Bremer Studenten droht wegen Corona-Regelungen Ausweisung aus den USA

  • Studierende, die wegen Corona nur Online-Kurse absolvieren, sollen laut US-Behörde ausreisen
  • Betroffene bitten Bundesregierung in einem Brief um Hilfe
  • Bremer Student Teddy Lange verlässt USA nicht, aus Sorge nicht zurückkehren zu dürfen
Vor einem modernen Gebäude mit Glas-Fassade stehen junge Menschen mit Koffern
Wegen Corona können viele Veranstaltungen an der Elite-Uni Harvard nicht stattfinden. Bild: DPA | Allison Dinner

Deutsche Studierende in den USA haben die Bundesregierung in einem Brief um Hilfe gebeten. Hintergrund ist eine Entscheidung der US-Einwanderungsbehörde, dass ausländische Studierende die USA verlassen müssen, wenn es an ihren Universitäten wegen der Corona-Pandemie nur Online-Kurse gibt. Teddy Lange aus Bremen studiert an der Elite-Universität Harvard. Auch diese Hochschule will im Herbstsemester nur Online-Vorlesungen anbieten. Lange wird deswegen womöglich zur Ausreise gezwungen.

Etwa 100 deutsche Studierende haben den Brief unterzeichnet. Darin bitten sie die Bundesregierung, den neuen Visabestimmungen der US-Regierung entschieden entgegenzutreten. Viele haben nicht nur Sorge um ihre eigenen Studienaufenthalte. "Wir sehen hier auch einen folgenschweren Angriff auf den internationalen akademischen Austausch und Wissenstransfer sowie auf die Freiheit von Lehre und Forschung", heißt es in dem Brief. Außerdem kritisieren sie, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump mit der Maßnahme Druck auf Universitäten aufbaue, Unterricht vor Ort abzuhalten, auch wenn dies wegen der aktuellen pandemischen Entwicklung nicht ratsam sei.

US-Einreisesperre macht die Lage prekärer

Die Unterzeichner verweisen auch darauf, dass ein reibungsloser Übergang ins Onlinestudium aus Deutschland heraus für viele nicht ohne Schwierigkeiten machbar sei. Wer einen mehrjährigen Aufenthalt in den USA absolviere und hierfür den Lebensmittelpunkt in Deutschland aufgegeben habe, stehe vor existenziellen Fragen. "Wir zählen auf Ihre Rückendeckung ", betonen die Studierenden in dem Schreiben, das an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), an Botschafterin Emily Haber in Washington und an Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag gegangen ist.

Zur Androhung der Ausweisung kommt die US-Einreisesperre für Ausländer aus dem Schengen-Raum hinzu. Niemand weiß, wie lange sie noch gelten wird. Wer einmal die USA verlassen hat, kommt so leicht nicht wieder zurück. Das stellt ausländische Studierende in Harvard vor ein Dilemma: Sollten sie in der Hoffnung darauf, dass die Universität vor Gericht Recht bekommt, ausharren und in den USA bleiben? Sollte Harvard dann eine Niederlage kassieren, müssten sie womöglich Hals über Kopf ausreisen. Wer aber jetzt schon geht, riskiert, vor Semesterbeginn Anfang September nicht wieder zurück zu dürfen.

Bremer Student sieht Lebensmittelpunkt in den USA

Der Bremer Teddy Lange ist deswegen in den USA geblieben, auch wenn er bedauert, dass er nicht zum 60. Geburtstag seiner Mutter im August in seine Heimatstadt reisen kann. "Mein Lebensmittelpunkt ist hier", sagt der Student. "Ich habe massiv Arbeit und Geld investiert, um hier zu sein." Nach der Mitteilung der Einwanderungsbehörde habe er gedacht: "Das kann doch jetzt nicht wahr sein, dass den Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird." Jahrelang hätten er und seine Kommilitoninnen und Kommilitonen auf einen Studienplatz in Harvard hingearbeitet.

Sein Mietvertrag in den USA laufe noch ein Jahr, sagt der 26-Jährige, der zuvor lange durch die Welt gezogen ist. In Boston habe er endlich ein Zuhause gefunden. "Ich habe in Deutschland nichts mehr", sagt Lange. "Kein soziales Umfeld, keine Krankenversicherung, keine Wohnung." Sollte er zurück müssen, könnte er "ein paar Nächte bei Mama auf der Couch schlafen", sagt Lange. "Ich würde mit zwei Taschen und einem Laptop zurückkommen. Und dann müsste ich mein Leben völlig neu ausrichten."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11 Juli 2020, 10 Uhr