FFF-Aktivistin: Das ist die Bremer Frau des Jahres 2020

Bekannt wurde sie als Gesicht der Bremer Fridays-for-Future-Bewegung: Frederike Oberheim ist erst 20, seit einem Jahr politisch aktiv – und schon ausgezeichnet.

Video vom 8. März 2020
Die Klimaaktivistin Frederike Oberheim steht in der Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses.
Bild: Radio Bremen

Frederike Oberheim ist zur Klimabewegung eher zufällig gekommen. Im Januar 2019 begleitete sie eine Freundin, die gehört hatte, dass für die Anmeldung einer Demo in Bremen noch eine volljährige Person gesucht wurde. Damals sei es nur eine Gruppe von etwa 15 Menschen gewesen, aus Veganer-Kreisen, wie Oberheim erzählt. Schon zwei Monate später hielt sie selbst ihre erste Rede vor großem Publikum. Am "Frauenkampftag", wie sie den Weltfrauentag nennt, dem 8. März 2019. Thema: Klimakrise und Feminismus. Genau ein Jahr später wird sie jetzt als "Bremer Frau des Jahres 2020" vom Landesfrauenrat geehrt. Ein schöner Zufall, findet Oberheim, denn eigentlich wollte sie feministische Arbeit machen. "Ich bin vorher bei den Klimaleuten hängen geblieben."

Überrascht hat sie die Entscheidung des Landesfrauenrates dennoch. "Ich habe erstmal Mama angerufen", sagt sie und lacht. "Eine solche Wertschätzung von einem solchen Verein zu bekommen, das ist super schön zu wissen." Im Vergleich zu anderen Bewegungen sei Fridays for Future sehr weiblich geprägt. Nicht zuletzt durch die Galionsfigur, die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Sie war die erste, die für den Klimaschutz die Schule sausen ließ und das publik machte.

"Wie bringt man Leute dazu, ihr Verhalten zu ändern?"

Auch Oberheim ist jung: Sie ist 20 Jahre alt und studiert Psychologie an der Uni Bremen. Aufgewachsen ist sie im nordrhein-westfälischen Emsdetten. Dort engagierte sie sich bereits in der Jugendarbeit. Da ging es aber mehr um Flucht und Integration, erzählt sie. Politische Arbeit mache sie erst seit einem guten Jahr. Auch zur Präsidentin des Studierendenrates wurde sie in dieser Zeit. Das Psychologiestudium hilft ihr bei einigem weiter, meint sie. "Man setzt sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen auseinander und mit der Frage: 'Wie bringt man Leute dazu, ihr Verhalten zu ändern?'" Ein zentrales Thema der Klimabewegung.

Sie selbst ist Veganerin, reist nicht mehr im Flugzeug. "Früher habe ich mir das auch immer so vorgestellt, dass ich als Studentin mal nach Südamerika fliege und so. Das kann ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren", sagt sie. Zu ihren Vorbildern zählt sie neben Frauen wie Simone de Beauvoir oder Rosa Luxemburg auch die eigene Mutter und ihre Grundschullehrerin. Die habe ihr einiges zugetraut.

Früher habe ich mir das auch immer so vorgestellt, dass ich als Studentin mal nach Südamerika fliege und so. Das kann ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.

Frederike Oberheim, Klima-Aktivistin

Klima-Aktivisten wollen autofreies Bremen

Sich selbst beschreibt sie als feministisch, aktiv, direkt, rational. Auch, wenn es bei der Klimadebatte manchmal schwer sei, nicht emotional zu werden. "Manchmal kommen mir bei wissenschaftlichen Vorträgen die Tränen." Wie wichtig ist es eigentlich, anzuecken? "Es lohnt sich, anzuecken, aber auch nicht immer", sagt Oberheim. "Man muss unterscheiden zwischen Kampf und Haarspalterei. Man eckt eben an, wenn man die Wahrheit sagt. Solange mir die Wissenschaftler nachher sagen, dass an der Rede alles richtig war, ist das ok."

Es lohnt sich, anzuecken, aber auch nicht immer. Man muss unterscheiden zwischen Kampf und Haarspalterei. Man eckt eben an, wenn man die Wahrheit sagt.

Frederike Oberheim, Klima-Aktivistin

Die Bremer Klima-Aktivisten fordern unter anderem, dass ganz Bremen autofrei wird, nicht nur die Innenstadt, wie es binnen zehn Jahren geschehen soll. "Zwei Straßen ändern nichts an der Klimabilanz", sagt Oberheim. Das sei zwar schön für die Bremer Innenstadt, greift aus ihrer Sicht aber viel zu kurz. Ein Bremen ohne individuellen Autoverkehr – mit Ausnahme von Krankenwagen und ähnlichem – das kommt nicht überall gut an, verstehen viele als starke Einschränkung. "Seit Ende des Jahres haben wir mit allen Parteien eine ganz gute Basis", meint die 20-Jährige.

Auch das war nicht immer so. Auf der Landesmitgliederversammlung der Bremer Grünen im März 2019, zu der Oberheim als Gastrednerin eingeladen war, hatte sie der Partei Versagen in der Umweltpolitik vorgeworfen und diese damit brüskiert. Das führte dazu, dass die jetzige Umweltsenatorin Maike Schaefer die Parteilinie verteidigte. Darauf angesprochen schmunzelt Oberheim. "Wir werden auch weiter das sagen, was unsere Message ist und äußern, wenn etwas nicht die Politik ist, die wir brauchen."

Spaltet die Klimadebatte die Gesellschaft?

Video vom 25. September 2019
Stephan Tittelbach und Frederike Oberheim sitzen gemeinsam am Tisch und diskutieren.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Verena Patel Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. März 2020, 19:30 Uhr