Bremer City-Gipfel: Das sind die 5 Topthemen

Mehr Wohnraum, weniger Autos? Mehr Kultur, weniger Einzelhandel? Wie soll Bremens Innenstadt in der Zukunft aussehen? Darum ging es beim City-Gipfel.

Video vom 15. Juli 2020
Die leere Bremer Obernstraße (Archivbild)
Bild: DPA | Oliver Baumgart

Die Bremer Innenstadt befindet sich in einer Krise – und das nicht erst seit Corona. Der Bremer Senat hatte deshalb am Mittwoch zu einem City-Gipfel geladen. Mit dabei: Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Gemeinsam wurde diskutiert, wie es mit der Entwicklung der Innenstadt weitergehen soll und wie sich die Bremer City in der Zukunft aufstellen muss, um zu überleben. Dabei wurde deutlich: Während bei einigen Themen höchst unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen, gibt es an einigen Stellen auch Konsens. Weitere Treffen dieser Art sollen folgen.

1 Finanzspritze vom Land

Veranstaltungen in der Innenstadt, alternative Nutzung von leerstehenden Geschäften, Begrünung und freies Wlan: Mit diesen und weiteren Aktionen will der Senat die Innenstadt beleben. Neben den mittelfristig und langfristig geplanten Maßnahmen soll das Aktionsprogramm eine erste Antwort auf die Folgen der Corona-Krise sein. Es handele sich dabei um kurzfristige Hilfen, die dazu beitragen sollen, dass möglichst wenig Unternehmen in der Innenstadt schließen, so Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Laut Senat sollen einige Maßnahmen noch in diesem Sommer umgesetzt werden. Für das Aktionsprogramm werden rund 10 Millionen Euro bereitgestellt. Sie kommen aus dem sogenannten Bremen-Fonds, der insgesamt 1,2 Milliarden Euro umfasst und zur Bewältigung der Corona-Krise aufgelegt wurde.

2 Verkehrskonzepte für die City

Das Thema "Autofreie Innenstadt" sorgt in Bremen schon seit Längerem für Diskussionen. Der City-Gipfel machte noch einmal deutlich: Einen Konsens zwischen Befürwortern und Gegnern des Konzepts ist noch nicht ausgemacht. Die autofreie Innenstadt ist ein zentrales Projekt der rot-grün-roten Koalition. Widerstand dagegen gibt es von Seiten der Wirtschaft. Die Bremer Handelskammer sprach sich auch heute erneut gegen eine autofreie Innenstadt aus:

Der Kern der Innenstadt sollte autoarm, aber nicht autofrei sein.

Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer Handelskammer Bremen

Zwar brauche es eine Stärkung von Fahrrad und ÖPNV, aber die Zufahrt zur Innenstadt müsse weiterhin offen gehalten werden. "Bremens Innenstadt ist Oberzentrum für die weitere Region. Die Menschen kommen mit dem Auto zum Einkaufen hierher", sagte Fonger. Thomas Binder von der Investorengruppe "Denkmalneu" bezeichnet das Projekt "Autofreie City" sogar als "Todesstoß für die Innenstadt". Wiederholt kam von Gipfel-Teilnehmern die Forderungen auf, zunächst einmal zu definieren, was genau mit autofreier Innenstadt eigentlich gemeint sei.

3 Neuer Innenstadt-Wohnraum

Langfristig sei es die wichtigste Aufgabe, Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen, so Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Um die City dauerhaft zu beleben, bräuchte es Menschen, die dort wohnen.

Momentan kommen tagsüber die Touristen und die Menschen, die hier arbeiten. Nach 18 Uhr fährt niemand mehr in die Innenstadt.

Maike Schäfer blickt in die Kamera.
Maike Schaefer, Verkehrs- und Bausenatorin (Grüne)

Dass es in der Zukunft mehr Wohnraum in der Innenstadt braucht, davon waren auch andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gipfels überzeugt. Laut Investor Marco Bremermann werde das Umswitchen in ein Wohnquartier aber noch Generationen dauern. "Darauf können wir nicht warten", so der Investor. Für ihn geht es jetzt einmal darum, aktuelle Bauprojekte wie am Wall oder in der Knochenhauerstraße in den Blick zu nehmen.

4 Möglichst kein Leerstand

Immer mehr Händler in der City gehen Pleite. Die Konsequenz: leerstehende Geschäfte. Wie soll die Stadt mit diesen Räumen umgehen? Auch diese Frage wurde auf dem City-Gipfel diskutiert. Eine Idee, die der Senat verfolgt, ist die sogenannte Zwischennutzung. Laut Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sollen in einigen leerstehenden Geschäften Pop-Up-Stores eröffnen. Damit sind provisorische Läden gemeint, die nur für einen bestimmten Zeitraum bestehen. Auf positive Resonanz stieß auch die Idee des Stadtforschers Stefan Kruse, leerstehende Räume an Künstlerinnen und Künstler zu vergeben. Sie sei demgegenüber sehr aufgeschlossen, so Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz. "Die leeren Schaufenster müssen bespielt werden", forderte Hellena Harttung, Leiterin des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt.

5 Allgemeiner Strukturwandel

Begleitet wurden die Diskussionen um konkrete Maßnahmen für die Innenstadt von einem großen Thema: dem Strukturwandel in der City, der durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt wird. Das betreffe nicht nur Bremen, sondern alle Städte in Deutschland, so Stadtforscher Stefan Kruse.

Die Innenstadt wird in der Zukunft nicht mehr die Mono-Funktion "Einkaufen" haben. Andere Funktionen wie Wohnen und Kultur werden dazukommen.

Stefan Kruse, Stadtforscher

Was die Entwicklung der Innenstadt betrifft, hat Bremen für ihn, im Vergleich zu anderen Städten, aber einen klaren Vorteil: "Die Stadt hat gerade viele Projekte wie das Sparkassen-Areal oder das Balge-Quartier an der Hand und kann dementsprechend die Weichen für die Zukunft stellen." Laut Bürgermeister Andreas Bovenschulte sei das Ziel für die Bremer City deshalb ein Nutzungsmix über den Einzelhandel hinaus. Wie genau der in zehn oder 20 Jahren aussehen wird, könne man jetzt aber noch nicht sagen.

Mitschnitt des City-Gipfels: Wie geht es weiter in Bremens Innenstadt?

Video vom 15. Juli 2020
In der oberen Rathaushalle sitzen Vertreter aus Politik und Wirtschaft an einem langen Tischkarree
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Juli 2020, 19:30 Uhr