Infografik

Auf diesen alten Strecken rund um Bremen könnten bald wieder Züge fahren

Verkehrsverbände fordern bundesweit die Reaktivierung von Bahnstrecken, um das bestehende Schienennetz zu entlasten. Das betrifft auch diese Strecken im Bremer Umland.

Gleise und daran angrenzende Grundstücke mit Zäunen und Häusern (Archivbild)
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und die Allianz pro Schiene möchten Bahnstrecken reaktivieren, um das Schienennetz zu entlasten.

Geht es nach dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) könnten nicht nur entspannte Touristen bald auf der historischen Bahnstrecke zwischen Bremen und Stade unterwegs sein. Auch Pendler sollten die Strecken nutzen, fordert der VDV zusammen mit dem Verein "Allianz pro Schiene" – und einige Gemeinden begrüßen den Vorschlag.

Der Verband hat in einer Pressekonferenz vorgeschlagen, dass 186 stillgelegte Bahnstrecken in Deutschland reaktiviert werden. Gut 3.000 Kilometer Bahnschienen wären davon betroffen. Das Ziel ist, das überlastete Schienennetz zu entlasten. Von den vorgeschlagenen Strecken befinden sich vier im Umland von Bremen und Bremerhaven.

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1 Die Strecken zwischen Osterholz-Scharmbeck und Stade

Auf den Strecken zwischen Osterholz-Scharmbeck/Bremen, Bremervörde und Stade fährt derzeit der Moorexpress: Der rote, legendäre Zug rollt in den Sommermonaten durch das Teufelsmoor nördlich von Bremen. "Die Schienen sind vorhanden, es gibt sehr viel Potential für den Nahverkehr, um den Verkehr im Ballungsraum Bremen auf Schienen zu verlagern", sagt Andreas Geißler von "Allianz pro Schiene".

Auf seinem Weg durch das Teufelsmoor ährt der Moorexpress über eine alte, teilweise bewachsene Gleisanlage
Neben Güterzügen fährt auch der Moorexpress auf den Bahnstrecken 9132 und 1260. Bild: DPA | Ingo Wagner

Auch Bremervördes Bürgermeister, Detlev Fischer, begrüßt den Vorschlag. "Bremervörde befürwortet das, genauso wie einen eventuellen Testbetrieb nach Stade." Um die Schieneninfrastruktur an die Anforderungen des Personennahverkehrs anzupassen, wären auf der Strecke zwischen Stade und Bremervörde nicht besonders viele Investitionen notwendig.  "Weil der Fahrweg in Ordnung ist und nicht erweitert werden muss. Außerdem gibt es große Pendlerströme in beide Richtungen", fügt er hinzu.

Wir sind positiv gestimmt, dass es gelingen könnte, sogar einen stündlichen Taktverkehr zwischen Bremervörde und Stade anzubieten.

Detlev Fischer, Bürgermeister von Bremervörde

Die größten Herausforderungen dürften die Modernisierung der Haltestellen und die zusätzlichen, notwendigen Züge sein. Die Bahnhöfe sollten attraktiver gestaltet werden, so der Bürgermeister. "Man braucht Parkplatz, Warteräume im Trockenen und Möglichkeiten, die Fahrkarten vor Ort zu erwerben." Auf der Strecke in Richtung Osterholz-Scharmbeck/Bremen seien die Schienen hingegen noch nicht ertüchtigt worden, um den schnelleren Verkehr zu unterstützen. "Hier wären höhere Investitionen in den Fahrweg notwendig", schätzt Fischer. Auch Bremen hatte Interesse daran gezeigt. Doch eine Überprüfung durch Niedersachsens Regierung habe ergeben, dass die Strecke nicht wirtschaftlich betrieben werden könnte, erzählt ein Sprecher des Verkehrssenators.

