So nutzen Kriminelle die Verzweiflung von Wohnungssuchenden aus

Eine schöne, günstige Mietwohnung in bester Lage: Zu schön, um wahr zu sein? In der Tat. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt ist auch so mancher Betrüger unterwegs.

Eine mit einem Textmarker markierte Wohnungsannonce.
Die verzweifelte Suche nach einer Wohnung in den Großstädten spielt Betrügern in die Karten. Bild: DPA | Christian Ohde

Vor etwa zwei Wochen hatte der junge Informatik-Student, der anonym bleiben möchte, offenbar die Wohnung seiner Träume auf einer Online-Webseite gefunden. Zentral, in Schwachhausen, sehr schön eingerichtet – und noch dazu für einen günstigen Mietpreis. "Die Lage war wunderbar, die Wohnung super ausgestattet. Ich habe mich direkt beworben", erzählt er. Eigentlich hatte er schon eine Wohnung in Bremen, doch ganz zufrieden war er nicht. Er wollte etwas Anderes suchen. Und dachte, was Besseres sei endlich angekommen. Doch nach der anfänglichen Begeisterung kamen die ersten Zweifel auf.

Es war irgendwie zu schön, um wahr zu sein. Ich habe mich dann gefragt: Wo ist hier der Haken?

Informatik-Student, Universität Bremen

Der Haken ließ nicht lange auf sich warten. "Die Vermieterin schrieb, dass sie nicht mehr im Lande sei", erzählt er. Sie hätte einen Vertrag mit einer Firma in der Schweiz unterschrieben und befände sich schon dort. Die Wohnung könne deshalb nicht besichtigt werden. Doch wenn der Interessent die Kaution per App überweise, könne er dann direkt einziehen.

Hier wurde der angehende Informatiker stutzig. Er versuchte mit einer Freundin, die angebliche Vermieterin online ausfindig zu machen. In der digitalen Welt schien sie aber nicht zu existieren. "Dann sind wir direkt an die angegebene Adresse gefahren. Doch der Name der Frau stand nicht an der Klingel. Und auch das Haus sah gar nicht so wie auf den Bildern aus." Damit war klar: Das Angebot ist eine Abzocke.

In Bremen nur wenige Einzelfälle bekannt

Dem Studenten kamen Erinnerungen an einen früheren Betrugsversuch hoch. "Vor etwa zwei, drei Jahren war das auch schon passiert. Bei der damaligen Anzeige handelte es sich um einen Scheich aus Saudi-Arabien, der eine Wohnung für den Sohn gekauft hatte. Der hätte in Bremen studieren sollen, hatte es sich dann aber anders überlegt." Auch damals hatten die Kriminellen jedoch keinen Erfolg mit dem Trick gehabt. "Ich habe am Ende festgestellt, dass die Bilder der Wohnung gar nicht aus Bremen stammten."

Diese Betrugsmasche ist eigentlich nicht neu, erzählt Gert Brauer, Rechtsanwalt beim Bremer Mieterschutzbund. "Seit 10 Jahren taucht sie immer wieder auf. Eine Zeit lang hörte man weniger davon, und dann doch wieder." Wie viele Menschen in Bremen betroffen seien, könne er nicht einschätzen. Die Betroffenen wandten sich meist direkt an die Polizei. "Ich kriege es nur am Rande mit", sagt er. Die Polizei Bremen bestätigt, dass die Betrugsmasche in der Hansestadt bekannt ist. Es handele sich aber nur um wenige Einzelfälle, teilte ein Sprecher buten un binnen mit.   

Aufpassen bei Zahlungsaufforderungen im Vorab

Jedoch ist denkbar, dass nicht alle Betrugsversuche zur Anzeige gebracht werden. Auch der junge Informatiker konnte den Fall nicht melden. "Wir wollten das eigentlich tun, aber die Anzeige war schon weg. Sie müssen sie gleich danach gelöscht haben", sagt er.

Drei Personen vor einer Seite mit Wohnungsanzeigen an einer Pinwand.
Verbände und Experten raten davon ab, Geld zu überweisen, ohne die Wohnung gesehen oder einen Vertrag unterschrieben zu haben.

In der Region gab es bereits einige Fälle. In Oldenburg hat die Polizei jetzt vor der Masche gewarnt. Auch der Mieterbund Niedersachsen kennt das Problem, vor allem in Universitätsstädten, wo sehr viele Menschen zu Semesterbeginn auf der Suche nach einer Bleibe sind.

Mittlerweile haben mehrere Online-Portale Hinweise und Ratschläge veröffentlicht, wie man Betrüger erkennen kann. So teilt "Immonet" auf seiner Webseite mit, dass auffällig niedrige Preise, ein für die Gegend ungewöhnlicher Baustil, falsche Adressen, Aufforderungen zu Vorab-Zahlungen oder emotionale Geschichten Indizien für Fake-Anzeigen sein könnten. Auch sind fehlende Informationen wie Angaben über die Nebenkosten, fehlende Ansprechpartner oder Texte, die wie eine maschinelle Übersetzung aus dem Englischen klingen, verdächtig.

Betrüger nutzen die Lage auf angespannten Wohnungsmärkten aus

Der Trick mit der Vorkasse sei der am häufigsten angewendete, schildert "Immonet" weiter. Dabei nutzten die Täter vor allem die Lage auf angespannten Wohnungsmärkten in den Großstädten aus. Davon ist auch der Bremer Student überzeugt. Zum Semesterstart ziehen viele Studenten nach Bremen, suchen eine Wohnung, der Markt sei daher stark umkämpft.

Die Leute sind verzweifelt, sie brauchen eine Wohnung. Das macht die Sache einfacher für die Betrüger.

Informatik-Student, Universität Bremen

Auch er habe eine lange Wohnungssuche hinter sich. "Ich habe sehr viele Absagen bekommen. Oder man hat schon bei der Anzeige nach berufstätigen Mietern gesucht", erzählt er. "Mittlerweile bekommt man Besichtigungstermine, wo man sich zusammen mit anderen 20 potenziellen Mietern trifft. Der Vermieter fängt an, die Auswahlkriterien aufzulisten. Dann geht schon die Hälfte der Interessenten." Doch wie verzweifelt die Suche auch erscheinen mag: Geld verschicken, ohne den Vertrag unterschrieben oder gar die Wohnung besichtigt zu haben, sollte man auf keinen Fall. Darüber sind sich Verbände sowie Portale einig.

Was Bremen von anderen Städten lernen kann

Reporter Felix Krömer, der eine Frau interviewt.

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 21. Oktober 2019, 13 Uhr