen ausgelegt ist.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. April 2020, 19:30 Uhr