2 Die Strecke zwischen Huchting und Leeste

Die Linie Osterholz-Scharmbeck/Stade ist nicht die einzige Bahnstrecke im Umland, die der VDV für den Personenverkehr reaktivieren möchte. Eine weitere ist die Strecke, die Bremen mit Stuhr und Leeste verbindet. Dort – zwischen Stuhr und Thedinghausen –verkehrt in den Sommermonaten die Museumsbahn "Pingelheini". Momentan ist jedoch die Strecke zwischen Leeste und Stuhr wegen Gleisarbeiten gesperrt. Seit einigen Jahren ist die Verlängerung der Linie 8 über Stuhr bis nach Weyhe ein großes Thema in Bremen und Niedersachsen. Es geht um ein System, das Straßenbahn- und Bahngleise kombiniert, erläutert Andreas Geißler von "Allianz pro Schiene".

Vor allem für die Pendler und die Entlastung des Verkehrs könnte das Projekt nützlich sein, betonen Politiker in Stuhr. Auch in Bremen wird das Projekt vom Verkehrssenator und der Koalition stark befürwortet, es wurde sogar im Koalitionsvertrag festgelegt. Doch gegen die Pläne gab es auch Proteste von örtlichen Vereinen. Zudem hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg das Vorhaben 2016 wegen Fehlern im Planfeststellungsverfahren gestoppt. Momentan ist die Revision beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig.   

Die Kosten hängen von der vorhandenen Infrastruktur ab. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Reaktivierung kostengünstiger ist, als neue Strecken zu bauen.

Andreas Geißler, Allianz pro Schiene

3 Die Strecke zwischen Nordenham und Nordenham-Blexen

Weserfähre Nordenham Blexen Bremerhaven
Ein Fähre verbindet Nordenham-Blexen mit Bremerhaven.

Auch die Bahnlinie zwischen Nordenham und Blexen gehört zu den vorgeschlagenen Trassen. Hier wurde in den achtziger Jahren der Personenverkehr eingestellt. "Damals hat man den Fehler gemacht, dass man nicht auf das Potential geschaut hat. Inzwischen hat sich eine andere Nachfrage entwickelt, zum Beispiel mit der Fähre nach Bremerhaven", sagt Geißler. Die Bahnlinie könnte also die linke Weserseite mit Bremerhaven verknüpfen. Auch der Landkreis Wesermarsch würde die Reaktivierung der Strecke begrüßen. Das letzte Wort bei diesen Projekten haben jedoch die Bundesländer, erläutert Geißler.

Das niedersächsische Verkehrsministerium zeigt sich im Prinzip offen für das Vorhaben: "Einige der vom VDV und der "Allianz pro Schiene" geforderten Reaktivierungen wurden auch vom Land Niedersachsen beim Bund für ein mögliches künftiges Reaktivierungsprogramm angemeldet. Offen ist bislang, ob und wenn ja, wie viele Mittel der Bund für Streckenreaktivierungen zur Verfügung stellen wird", teilte ein Sprecher mit. Das Problem bei solchen Projekten sei oft die mangelnde Wirtschaftlichkeit. 

Wenn sich die Möglichkeit bietet, dass Strecken in Niedersachsen mit Bundesmitteln reaktiviert werden können, so wird das Niedersächsische Verkehrsministerium dies wohlwollend prüfen.

Christoph Ricking, Sprecher des niedersächsischen Verkehrsministeriums

Anders ausgedrückt rechtfertigen die potentiellen Nutzen nicht die in Aussicht gestellten Kosten. So war es im Fall der Strecken Osterholz-Scharmbeck/Stade. "Aufgrund eines geringen Pendlerpotenzials und einer ungünstigen Lage der Haltepunkte hatte die Strecke damals schlecht abgeschnitten", teilt der Sprecher mit. Die Investitionskosten hätten sich auf 80 Millionen Euro belaufen. Ähnlich verlief es im Fall von Nordenham. Hier lag die Kostenschätzung bei sieben Millionen Euro. Befürwortet wird hingegen das Projekt der Straßenbahnverlängerung der Linie 8, die tatsächlich stattfinden sollte. Vorausgesetzt, dass das Bundesverwaltungsgericht das auch so sieht.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 22. Mai 2019, 23:30