4 Forderungen von Bremer Hausärzten im Kampf gegen die Corona-Pandemie

Bremer Hausärzte fürchten Chaos in den Praxen. Sie müssten sich um immer mehr Patienten kümmern, die Angst vor Corona haben. Die Ärzte schlagen eine neue Teststrategie vor.

Ein Arzt und ein Patient sitzen in einem Sprechzimmer.
Wegen steigender Coronazahlen befürchten Bremer Hausärzte einen Ansturm auf ihre Praxen (Symbolbild). Bild: DPA | Monika Skolimowska

Nicht so effizient, wie es sein könnte, nicht so klar, wie es sich die Patienten wünschten: Bremer Hausärzte sind mit der Corona-Teststrategie des Senats nicht zufrieden. Hausärzte müssten stärker einbezogen werden, fordert der Hausärzteverband Bremen. Konkret schlägt der Verband diese Schritte vor:

1 Zentrale Teststelle für Patienten ohne Symptome

Um Arztpraxen zu entlasten, fordert der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Hans-Michael Mühlenfeld, eine zentrale Anlaufstelle für solche Patienten, die zwar unter keinen Corona-Symptomen leiden, die aber dennoch gern einen Test machen möchten. Etwa, weil sie ein negatives Testergebnis an ihrem Urlaubsort vorzeigen müssten. Für ein solches Testzentrum sei im Bremer Stadtgebiet etwa die Bürgerweide prädestiniert, findet Mühlenfeld.

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, hält dagegen, dass der öffentliche Gesundheitsdienst gar nicht dazu ermächtigt sei, ein derartiges Testzentrum einzurichten. "Der öffentliche Gesundheitsdienst ist nur für die Pandemie-Bekämpfung zuständig", so Fuhrmann. Außerdem gebe es in Bremen bereits die Möglichkeit, auf eigene Rechnung einen Coronatest zu machen, ohne den Hausarzt aufzusuchen. Fuhrmann verweist auf die Unfall-Hilfe der Johanniter in Habenhausen.

2 Eilüberweisungen für vorrangige Tests

Bis nach einem Abstrich das Ergebnis eines Coronatests vorliegt, vergingen in Bremen mitunter bis zu vier Tage, sagt Mühlenfeld. Die Labore seien offenbar zeitweise überlastet. Dennoch komme es bei manchen Tests stärker als bei anderen darauf an, dass man das Ergebnis schnell kenne. Dann etwa, wenn es um medizinisches Personal gehe, das dringend in der Praxis gebraucht werde. Aus diesem Grund wünscht sich der Hausärzteverband Bremen die Möglichkeit, die entsprechenden Tests etwa durch eine "Eilüberweisung" kennzeichnen zu können, damit die Labore diese Abstriche vorrangig untersuchten.

Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann sagt dazu, dass die Labore, darunter das Medizinische Labor Bremen, bereits klare Prioritäten bei der Auswertung der Coronatests setzten, etwa aufgrund der Herkunft der Abstriche.

3 Telefonische Krankschreibungen

Patientinnen und Patienten mit leichten Beschwerden in den oberen Atemwegen konnten sich aufgrund einer Sonderregelung im Frühjahr zeitweise auch telefonisch von ihren Ärzten krankschreiben lassen. Doch seit Juni müssen sie sich hierzu wieder persönlich in den Praxen untersuchen lassen.

Der Bremer Hausärzteverband wünscht sich eine Rückkehr zur Sonderregelung aus dem Frühjahr. "Das würde die Praxen entlasten", sagt Hans-Michael Mühlenfeld dazu. Auch sei die Option, Patienten aufgrund eines Telefonats kurzzeitig krankschreiben zu können, aus Gründen des Infektionsschutzes sinnvoll.

Die Entscheidung für oder gegen die Krankschreibung ohne persönliche Untersuchung des Patienten obliegt allerdings nicht dem Bremer Senat. Sie wird durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) voraussichtlich Mitte November getroffen.

4 Infektionssprechstunden nur in geeigneten Praxen

Nach einem Beschluss der kassenärztlichen Vereinigung in Bremen vom 23. September sind "alle an der hausärztlichen Versorgung teilnehmenden Praxen in Bremen und Bremerhaven" dazu verpflichtet, tägliche Infektionssprechstunden anzubieten. Doch der Bremer Hausärzteverband hält diese Regelung für "nicht sinnvoll", wie Mühlenfeld sagt.

Denn viele Hausärzte im Land Bremen gehörten ihrerseits zur Risikogruppe, etwa, weil sie über 60 Jahre alt seien. Dass diese Kollegen nun gezwungen seien, möglicherweise mit Corona infizierte Patienten einzubestellen, sei gefährlich. Besser wäre, wenn diese Ärzte von den Infektionssprechstunden ausgenommen würden und Patienten gezielt an geeignete Praxen überweisen könnten.

Lukas Fuhrmann aus dem Gesundheitsressort sagt dazu, dass es der Politik nicht zustehe, den niedergelassenen Ärzten in die Regelungen zur Infektionssprechstunde reinzureden. Die Ärzte müssten den Konflikt um die Infektionssprechstunden untereinander lösen.

Tests in Bremen erst einmal für Risiko-Gruppen – nicht für Urlauber

Video vom 8. Oktober 2020
Die Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard im buten un binnen Studio.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Oktober 2020, 19:30 Uhr