Archäologischer Fund: War Bremen früher größer als vermutet?

Bremen könnte im frühen Mittelalter dichter besiedelt gewesen sein, als bislang vermutet. Dies legt ein neuer Fund nahe, den Archäologen jetzt am Wall freigelegt haben.

Video vom 16. Januar 2020
Baustelle Wallkontor
Bild: Radio Bremen

Die Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Geschäfts Harms am Wall lässt Bremens Stadtarchäologen frohlocken. Denn bei Baggerarbeiten auf dem Grundstück wurde jetzt ein weiterer bedeutsamer Fund freigelegt. Die Forscher stießen auf ein rund 1.200 Jahre altes Haus, eines der ältesten jemals entdeckten in Bremen.

Erstaunlich dabei ist, dass das Gebäude für die damalige Zeit um 800 nach Christus recht weit entfernt vom Bremer Marktplatz lag. War Bremen also größer als bislang angenommen? Für den Bremer Stadtarchäologen Dieter Bischop ist der Fund diesbezüglich von besonderer Bedeutung.

Es ist schon etwas, das zeigt, das Bremen im frühen Mittelalter viel dichter besiedelt war als bislang vermutet.

Dieter Bischop, Bremer Stadtarchäologe

"Eine dichtere Besiedlung deutet schon auf eine vielleicht höhere Bedeutung in dieser frühen Zeit hin", sagt er. Schwarze Erde im Innenraum weist darauf hin, dass das Haus in den Boden eingegraben war und womöglich ein einfaches Reetdach hatte. "Es war so einen halben oder einen Meter in die Erde eingetieft“, sagt Bischop.

Er geht davon aus, dass es vermutlich kein reines wohnhaus war. "Vielleicht haben dort Schmiede gearbeitet", sagt der Archäologe. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Gebäud hat mutmaßlich die Gefahr reduziert, dass Funkenflug ein Feuer auslöst und den Rest der frühen Stadt vernichtet.

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So bedeutend der Fund auch ist: Gesichert werden kann er wohl nur virtuell. Denn das Holz, aus dem er einst bestand, ist längst verrottet. Die Ausgrabung wird daher nur vermessen und digitalisiert. Der Fund selbst bleibt nicht erhalten.

Anders als die bereits im Herbst auf der Baustelle gefundenen Reste der Bremer Stadtdmauer, die wohl einst von einem Mauertürme geziert wurden. Dieser Fund wird voraussichtlich in den geplanten Neubau am Wall integriert.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Januar 2020, 19:30 Uhr